Bailout als Marketing-Gag

Peter Mühlbauer 09.01.2009

Hustler-Chef Larry Flynt und sein Pornoproduzentenkollege Joe Francis wollen fünf Milliarden Dollar von der Regierung

Der Chef des Musiklabels Tommy Boy hatte es mit seiner "Forderung" bereits vorgemacht, nun nehmen möglicherweise auch zwei Vertreter der Pornoindustrie die Bailout-Wünsche von US-Unternehmen und Branchenverbänden aufs Korn:

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Hustler-Chef Larry Flynt und Joe Francis, der CEO von Mantra Films, einer Firma, die vor allem mit der Marke "Girls Gone Wild" Geld verdient, meldeten in einem gemeinsamen Brief an den US-Kongress Ansprüche auf einen Rettungsplan an, wobei ihnen eine Staatshilfe in Höhe von fünf Milliarden Dollar für die 13-Milliarden-Dollar schwere Branche vorschwebt. Allerdings verhalten sich die Details der Forderung zu denen der Finanz- beziehungsweise der Autoindustrie wie die Drehbücher der Porno-Parodien zu denen von Hollywood-Schmonzetten. Bei Flynt und Francis geht’s grundsätzlich um dasselbe, aber sie kommen weitaus schneller und direkter zur Sache. Und das Drumherum wirkt angesichts der leichten Erkennbarkeit als Beiwerk eher belustigend.

Die Argumentation im Bailout-Brief der beiden Pornofürsten liest sich zudem nicht ganz widerspruchsfrei: In schwierigen Zeiten, so Francis, würden sich Amerikaner verstärkt der Unterhaltung zuwenden, um sich zu entspannen - und die Pornoindustrie werde innerhalb dieses Unterhaltungssegments immer wichtiger.

Allerdings, so der Mitverfasser Flynt, würden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch die Lust der Amerikaner auf Sex dämpfen. Die Leute seien "zu deprimiert um sexuell aktiv zu sein", was wiederum der Volksgesundheit sehr abträglich wäre. Doch Amerikaner könnten dem Hustler-Gründer zufolge zwar ohne Autos leben, aber nicht ohne Sex. Deshalb müsse der Kongress ihren "sexuellen Appetit auffrischen" und die einzige Art und Weise wie das gelingen könne, sei eine "Unterstützung" der Pornoindustrie – "und zwar schnell."

Ob die Wirtschaftskrise nun den Bedarf nach Pornographie steigert oder senkt, das lassen die beiden Unternehmer letztendlich ebenso offen wie die Auswirkungen des Internets, auf die sie ebenfalls eingehen: Es ist ihrer Ansicht nach die Ursache dafür, dass der Absatz von Porno-DVDs 2008 um 22 Prozent schrumpfte - während, wie sie noch im gleichen Absatz feststellen - die Besucherzahlen von Webangeboten wie Hustler und Girls Gone Wild deutlich zunahmen.

Unerwähnt blieb in dem Brief, dass die Tochterfirma Hustler Europe ein relativ krisensicheres Geschäftsmodell entdeckte, mit dem das Unternehmen Internetanschlussinhabern potentiell Geld aus der Tasche ziehen kann, selbst wenn sie nichts konsumieren.

Auch wenn ihre "Bailout-Forderung" in den meisten Mainstream-Medien als ernsthaftes Anliegen dargestellt wurde, spricht einiges dafür, dass Flynt und Francis nicht wirklich erwarten, dass der Kongress auf ein so öffentlich gemachtes Angebot eingeht. Zwar stimmten amerikanische Abgeordnete bereits manch seltsamem und vorwiegend Spezialinteressen dienendem Vorhaben zu, aber ein Rettungsplan für die Pornoindustrie erzeugt in den US-Medien durchaus mehr Aufsehen und medialen Gegenwind als eine bizarr begründete Copyrightverlängerung oder ein Technologieverbot.

Dafür war die mit den weltweiten Schlagzeilen erzeugte Aufmerksamkeit kostenlose Werbung, die auch Personen über die traditionelle Zielgruppe hinaus erreichte. Auf der Website HustlerWorld informierte man dazu passend gleich neben der Bailout-Pressemitteilung über einen neuen Film, der sich offenbar besonders an ein politikinteressiertes Publikum wendet: "Who's Nailin Paylin' Now? Obama is!"

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29502/1.html
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