Radioaktive Stoffe im Grundwasser
Aber wo in Hedwigsburg und Vienenburg mit den geschilderten Ereignissen die Katastrophe zu Ende war, beginnen nach dem Absaufen von Asse II die Probleme erst. Betrachten wir die Lage: Das unterirdische Hochhaus existiert nun nicht mehr. Es ist zusammengesturzt, mit Wasser vollgelaufen und lost sich gerade auf. Bald werden 125 000 Rollreifenfasser in einer konzentrierten Salzlosung liegen. Die weitaus meisten Behalter bestehen aus nur 1,5 Millimeter dunnem Blech. Spatestens nach einem halben Jahr hat der Rost sich bis zum strahlenden Inhalt durchgefressen. Die Fasser sind wegen der Einlagerung in zum Teil feuchte Kammern ohnehin schon weitgehend korrodiert.
Außerdem trug die rabiate Abkipptechnik zur Zerstorung vieler Behalter bei. Die GSF behauptete 1975, in einer Salzlauge konnten sich die freigesetzten Radionuklide nur durch langsame Verteilung und Durchmischung fortbewegen – ein Vorgang, bei dem sie fur die Ausbreitung bis an die Erdoberflache angeblich 10 000 Jahre benotigten.
Die Stromungsverhaltnisse in einem abgesoffenen Salzbergwerk sind allerdings vielfaltiger Natur. Der Eingriff des Menschen in das komplizierte geodynamische Gleichgewicht zwischen Salzstock und Erdoberflache fuhrte zu empfindlichen Storungen im Erdreich. Die riesig dimensionierten Hohlraume des Salzbergwerks Asse II fordern die Bildung von Rissen, Spalten und Fugen in wasserfuhrenden Gesteinsschichten. Nach dem Absaufen der Grube konnen sich die verseuchten Losungen ausbreiten und abfließen, wenn durch hydraulische Krafte Stromungen entstehen und es mehrere Verbindungsstellen zwischen der mit Salzlosungen gefullten unterirdischen Ruine und wasserfuhrenden Reservoiren im Deckgebirge gibt.
Es gibt noch eine andere Ausbreitungsmoglichkeit, die sich nicht verhindern lasst. Der Gebirgsdruck lastet ja weiterhin auf den flussigkeitsgefullten Hohlraumen, so dass sich ihre Wande und Decken unaufhorlich aufeinander zu bewegen. Dadurch werden die verseuchten Losungen mit hoher Druckenergie aus dem Grubengebaude herausgepresst und stromen in das nahe Deckgebirge. Fur den Fall solcher "außeren Druckgefalle" berechnete Jurgens die unterschiedlichen Fließ- und Sickergeschwindigkeiten von Salzlaugen und Losungen in Lehm, Sand und anderen porosen Gesteinsschichten und Erdstoffen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die Radionuklide sehr wohl in wenigen Wochen an die Erdoberflache gelangen konnten.
Bei seiner Analyse der moglichen Grundwasserstrome nach dem hypothetischen Absaufen des Endlagers Asse II betrachtete Jurgens 1980 das versturzte Deckgebirge oberhalb des Salzstocks. In diesen Gesteinsschichten versickern jahrlich mehrere Hunderttausend Kubikmeter Niederschlagswasser seitlich durch Ritzen und Bruche in geologischen Schichtungen. Diese Wassermengen entsprechen einer Quelle mit der Abflussmenge von etwa 10 Litern pro Sekunde. Der senkrechte Auftrieb von Stromungen in Form aufsteigender Salzwasser konnte nun radioaktive Losungen durch die Spalten befordern.
Als Zielort kame unter anderem die vier Kilometer lange und 200 Meter breite Grundwasserhori-zontflache zwischen der Schachtanlage Asse II und dem sudostlich vom Schacht gelegenen Dorf Berklingen in Frage. Dabei konnte sie etwa ein Drittel der Quellabflussmenge verseuchen.
Hier finden sich auch salzhaltige Quellen, was die Verbindung des Wassers zum Salzstock beweist. Sie liegen auf demselben Hohenniveau wie die Quellen am Nordrand des Asse-Hohenzuges. Inzwischen bestreitet selbst die GSF die Ausbreitung der Radionuklide im Grundwasser beim groten anzunehmenden Unfall nicht mehr und nutzt sogar die Modelle und technischen Zeichnungen von Jurgens, um ihre eigenen Thesen zu demonstrieren. Wahrend Jurgens eine Ausbreitung in alle Himmelsrichtungen vermutet, glauben die GSF-Wissenschaftler an ein Vordringen der radioaktiven Stoffe allein in nordwestlicher Richtung bis ins Grundwasser der Gemeinde Wittmar und in die Tiefe der geologischen Remlinger Mulde.
Atommüll im Salz – und Wasser am Hals
Radioaktive Stoffe im Grundwasser
Rückhohlung bedeutet Müllverdopplung
http://www.heise.de/tp/artikel/29/29490/1.html- Re: re (15.1.2010 21:29)
- Re: re (19.7.2009 18:07)
- Re: In Opera ebenfalls Probleme (18.7.2009 4:33)
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