Das Bikini-Atoll als UNESCO-Welterbe?

22.02.2009

Die Marshall-Inseln sehen im Atoll einen Ort des "nuklearen Kolonialismus", der heute neben der Erinnerung an die Atomwaffentests zu einem Naturparadies geworden sei

Bikini-Atoll. Bild: Nasa

Zumindest nachträglich wollen die Marshall Islands noch davon profitieren, dass das Bikini-Atoll von den Amerikanern zum Testen von Atombomben benutzt und entsprechend verstrahlt wurde. Die Bewohner mussten das Atoll verlassen und sind bislang nicht zurück gekehrt.

Atomtest Able, 30. Juni 1946

Schon 2005 hatte Clary Makroro, Direktorin des Alele-Museums, den Vorschlag eingereicht, das Bikini-Atoll in die UNESCO-Liste des Welterbes aufzunehmen. Hier wurde 1946 von den USA die vierte Atombombe und die erste nach Zweiten Weltkrieg gezündet.

Atomtest Baker, 24. Juli 1946

Zwischen 1946 und 1958 wurden auf dem Bikini- und dem benachbarten Enewetak-Atoll insgesamt 67 Atomwaffentests durchgeführt. Bikini ist, so Makroro, "Symbol des nuklearen Kolonialismus des Pazifiks, als Massenvernichtungswaffen weit von den Heimatstränden der testenden Staaten auf den Pazifischen Inseln und den Wüsten Australiens getestet wurden". Dadurch verloren die Menschen ihre Heimat. Nach dem Ende der Tests wurde mit der Rücksiedlung der Einwohner begonnen, es zeigte sich aber Anfang der 70er, dass die radioaktive Verstrahlung für Menschen immer noch zu hoch war, weswegen die zurückgekehrten Bewohner Ende der 70er Jahre wieder das Atoll verlassen mussten. Bislang lebt noch immer niemand auf dem verstrahlten Atoll.

Atomtest Castle, 26. März 1954

Dass das Atoll die letzten 60 Jahre nur kurzzeitig von Menschen bewohnt war, macht es nach Makroro als Welterbe interessant (möglicherweise hätte mit dieser Begründung auch die Sperrzone am Tschernobyl-Reaktor eine Chance). Es gebe eine bemerkenswerte Artenvielfalt auf dem Atoll, saubere weiße Strände und bunte Korallenriffe. All das zeige die bemerkenswerte Kraft der Natur, sich trotz der verheerenden Zerstörungen wieder zu erholen. Dazu würden seit der Operation Crossroads im Jahr 1946 noch 16 versunkene Schiffe zu sehen sein: "eine bemerkenswerte Ansammlung von Kriegstechnik". Zehn könnten von Tauchern erreicht werden, was die Grundlage für einen Tourismus bilden könne.

Atomtest Dakota, 8 . Juli 1956

Jack Niedenthal und Nicole Baker haben die Argumentation von Makroro aufgegriffen und einen weiteren Antrag mit einem umfassenden Umsetzungsplan eingereicht. Betont wird, dass die Regierung die Mitnahme von Gegenständen vom Bikini-Atoll ebenso verboten habe wie das Fischen mit Netzen. Es herrsche ein strenger Naturschutz.

Atomtest Seminole, 6. juni 1956

Die Antragsteller hoffen nun darauf, dass das Bikini-Atoll als Welterbe von der UNESCO anerkannt wird. Die Atomwaffentests hätten nicht nur die Geschichte der Marshall-Inseln, sondern auch die der ganzen Welt geprägt, sagt Niedenthal. Zudem gebe es erst wenige Welterbe-Stätten im Pazifik. Die Aufnahme ist allerdings ein mühsamer und langwieriger Prozess. Eine Entscheidung dürfte erst Mitte des nächsten Jahres fallen.

Atomtest Umbrella, 8. Juni 1958

Dass das Bikini-Atoll von internationalem Interesse sei, führen die beiden Antragsteller vornehmlich auf die Rolle im Wettrüsten des Kalten Kriegs zurück. "Bikini ist der einzige weltberühmte Ort hier. Es gibt Atomtestgebäude, Krater und einen Badeanzug", sagte Niedenthal dem Marshall Islands Journal.

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