Für Stammzellenforschung und Wissenschaft ohne Ideologie

10.03.2009

Schon wieder hat US-Präsident Obama die USA auf einen neuen Kurs gebracht

US-Präsident Obama hat ein weiteres Wahlversprechen wahr gemacht und die unter der Präsidentschaft von Bush verhängte Beschränkung der Finanzierung der Stammzellenforschung mit öffentlichen Geldern wieder aufgehoben (Bush hat eine Entscheidung zur Forschung mit embryonalen Stammzellen getroffen). Man werde, so sagte er bei Unterzeichnung der Verordnung, nun die viel versprechende Forschung im Gegenteil stark fördern. Allerdings musste er gleich als Mantra hinzufügen, es sei das Ziel, dass die USA in der Stammzellenforschung wieder weltweit führend werden soll.

Foto: Weißes Haus

Die fundamentalistischen Christen, deren Wunsch die Bush-Regierung auch in Fragen von Abtreibung, Keuschheit oder passiver Sterbehilfe gefolgt ist, haben damit ihren Einfluss verspielt. Die USA wird liberaler. Es wird Zeit, dass Deutschland folgt. Zu erwarten ist, dass Obama auch in anderen Fragen wie der Abtreibung einer weniger religiös gefärbten Politik wie Bush folgt, der zwar mit Waffengewalt, Folter, Verschleppungen und einer Willkürjustiz schnell bei der Hand war, andererseits aber das Leben von der Empfängnis an schützen wollte, obgleich die entsprechenden Beschränkungen von keiner entsprechenden Sozialpolitik begleitet wurden (Schutz des menschlichen Lebens). Die Frage wird allerdings sein, ob Obama tatsächlich auf längere Zeit die streng Religiösen übersehen kann. Ihre Macht ist mit der von Bush zwar bislang geschrumpft, das muss aber nicht so bleiben. Kritik an der Entscheidung übten die katholische Kirche, Evangelikale und republikanische Politiker. Umfragen hatten jedoch gezeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Forschung an embryonalen Stammzellen befürwortet.

Obama sagte, das Finanzierungsverbot für die Forschung mit embryonalen Stammzellen – Bush gewährte nur die Finanzierung der Forschung an wenigen Stammzellenlinien - sei eine falsche Entscheidung zwischen Wissenschaft und Moral gewesen. Beide seien nicht unvereinbar: "Als ein gläubiger Mensch glaube ich, dass wir füreinander sorgen und daran arbeiten sollten, menschliches Leid zu mildern. Ich glaube, wir haben die Möglichkeiten dazu und werden diese Forschung fortführen. Und wir haben die Menschlichkeit und das Gewissen dies verantwortlich zu tun." Man werde strikte Regeln entwickeln, vor allem aber werden man dafür sorgen, dass "Klonen für die menschliche Reproduktion" unterbleibt, weil dies gefährlich und falsch sei. Obama erklärte, dass man noch nicht wisse, welches Potenzial embryonale Stammzellen tatsächlich haben und ob die gehegten Vorstellungen erfüllt werden. Wissenschaftler hätten jedoch versichert, dass sich damit einige schwere Erkrankungen heilen lassen könnten.

Zudem versprach Obama – ebenfalls wieder im Hinblick auf die Bush-Regierung, die besonders auf die Klima-, Umweltschutz- oder Familienforschung Druck ausübte -, nicht nur die Wissenschaft finanziell zu fördern, sondern eine "freie und offene" Forschung sicherzustellen. Man müsse den Wissenschaftlern insbesondere dann zuhören, wenn sie Unangenehmes zu sagen haben. Ideologie soll keine Rolle mehr spielen. Zu diesem Zweck unterzeichnete Obama ein Memorandum, um die Regierung zu verpflichten, die "wissenschaftliche Integrität" zu sichern und den politischen Entscheidungen die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde zu legen. Der Direktor des Office of Science and Technology Policy (OSTP) wurde angewiesen, eine entsprechende Strategie auszuarbeiten.

Auch hier pflegte Obama erneut den Anspruch auf Weltführung der USA, was den Fortschritt der Wissenschaft und den der Menschheit betrifft. Darunter scheint es nicht zu gehen:

By doing this, we will ensure America's continued global leadership in scientific discoveries and technological breakthroughs. And that is essential not only for our economic prosperity, but for the progress of all humanity.

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