Geeks sind sexy - Nerds nicht

Matthias Gräbner 10.03.2009

Warum keiner mehr ein Nerd sein will - Interview mit Lori Kendall

Lori Kendall untersucht an der University of Illinois unter anderem die sozialen Aspekte der Informationstechnik sowie die Zusammenhänge von Geschlecht und Technologie. Dabei stieß sie auf ein interessantes Phänomen: Die Stereotypen, die die Wörter Geek und Nerd beschreiben, haben sich in den letzten Jahren verändert. Geeks sind inzwischen schick - ein Nerd will niemand mehr sein. Kendalls Erkenntnisse erscheinen demnächst im Journal of Popular Culture - ein Entwurf ist schon im Netz zu finden.

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Wie kamen Sie darauf, ausgerechnet die beiden Stereotypen Geek und Nerd zu untersuchen?

Lori Kendall: Vor vielen Jahren habe ich Menschen studiert, die an einer Online-Community teilnahmen. Einige haben sich selbst humorvoll als Nerds identifiziert, und ich wollte herausbekommen, was sie damit meinten.

Woher kommen denn die Begriffe Geek und Nerd überhaupt, was ist die Geschichte dahinter?

Lori Kendall: Es ist schwierig, die gesamte Geschichte der beiden Termini zu erfassen, weil sich im sprachlichen Gebrauch so viele Änderungen ergeben haben. Das Wort Nerd wurde jedenfalls in den 1980ern mit der Benutzung von Computern assoziiert und seitdem in den Medien immer öfter genutzt.

Lori Kendall

Was unterscheidet diese beiden Etiketten dann genau?

Lori Kendall: Wenn man im Kopf behält, dass diese Label Menschen im allgemeinen angehängt werden und nicht spezielle Individuen beschreiben, dann hat ein Geek eindeutig den positiveren Hintergrund. Ihm werden auch seltener mangelnde soziale Fähigkeiten nachgesagt. Ich habe aber auch ab und zu eine Vertauschung der Begriffe festgestellt.

Haben sich diese Stereotypen in letzter Zeit geändert?

Lori Kendall: Seit den 1980ern hat sich der Gebrauch des Wortes Nerd kaum verändert. Die Verbreitung des Begriffes Geek hat sich aber seitdem stark erweitert - er wird nun auch oft im Zusammenhang mit bestimmten Fangruppen gebraucht.

Beeinflussen uns diese Stereotypen in der Praxis?

Lori Kendall: Sie führen vor allem zu bestimmten Erwartungen über die Nutzung und die Nutzer von Computern. Einem Nerd schreiben wir eine ausgeprägte Intelligenz und jede Menge Computererfahrung zu. Wenn wir einen Menschen mit diesen Skills suchen, denken wir an einen Nerd. Da Nerds aber typischerweise als männliche Weiße dargestellt werden, müssen Frauen und Minderheiten sich stärker beweisen, wenn sie ihre Erfahrungen in gleichem Maße anerkannt haben wollen.

Wie sind Sie denn bei der Erforschung der Geek- und Nerd-Stereotypen vorgegangen?

Lori Kendall: Ich habe schon mehrere Paper dazu verfasst. Für das aktuellste habe ich mir drei Beispiele genauer angesehen: Die Geek-Squad-Homepages, das "White and Nerdy"-Video von Weird Al Yankovic und Nerdcore, Ein Hip-Hop-Genre.

Fallen Sie denn selbst in eine der Kategorien?

Lori Kendall: Früher hat man mich, glaube ich, manchmal als Nerd angesehen. Aber ich denke, das trifft heute nicht mehr zu.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29873/1.html
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