"Geld verleiht keinen Sinn"

Tomasz Konicz 10.02.2009

Warum der Kapitalismus gerade dabei sein könnte, das Geld abzuschaffen

Endlich spricht das konservative Leitmedium der Bundesrepublik Klartext. Während viele Linke sich noch in der öden Diskussion der diversen Konjunkturpakete ergehen, die international in jüngster Zeit aufgelegt wurden, stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits die Systemfrage: "Unsere Milliarden, die diversen Pakete, Schirme und Spritzen hätten die Krise längst beeindrucken müssen", schrieb Nils Minkmar in seinem Beitrag für die FAZ, doch die Krise fresse sich mit "nicht nachlassender Geschwindigkeit in die Fundamente der Gesellschaft".

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Selbst die entwickelten kapitalistischen Gesellschaften seien "von Unruhen und kalten Bürgerkriegen" bedroht, weswegen nun ein "großer Dialog" initiiert werden müsse:

Das alte System wird sich nicht fangen, für die Ramschpapiere gibt es keinen Markt, und es wird auch keinen mehr geben. Mit gouvernementalem Herumfuchteln in Klüngelrunden, um irgendwelche Stellschrauben zu befingern, ist nichts mehr zu gewinnen. In solch einer Lage kann es einen Fortschritt nur geben, wenn man sich von ideologisch begründeten Prinzipien verabschiedet und all das stärkt, was Gemeinsinn stiftet.

Nils Minkmar

Wenn das bundesrepublikanische Leitmedium, das Hausblatt der deutschen Eliten aus Politik und Wirtschaft, zu einem großen, "Gemeinsinn" stiftenden Dialog aufruft, dann müssen die "Fundamente der Gesellschaft" von der Krise nicht nur angefressen, sondern nahezu aufgelöst sein. Jahrzehntelang galt schließlich das kapitalistische System als eine nicht zu hinterfragende "natürliche" Voraussetzung jeglicher öffentlichen Diskussion. Aus dieser "Naturalisierung" sozialer, menschengemachter Verhältnisse bezog gerade der neoliberale Sachzwang-Diskurs seine Durchschlagskraft. Bis vor kurzem wurden ja selbst in der Linkspartei alle jene Menschen als "Spinner" tituliert und in alter Tradition mit dem Parteiausschluss bedroht, die das bestehende System in Frage zu stellen wagten.

Die FAZ lässt nun angesichts der rapide voranschreitenden Krisendynamik diese ideologische Verteidigungslinie fallen, um einen kontrollierten Pseudodiskurs über Scheinalternativen zum bestehenden System zu initiieren, der den aufkommenden Unmut der Bevölkerung in sichere, systemimmanente und "Gemeinsinn stiftende" Bahnen lenken soll.

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