FC Bayern München will neue Zwangsabgabe

Peter Mühlbauer 16.03.2009

Mit 24 Euro GEZ-Aufschlag im Jahr sollen deutsche Fußballvereine noch stärker subventioniert werden

Union und SPD sehen die deutschen Sportvereine als tragende Säulen ihrer Macht. Und wahrscheinlich haben sie damit nicht einmal so unrecht. In jedem Fall führte diese Sichtweise nicht nur dazu, dass der Bereich trotz vieler schwerer Unfälle, Amokläufe, Krawalle und Ruhestörungen praktisch regulierungsfrei blieb - der Sport spielt zusammen mit Banken und Opern auch in der Subventions-Champions-League:

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Neben den direkten Zuflüssen spielen dabei auch die indirekten eine wichtige Rolle: Krankenkassen zahlen die immensen Behandlungskosten für Ski- und Fußballunfälle - was von der Politik regelmäßig mit einer angeblichen Gesundheitsförderung gerechtfertigt wird, so als gäbe es keinen Unterschied zwischen Proto-Jackass und Gymnastik. Und Aktiengesellschaften, die mit schöner Regelmäßigkeit ein- oder zweimal die Woche so viele Gewalttäter zu rituellen Schlägereien und Sachbeschädigungsorgien anlocken, dass sich die Polizei an solchen Tagen kaum mehr um etwas anderes kümmern kann, werden nicht einmal zur Finanzierung der Wochenendzuschläge herangezogen, geschweige denn für die auf den Steuerzahler abgewälzten Kosten, welche ihr Geschäftsmodell tatsächlich verursacht. Dazu zählen auch zahlreiche von angeblich klammen Kommunen gebaute oder geförderte Sportstätten und U-Bahnen, welche Rotten von Krawallmachern bequem zu ihren Tatorten kutschieren.

Nun fordert der Manager des FC Bayern München, Ulrich Hoeneß, im Interview mit der Wirtschaftswoche eine neue Zwangsabgabe, die ausschließlich Fußballvereinen zugute kommen soll. Ihre Höhe soll der Vorstellung des Fußballfunktionärs nach bei monatlich zwei Euro liegen. Diese Summe rechtfertigt Hoeneß mit Vergleichen, die in seinem Milieu offenbar aussagekräftig sind: "Zwei Euro im Monat für Fußball zu bezahlen. Das ist nicht mal eine halbe Schachtel Zigaretten oder ein kleines Bier in der Kneipe."

Erhoben werden soll die Abgabe der Ansicht des FC-Bayern-Managers nach über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Als Gegenleistung sollen diese mehr Fußballspiele übertragen dürfen. Bereits jetzt überweisen die öffentlich-rechtlichen Sender beträchtliche Summen an die Fußballvereine: Sage und schreibe 100 Millionen Euro bezahlt die ARD alleine dafür, dass sie in ihrer Sendung "Sportschau" kurze Ausschnitte zeigen darf - Geld, das unter anderem bei blinden und tauben Rentnerinnen eingetrieben wird. Seit der Ausweitung der Gebührenpflicht auf Computer und Mobiltelefone müssen überdies nicht nur die Besitzer von Fernseh- und Radiogeräten für solche Aufnahme- und Abspielrechte zahlen, sondern auch Personen, die sich dem öffentlich-rechtlichen Angebot strikt verweigern.

Die Forderung von Hoeneß weist einen entscheidenden Unterschied zu den Subventionswünschen von Unternehmen wie GM oder Schaeffler auf: Denn sein Fußballunternehmen mit Börsenambitionen schrieb nicht nur im letzten Jahr schwarze Zahlen, sondern erwartet seiner Auskunft nach solche auch für die Zukunft. Auch oder gerade wegen der Wirtschaftskrise. "In allen früheren Krisen", so Hoeneß, habe sich gezeigt, "dass sich die Fans das Vergnügen am Fußball, die Muße, am Samstag ins Stadion zu gehen, nicht haben nehmen lassen." Und tatsächlich wären andere Unternehmen froh, wenn ihre Kunden so dermaßen jenseits volkswirtschaftlicher Vernunftsentscheidungsmodelle handeln würden, dass sie 50 Euro für ein bedrucktes Plastikhemd zahlen, das seinen Preis im Gegensatz zu einem Manolo-Blahnik-Schühchen, nicht einmal durch Handarbeit rechtfertigen kann. Wie also begründet Hoeneß seinen Wunsch nach öffentlichen Geldern?

Trotz der großzügigen Gewährung von "geistigen Eigentumsrechten" und einem Bieterwettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern flossen die Lizenzeinnahmen an die Fußballvereine nicht so, wie der Manager das gerne hätte: Weil die Fußballspiele im Bezahlsender Premiere weit weniger Kunden anlockten als erwartet, machte dieser massive Verluste. Eine Zwangsabgabe dagegen ist nicht abhängig davon, wie viele Leute tatsächlich für ein Angebot bezahlen wollen. Bei der von Hoeneß vorgeschlagenen Gebührenerhöhung um zwei Euro monatlich käme bei 37 Millionen gebührenpflichtigen Haushalten im Jahr fast eine Milliarde Euro für den "deutschen Fußball" zusammen: Damit würde dieser Lizenzeinnahmen in ähnlicher Höhe wie in England oder Italien kassieren - und der FC Bayern München könnte nach Hoeneß' Rechnung Champinons-League-Sieger werden.

In dem Interview beklagt sich der Fußballfunktionär auch darüber, dass in Spanien, Italien und England Fußballvereine zweistellige Millionenbeträge für mittelmäßige Spieler bieten könnten. Diese Clubs, so Hoeneß, würden "von irgendwelchen Banken oder reichen Privatleuten über Wasser gehalten." Banken, so könnte man ergänzen, die wiederum nur durch massive Unterstützung aus Steuergeldern über Wasser gehalten werden. Und reiche Privatleute, die sich ihre Boni und Gehälter aus diesen steuerfinanzierten Banken abzweigen.

Geld über wirtschaftlichen Wettbewerb zu erzielen, so scheint es, ist derzeit völlig aus der Mode gekommen. Warum auch, wenn es doch viel einfacher geht. Nämlich über Lobbyarbeit. Der will sich Hoeneß ab dem nächsten Jahr stärker widmen: Dann will er seinen Job als Manager aufgeben und als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG Einfluss ausüben. Denn Hoeneß ist der Meinung, "dass wir als Vereine von den Politikern noch nicht ernst genug genommen werden [...] wenn es darum geht, dem Fußball einmal wirklich zu helfen". Dabei zeigt er sich durchaus optimistisch: "Steter Tropfen", so der erfahrene Funktionär, "höhlt den Stein."

In Foren und Chats stieß die Forderung bislang auf ein eher geteiltes Echo: Die negativen Reaktionen reichten von der angekündigten Rücknahme der Einzugsermächtigung für die GEZ und einem regelmäßigen Abzug des als verfassungswidrig eingestuften Subventionsanteils, bis zu Hinweisen, dass man große Stadien auch dazu nutzen könnte, um Fußball- und Bankmanager, die solche oder ähnliche Forderungen stellen, öffentlich zu füsilieren.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29929/1.html
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