Hoffnung für den Regenwald?

Florian Rötzer 14.01.2009

Zwar schreitet die Zerstörung des Regenwalds voran, aber es gibt auch den Trend, dass die Menschen wieder abwandern und der Wald wieder wachsen kann

Die Regenwälder werden zerstört und irgendwann, abgesehen von Reservaten, verschwinden – und mit ihnen viele Pflanzen- und Tierarten. Dieses Bild, das den modernen Gedanken des unaufhörlichen Fortschritts in den von der Furie des irreversiblen Verschwindens verkehrt, könnte womöglich nicht ganz richtig sein. Zumindest wollen Wissenschaftler nun nicht nur das weitere Verschwinden des Regenwalds auf Satellitenbilder beobachtet haben, sondern auch das Gegenteil: die Wiederkehr des Waldes in Gegenden, die einst abgeholzt und/oder landwirtschaftlich genutzt worden waren, aber dann von den Menschen wieder verlassen wurden.

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Auf einer Konferenz im Smithsonian National Museum of Natural History diskutierten Wissenschaftler über das Thema: Will the Rainforests Survive? New Threats and Realities in the Tropical Extinction Crisis. Nach Greg Asner von der Carnegie Institution ist die Zerstörung bislang gewaltig gewesen. Gab es ursprünglich etwa 20 Millionen Quadratkilometer Regenwald so wurden 10 Millionen mindestens zur Hälfte gerodet, 5 Millionen Quadratkilometer wurden mit größeren Rodungen teils schwer beeinträchtigt.

Allein zwischen 2000-2005 wurden vom verbliebenen Regenwald 275.000 Quadratkilometer, eine Fläche so groß wie Großbritannien, zerstört. Dagegen nimmt sich die Fläche, auf der wieder Wald wächst, ziemlich bescheiden an. Aber immerhin wächst er auf 350.000 einst gerodeten Quadratkilometern (1,7 Prozent der ursprünglichen Fläche) wieder, vor allem in Lateinamerika und Südasien.

Zwar ist für Asner die fortschreitende Zerstörung des Regenwalds weiterhin der größte Trend, doch dann kommt für ihn die Landflucht, die überwiegend in höher gelegenen hügeligen und bergigen Gebieten eingesetzt hat, wo die landwirtschaftliche Nutzung schwierig ist. Die Menschen, die sich hier versucht hatten niederzulassen, ziehen wieder weg in die Städte und die Tiefebenen.

Erfreulich ist, dass der Wald relativ schnell wieder wächst. Nach 15 Jahren schließt sich das Baumkronendach wieder, nach 20 Jahren ist bereits die Hälfte der ursprünglichen Biomasse wieder vorhanden. Allerdings, so wendet etwa der Biologe William Laurance ein, wird der Wald, der auf den einst gerodeten Flächen wieder wächst, nur noch einen Teil der ursprünglichen Tierarten enthalten. Zudem sei die Rodung früher oft kleinräumig durch Bauern geschehen, heute in Zeiten der industrialisierten Land- und Holzwirtschaft schreite die Zerstörung ungleich schneller voran. Jede Minuten würde eine Fläche in der Größe von 50 Fußballfeldern verschwinden.

Andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass alles sowieso nicht so schlimm kommen wird, wie oft angenommen, weil jetzt bereits große Teil des Regenwalds geschützt seien Umstritten bleibt, wie groß der Verlust sein wird. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Optimisten glauben, dass in Zukunft 32-45 Prozent des Regenwalds erhalten bleiben, die Pessimisten gehen von 5-10 Prozent aus. Ähnlich umstritten ist, wie groß der Artenverlust sein wird, welche Bedeutung Reservate spielen werden und ob gar die Umwelterwärmung die größere Gefahr darstellt.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29541/1.html
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