Schäuble stark für Datenschutz

Silvio Duwe 17.01.2009

Der Bundesinnenminister und die Stasi-Unterlagen

Kritiker werfen dem Innenminister vor, mit seinen Vorstößen zu Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner den Aufbau der 'Stasi 2.0' voranzutreiben. Doch der CDU-Politiker setzt sich auch für Datenschutz ein.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Wolfgang Schäuble überraschte in einem Interview mit der Super-Illu mit der Aussage, sich zu seiner Zeit als Innenminister unter der Kohl-Regierung für die Vernichtung von Unterlagen eingesetzt zu haben, "damit die Streitigkeiten der Vergangenheit nicht zu sehr (…) die Zukunft belasten".

Die Rede ist jedoch nicht von Verfassungsschutzakten über Bundesbürger, die unter dem aus Zeiten des Kalten Krieges stammenden Extremistenbeschluss leiden mussten, um diese endlich unbürokratisch zu rehabilitieren, sondern von den Unterlagen der DDR-Staatssicherheit, die laut Angabe der Stasi-Unterlagen-Behörde 180 Regalkilometer füllen. Gerettet wurden die Dokumente durch den Wunsch der DDR-Volkskammer, auch diesen Teil der Geschichte aufzuarbeiten.

Der Innenminister, der eigene Überwachungspläne auch vehement durchzudrücken versucht und sogar offen dafür eintritt, nötige Mehrheiten notfalls per Grundgesetzesänderung sichern zu wollen, hat mit diesem Interview seinen Kritikern, die ihn als geistigen Vorreiter einer 'Stasi 2.0' sehen, mit Sicherheit ein gutes Argument zugespielt. Immerhin wird anhand seiner Aussage deutlich, dass ihm die gesellschaftlichen Auswirkungen, die aus solchen Datensammlungen entstehen können, durchaus bewusst sind.

Sein damaliger Wunsch, Nachforschungen über den Geheimdienst der DDR durch die Vernichtung von dessen Unterlagen zu verhindern oder doch zumindest stark zu erschweren, muss in direktem Zusammenhang mit seinen aktuellen Vorstößen gesehen werden. Sowohl der Versuch, historisch wertvolle Quellen zu vernichten, als auch die aktuelle Ausweitung von Überwachung und das stärker werdende Drängen nach präventiver Verbrechensbekämpfung zielen darauf ab, ein möglichst ohne Reibungsverluste funktionierendes Gemeinwesen zu schaffen, in dem für Opposition und kritische Auseinandersetzungen immer weniger Platz bleibt.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29554/1.html
Kommentare lesen (67 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS