Pulver verschossen

Florian Rötzer 20.03.2009

Mit ihren inflationären Rettungsmaßnahmen haben nun nach dem Finanzsystem auch die Staaten das in sie gesetzte Vertrauen verspielt

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Die US-Regierung drängt die EU, noch mehr Geld in Konjunkturprogramme zu stecken. Nachdem die Länder bereits 400 Milliarden Euro – davon Deutschland 80 Milliarden - investiert und dafür hohe Schulden in Kauf genommen haben, beschlossen die Regierungschefs in Brüssel jetzt ein vergleichsweise bescheidenes europäisches Paket in Höhe von 5 Milliarden. Das Geld soll in den Ausbau grenzübergreifender Gas- und Stromleitungen, in erneuerbare Energien und schnelle Internetverbindungen fließen.

Deutschland leiste sowieso schon "Überdurchschnittliches", sagte die Bundeskanzlerin und verlangte eine neue Finanzmarktverfassung Die EU-Regierungschefs beschlossen auch, mehr Geld dem Internationalen Währungsfonds zukommen zu lassen und den Notfallfonds für EU-Ländern in Finanznöten von 25 auf 50 Milliarden Dollar zu verdoppeln.

Die wilden Finanzspritzen, die in den USA gemacht werden, wo gerade erst die Notenbank wieder eine Billion Dollar in den Markt pumpt (Gelddrucken als Antwort auf die Krise), will man in der EU noch nicht nachahmen und erst einmal sehen, ob die schon beschlossenen Rettungspakete und Konjunkturptogramme Wirkung zeigen. Daran lässt sich zweifeln, was auch der neueste Bericht des Internationalen Währungsfonds zum Ausdruck bringt, auch wenn hier weitere Maßnahmen gefordert werden. Wie das läuft, könnte auch die Ankündigung der einen Billion Dollar durch die Fed deutlich machen. Da gab es einen kurzen Peak im Dow Jones und gestern schon wieder ein Abrutschen.

Was zunächst eine Geste war, durch Senken von Zinsen und staatlichen Rettungspaketen wieder Vertrauen zu schaffen, verpufft nach fortlaufenden gleichen Aktionen immer schneller. Hunderte von Milliarden, gar Billionen, die auf Kosten künftiger Verschuldung zur Verfügung gestellt werden, bewirken nur noch eine müde Reaktion. Diese Sicherheit scheint nicht mehr viel wert zu sein, den freigiebigen Staaten, vielmehr den Regierenden, die bereit sind, die Bürger in künftigen Schulden zu ersticken, wird das Vertrauen entzogen. Die Inflation der Hilfsmaßnahmen zeigt eher auch die Hilflosigkeit und einen Glauben, dass durch Geldhilfen alles (fast) so bleiben kann, wie es ist. Die Vision, wie anderes gelebt und gewirtschaftet werden kann, fehlt, auch beim Change-Präsidenten der USA. Daher überwiegt das Misstrauen, das auch nicht mit Billionen Dollar vertrieben werden kann. Überzeugen kann tatsächlich nicht, wenn der Staat nun alle faulen Wertpapiere aufkauft und sich damit langfristig belastet.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29968/1.html
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