Der Alpen-Hedge-Fonds

30.01.2009

Hat die Schweiz zu hoch gepokert?

Wenn man sich mit den internationalen Finanzmärkten und deren Risiken befasst, so kommt man nicht umhin, ein Land unter die Lupe zu nehmen, das bis vor wenigen Jahren als das Musterland unter den modernen Industrienationen galt. Hoher Lebensstandard, hohe Löhne, hohe Exportüberschüsse, hohe Goldreserven, hoher Freizeitwert und hohe Berge waren die prägenden Merkmale des Alpen-Disneylandes.

Die hohen Berge und der hohe Freizeitwert sind geblieben, jedoch die anderen Merkmale erodierten in den letzten Jahren zusehends. Die Goldreserven wurden verscherbelt, die hohen Löhne belasten die Unternehmen, der Lebensstandard des Mittelstandes ging sukzessive zurück, und jetzt brechen die Exporte massiv ein. Durch die Weltwirtschaftskrise offenbaren sich immer tiefere Abgründe, in die das Land durch das unkontrollierte Handeln ihrer Bankmanager geführt wurde. Erst ließen sie die Swissair Pleite gehen, dann führten sie sich selbst in die Pleite und jetzt scheint es, als würden sie den Staat als Ganzes mit sich in die Tiefe reißen.

Dass die Manager der Grossbanken die Schweiz trotz begrenzter Ressourcen auf die Größe der USA hebeln (leveragen) wollten, zeigt sich, wenn man sich die Bilanzsumme der größten schweizerischen Bank im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt des Landes anschaut. Die UBS wollte mit den größten Banken der Welt mithalten und ging deshalb Risiken ein, die, vergleicht man sie mit der Bank of America, etwa 50 Mal so hoch waren, als es für die Größe des Landes angemessen gewesen wäre. Damit ist die Schieflage der UBS schon seit Ausbruch der Finanzkrise kein Problem der Wirtschaft mehr, sondern der Schweiz als ganzes.

Ohne dass sich die Finanzmedien bisher darum gekümmert hätten, ist die Schweiz zum potenziellen Island der Alpen avanciert. Wenn eine Bank eine Bilanz hat, die das Bruttosozialprodukt eines Landes um das Mehrfache übersteigt, so muss das Risiko-Management der Aufsichtsbehörden auf dem höchsten Stand der Technik sein. Zukünftig müssen kybernetische Lenkungs-Cockpits eingesetzt werden, die Risiken frühzeitig anzeigen. Wäre dies der Fall gewesen, hätten die Verantwortlichen erkennen können, ob die Eigenkapitalquote der UBS ein Systemrisiko beinhaltet.

Kredit-Luftbrücke anstatt Banken-Bailout

Im Oktober 2008 stand das schweizerische Bankensystem so nahe am Abgrund wie noch nie zuvor. Dass der Staat deshalb für Stabilität sorgt, ist ein notwendiges Übel, da man ihn eigentlich so weit wie möglich aus der Privatwirtschaft raushalten sollte. Über die Methoden, was zu tun ist, sollte man jedoch streiten dürfen. Es wäre wesentlich sinnvoller gewesen, eine Kredit-Luftbrücke für Unternehmen einzurichten, ähnlich wie es jetzt Deutschland mit einem Unternehmer-Fonds plant und Privatpersonen, die bei der UBS angelegt hatten, zu entschädigen, als ein Fass ohne Boden sanieren zu wollen.

Jetzt soll der schweizerische Bürger die Zeche für das Missmanagement der Banken bezahlen. Diese Unverfrorenheit ist wohl nur deshalb denkbar, weil in jedem Globalisierungsrausch der Filz zwischen Wirtschaft und Politik immer größer wird. Je kleiner ein Land hierbei ist, desto fataler wirkt sich eine auf das Nicht-Auffallen in der großen Masse orientierte Handlungsweise aus. So ist es auch in der Schweiz, wo ein Räuspern eines Bankiers in St. Gallen in Genf ein Erdbeben auslösen könnte.

Man glaubte, dass dann, wenn alle das Gleiche machen und nichts sagen, dies wohl richtig sein muss. Ein fataler Trugschluss. Die Tatsache, dass man riesige Vermögen im Wert von etwa 3.500 Milliarden CHF verwaltet, auf die man wegen der Bedeutung der Finanzindustrie, nicht verzichten wollte, hat dazu geführt, dass die meisten schweizerischen Bankiers bis zum heutigen Tag wie die Lämmer schweigen. Dies hat Tradition. Nur wenige Banker wie Konrad Hummler von der Wegelin Bank haben bisher das schweigen gebrochen, weshalb sie von ihren Kollegen als Anarchisten angesehen werden.

Die Zeitbombe CHF-Kredite

Die Schweiz, die sich wie die USA einem Nullzinsniveau annähert, ist als Exportnation viel stärker von der aktuellen Krise betroffen, als man es sich eingestehen will. Der perfekte Sturm hat die Schweiz bereits erfasst, und man darf sich nicht wundern, wenn das Wirtschaftswachstum im Alpenstaat 2009 möglicherweise viel mehr fallen sollte, als bisher angenommen, möglicherweise mehr als 5 %. Dies führt zwar noch nicht sofort in den Bankrott, jedoch legt es - zusammen mit den nicht zurückzahlbaren Krediten osteuropäischer Kreditnehmer - in der Schweiz die Basis für ein finanzielles Armageddon.

Der Geldverkehr in Schweizer Franken mit osteuropäischen Ländern hat eine riesige Zeitbombe kreiert. In den Ländern Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien waren Kredite in Schweizer Franken sehr beliebt. So wurden nicht nur Hypotheken im Osten in hoher Zahl in CHF aufgenommen, sondern es wurden auch Niedrigzins-Kredite für Autos gewährt. Die Kreditsumme hierfür soll sich auf mehr als 600 Milliarden CHF belaufen, was deutlich mehr wäre als das Bruttosozialprodukt des Alpenstaates.

Sollte die Finanzkrise zu weiteren massiven Zahlungsausfällen, ja sogar Staatsbankrotten von osteuropäischen Staaten führen, dann würden diese Schulden alleine ausreichen - und dabei sind die möglichen Kreditausfälle der UBS und der Credit Suisse noch gar nicht eingerechnet - den schweizerischen Staat durch das immense Gegenparteirisiko in den Bankrott zu führen. Dies hätte niemals so weit kommen dürfen, wenn man Banken besser kontrolliert hätte. Anstatt diese sich selbst kontrollieren zu lassen und außerbilanzielle Geschäfte zuzulassen, hätte man ein wirksames Risk-Management aufbauen müssen. Der in der Schweiz vorangetriebene Wandel von Finanzkonzernen von beschränkt-haftenden zu überhaupt nicht mehr haftenden Gesellschaften auf Kosten der Steuerzahler, hat die Schweiz, ohne dass es die Bürger gemerkt haben, längst in ein sozialistisches Land verwandelt.

Das Volk wurde nicht gefragt

Da es sich bei der aktuellen "Finanzkrise" auch um eine Krise der Kapitalismus handelt, ist die Schweiz von der Schrumpfung des Finanzsektors besonders hart betroffen. Der Finanzbereich hat in den letzten 150 Jahren in der Schweiz derart an Bedeutung gewonnen, dass er geradezu von strategischer Bedeutung für den Wohlstand des Landes geworden ist.

Das Vertrauen, welches die schweizerischen Bankiers besaßen, führte dazu, dass die UBS bis zum Ausbruch der Krise nahezu ein Drittel aller weltweit angesparten Vermögenswerte verwaltete. Die immense Flucht der Gelder aus der UBS führte jedoch nicht dazu, dass zwangsläufig die anderen schweizerische Banken das Geld bekamen, vielmehr sind auch riesige Beträge aus der Schweiz herausgeflossen. Da konnte auch der Rettungsplan für die UBS kaum Abhilfe schaffen. Der Aufkauf von Ramsch-Papieren macht den UBS-Rettungsplan für die schweizerischen Steuerzahler zu einem unkalkulierbaren Risikogeschäft, insbesondere da das schweizerische Volk, welches sonst demokratische Entscheidungsprozesse pflegt, im Rahmen eines Ermächtigungsgesetzes zugunsten von kriminellen Banken in diktatorischer Weise übergangen wurde.

Was dem Ganzen noch die Krone aufsetzte, war, dass von den 68 Milliarden CHF des UBS-Rettungspakets bis zu zwölf Milliarden CHF als Bonus für die Manager ausbezahlt werden sollen. Dies ist der blanke Hohn und zeigt, dass Politiker mit Krisen nicht umgehen können, da sie dafür niemals geschult wurden und auch über keinerlei Informationssysteme verfügen, die sie über den wahren Zustand des zu lenkenden Systems informieren.

Homöopathische Dosen

Finanz-Wikinger wie Gnome haben zu hoch gepokert, und jetzt soll wie in solchen Fällen üblich der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Was jedoch viel schlimmer wiegt als die Schieflage als solche, ist die Tatsache, dass die Bevölkerung für dumm verkauft werden soll und die Wahrheit, wenn überhaupt nur scheibchenweise, sozusagen in homöopathischen Dosen, verabreicht bekommt. Vielleicht wird deshalb alles verschwiegen, weil man in den Führungsetagen der Notenbank und der führenden Banken eh weiß, dass der schweizerische Staat eine Schieflage dieser Größenordung alleine nicht schultern kann.

Wie lange wird man der Bevölkerung die Wahrheit noch vorenthalten, dass man möglicherweise bald am Geldinfusionstropf der Europäischen Zentralbank hängen wird und damit in Abhängigkeit einer Währung kommt, die ebenfalls wie der schweizerische Käse, zumindest einige Sorten, immer löchriger wird. Der Fall Island hat aufgezeigt, dass bestimmte Größenordnungen von Verschuldungen von einem Land alleine nicht mehr zu schultern sind.

Die Schweiz als Bastion der sicheren Geldanlage, als letzter Hort der Stabilität, hat ausgedient, da die UBS im relativen Vergleich zu Kaupthing Bank wesentlich höher in Bezug zum Bruttosozialprodukt verschuldet ist. Treten die Ausfallrisiken von bis zu 30 bis 50 % der Anlagen bei der UBS ein, ist eine Währungskrise für den schweizerischen Franken zukünftig geradezu vorprogrammiert. Während jedoch mittlerweile der Euro als "Too big to fail" eingestuft werden kann, insbesondere aufgrund eines US-Dollars, der durch Inflationierung immer weiter abgewertet werden dürfte, ist der schweizerische Franken möglicherweise "Too small to survive". Dies hätte ebenso wie der Konkurs der Swissair nie passieren dürfen, hätte man sich nicht in den letzten Jahren einer Scheinsicherheit hingegeben, die nur auf dem Papier existierte. Deshalb muss hier dringend Abhilfe geschaffen werden.

Der Mega-Leverage

Wenn Banken die tatsächlichen Risiken, um noch höhere Renditen erzielen zu können, aus den Bilanzen nehmen, so ist dieses Verhalten kriminell. Dass dies weder von den Aufsichtsbehörden, noch von den Wirtschaftsprüfern und Rating-Agenturen berücksichtigt wurde, erlaubte den Banken ein Spiel mit immer größeren Hebeln. Dabei war die UBS mit einem Leverage von fast 50 gegenüber den US-Banken mit einem durchschnittlichen Leverage von 30 deutlich zu hoch exponiert.

Wenn jedoch mit der Bank of America bereits eine Bank mit einem Leverage von etwa 15 bis 20 eine 120 Milliarden USD Bürgschaft benötigt, so kann man sich unschwer vorstellen wie hoch die Bürgschaften für die UBS noch werden können. Diese dürften locker das 3- bis 4-fache der bisherigen Bürgschaften des Staates überschreiten bis die Krise zu Ende ist. Je mehr Geld durch die Krise von den Konten der hoch gehebelten Banken abgehoben wird, desto kritischer wird die Situation der Banken, da jedes abfließende Kapital die Bilanzschrumpfung um mindestens den Faktor 10, bei höheren Hebeln sogar um den Faktor 20 bis 30 forcieren wird, da bei stark gehebelten Banken um diesen Betrag weniger neues Geld aus dem Nichts erzeugt werden kann.

Die meisten Banken, die heute noch von einer ausreichenden Eigenkapitalbasis ausgehen, werden früher oder später feststellen müssen, dass ihr Eigenkapital komplett aufgebraucht ist. Die Einschüsse der Zentralbanken und Regierungen in die Banken werden schneller aufgebraucht sein, als die Banken sich sanieren können, wenn es nicht gelingt, die Deflationsspirale zu durchbrechen. Das schweizerische Bankensystem und damit auch das Land selbst - sind durch die UBS in die schwierigste Existenzkrise seiner Geschichte geraten. Droht sogar ein Staatsbankrott?

Was ist ein "Staatsbankrott"?

Ähnlich wie ein Unternehmen kann auch ein Staat zahlungsunfähig werden. Der Staat kann dann seine Verbindlichkeiten, wie z.B. öffentliche Schulden, gar nicht mehr oder nur noch teilweise bedienen. Dies spüren zunächst in erster Linie die Gläubiger, später auch der Staat selbst, die Unternehmen und die Steuerzahler. Zwar kann sich auch ein Staat über eine Insolvenz der Forderungen der Gläubiger entledigen, jedoch wird er dann sehr schwer haben, frisches Geld zu bekommen, insbesondere wenn ein Abschlag auf die Altforderungen von mehr als 20 % zu verkraften ist.

Sollte die Schweiz in Zahlungsprobleme kommen, würde es Kredite aus dem Ausland nur noch zu wesentlich schlechteren Bedingungen erhalten. Damit würde ein Kreislauf in Gang kommen, der eine Massenarbeitslosigkeit und den Wegfall vieler staatlicher Leistungen bedingen würde. Zwar wäre bei der Schweiz anders als bei Argentinien im Jahr 2002 kaum davon auszugehen, dass deren Gläubiger auf fast Dreiviertel ihrer Forderungen verzichten müssen, jedoch wäre das Image der Schweiz als Hort der sicheren Geldanlage vollständig vernichtet, mit unabsehbaren Folgen für die Finanzindustrie.

Man darf nicht vergessen, dass Verluste immer von irgendeiner Gegenpartei getragen werden müssen. Gehen die Banken Konkurs, gehen die Aktionäre leer aus wie bei Lehman Brothers. Pumpen Regierungen Geld ins Finanzsystem, damit unfähige Finanzmanager weiter ihr Spielcasino betreiben können, geht irgendwann der Staat bankrott, wie im Fall von Island. Die durch die Bailouts absehbaren massiven Haushaltsdefizite, die durch Anleihen finanziert werden müssen, erzeugen den letzten großen Super-Bubble, den so genannten Bond-Bubble, dessen Platzen dann instantan zum Staatsbankrott einer Vielzahl von Ländern führen wird, insbesondere aufgrund der hohen Vernetzung der weltweiten Finanzinstitute untereinander.

Anleihen unterliegen aktuell der Gefahr, trotz ihres hohen Preises, noch weiter zu steigen und eine letzte riesige Blase zu bilden. Neben den USA droht auch der Schweiz eine derart hohe Staatsverschuldung, dass sich die Risikoaufschläge, die so genannten Credit Spreads, deutlich erhöhen dürften. Da aufgrund der weltweiten Vernetzung kein Staat mehr als sicher einzustufen ist, werden generell Staatsanleihen vermehr gemieden werden, vor allem die niedrigverzinslichen schweizerischen Anleihen und US-Anleihen, die völlig überteuert erscheinen.

Zukünftige Problemvermeidung

Betrachten wir zunächst die Eigenkapitalausstattung der Banken. Spitzenreiter unter den Leverage-Junkies mit einem Hebel von fast 60 ist nicht, wie eigentlich zu erwarten, die UBS (Hebel 48), sondern der Branchenprimus Deutsche Bank, der mit einer Eigenkapitalquote von 1,8 % (diese wird jeden Tag weniger) kaum ohne staatliche Beteiligung überleben können wird. Einziger Vorteil, Die Deutsche Bank konnte im Verhältnis zur Größe der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren nicht so schnell wachsen wie die UBS, als dass das Trojanische Pferd aus der Schweiz mit Namen Joe die gesamte Bundesrepublik hätte in den Staatsbankrott führen können.

Doch nun zur Analyse der Eigenkapitalrisiken in Bezug zur Größe eines Landes. Es ließe sich hier eine einfache Regel aufstellen. Das Eigenkapital einer internationalen Großbank, so eine einfache Regel, sollte immer mindestens 10 % betragen. Übersteigt die Bilanzsumme einer Bank das Bruttosozialprodukt eines Landes, so sollte das Minimum Eigenkapital-Verhältnis derart berechnet werden, dass die 10 % mit dem Faktor aus Bilanzsumme/Bruttosozialprodukt zu multiplizieren sind. Hätte somit die UBS über eine notwendige Eigenkapitalquote von 66 % verfügt, hätte ihr ungebremstes Wachstum die Schweiz als ganzes nicht einem solch hohen Systemrisiko ausgesetzt.

Betrachtet man das von mir eingeführte Equity Risk Ratio, d.h. das Verhältnis des Minimum-Eigenkapital-Verhältnisses zum Verhältnis der Bilanzsumme/BSP, so erreicht die UBS hier einen Wert, der dreimal so hoch ist wie der der bankrotten isländischen Kaupthing Bank. Den viel gescholtenen US-amerikanischen Banken muss man zumindest zugute halten, dass ihr Equity Risk Ratio trotz der immensen Verschuldungen, die diese aufgetürmt haben, im Vergleich zur Größe des Landes noch bewältigbar ist. Viel riskanter haben hier von den großen Industrienationen schon englische und deutsche Banken agiert, gefolgt von Island und dem Spitzenreiter im aktuellen Länderrisiko: der Schweiz.

Die Zahlen offenbaren das Gegenteil von dem, was zahlreiche Politiker und Manager über die Medien kommunizierten. Als weiterer Schritt zur zukünftigen Problemvermeidung ist es deshalb unabdingbar, dass diejenigen die über Monate nicht die ganze Wahrheit gesagt haben und noch in Amt und Würden sind, sofort zurücktreten. Es wäre ein Zeichen von Größe, wenn Ackermann & Co. freiwillig darauf verzichten würden, jemals wieder bei einer Bank zu arbeiten.

Risiko-Analyse der Schweiz

GDP Billion USD using PPPs Biggest Bank USD Billions

B. Sheet / GDP

Equity Ratio Leverage Min. Equity Ratio Equity Risk Ratio
Germany 2.768,5 Deutsche Bank 2.800 1,01 1,80 55,56 10,10 5,61
Iceland 11,8 Kaupthing Bank 80 6,79 6,60 15,15 67,90 10,23
Switzerland  303,7 UBS 2.000 6,58 2,10 47,62 65,80 31,33
U.K. 2.111,3 Royal Bank of Scotland 3.700 1,75 4,50 22,22 17,50 3,83
USA 13.776,5 Bank of America 1.700 0,12 7,00 14.23 10,00 1,43
UBS-Risk in comparison to Bank of America 53,36  
UBS-Risk in comparison to Kaupthing Bank 0,37  
Quelle: www.bankingcockpit.com

Wege aus der Krise

Die Größe der Bilanzrisiken einer Bank - bezogen zur Landesgröße – sollte künftig der kritische Faktor sein, ob man sich für einen Bailout entscheidet. Lehman Brothers hätte man problemlos retten können, ja vielleicht sogar müssen, die UBS sollte jedoch nicht gerettet werden, da diese der Schweiz ein nicht kalkulierbares Risiko aufbürdet.

Wenn eine Bank zu groß geworden ist, um sie retten zu können, wird deren Versagen zu einem Problem für das ganze Land. Wenn es zum Showdown kommt, werden nur die USA, Europa, Japan oder China die Schweiz vor dem Staatsbankrott retten können. Aber auch nur dann, falls es sie nicht selbst schon vorher erwischt hat.

Die Weltwirtschaft hat sich grundlegend verändert, und das Risikoprofil hat sich auch für die Schweiz hin zu einer zunehmenden Abhängigkeit von den großen Industrienationen und den Schwellenländern entwickelt. Doch auch letztere sind angesichts der aktuellen Krise zu sehr von den USA abhängig, als dass diese als Ort der Stabilität dienen könnten. Wer kann uns garantieren, dass es nicht zu einer Revolution in China kommt, einem Staatsbankrott in Indien oder sogar einem bewaffneten Konflikt zwischen Pakistan und Indien, was die eh schon angeschlagene Weltwirtschaft noch tiefer in die Krise stürzen könnte? Krisen können länger andauern und viel schlimmer werden, als es sich die meisten Menschen vorstellen können.

Doch es gibt auch Hoffnung. In Phasen der großen Krisen besteht die Chance, dass sich die Menschen wieder auf ihre Wurzeln, ihre Werte und ihre Stärken besinnen. Wenn es ihnen gelingt wieder ihre eigenen Kräfte zu nutzen, gelingt es aus einer Krise gestärkt hervorzugehen. Doch hierzu ist es notwendig, den Teufel, der sich im System eingenistet hat, nicht mit tiefen Zinsen, sondern mit hohen Zinsen zu bekämpfen. Diese Opfer fordernde Vorgehensweise des ehemaligen amerikanischen Notenbankpräsidenten Paul Volcker ist die einzige Medizin, die hilft, Fiat-Ökonomien zu sanieren. Falls dies nicht geschieht, könnten eine Währungskrise und ein Staatsbankrott auch in der Schweiz die logische Folge sein.

Artur Schmidt ist Wirtschaftskybernetiker und entwickelt Lenkungs-Cockpits. Er ist Herausgeber von Finanzportalen wie www.bankingcockpit.com und www.wallstreetcockpit.com. In Telepolis erschien zuletzt die Serie: Unter Bankstern, die sich kritisch mit dem Bankensystem im Rahmen der Finanzkrise auseinandersetzt.

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