Fotografie nach der Fotografie

03.02.1996

Im "Salon" von "Telepolis" stellen wir den Wandel der Fotografie in einer Serie vor, die das Aufbrechen der Grenzen der Fotografie, ihre Unterwanderung, ihre mediale Vernetzung durch den Computer anhand aktueller künstlerischer Arbeiten untersucht. Wir präsentieren Künstlerpositionen der zeitgenössischen Fotografie, laden Fotografen und Medienkünstler ein, spezielle Projekte für das Online-Magazin "Telepolis" zu erstellen, und legen Links zu anderen Servern, die sich diesem Thema widmen.

Fotografie im Umbruch

Die Faszination, die vom Cyberspace, vom Internet und von der virtuellen Realität ausgeht, ist ungleich größer als das Interesse an den Veränderungen des fotografischen Bildes, ja des fotografischen Prinzips durch die digitale Maschinerie. Dabei ist Fotografie das Alltagsmedium, das uns alle umgibt, im öffentlichen ebenso wie im privaten Leben. Und gerade in der Fotografie können die vielleicht einschneidendsten Auswirkungen auf unsere Wahrnehmungsgewohnheiten und unseren Realitätsbegriff festgemacht werden, der sich an den unterstellten dokumentarischen Charakter von Fotografie knüpft. Fotografische Bildwelten aber haben sich längst von einer direkten und ausschließlichen Beziehung des Abbildes zwischen Bild und Realität gelöst: Von der Retusche bis zur Simulation, vom reproduzierten Bildzitat bis zur Verfügbarkeit virtuell vorhandener Bilder im Datenraum hat sich ein Eigenleben fotografischer Bilder entwickelt, das die Bedeutung der Fotografie im Zeitalter der elektronischen und digitalen Medien stark verändert.

Keith Cottingham "o.T." 1992, aus der Serie FICTITIOUS PORTRAITS

Wir zeigen in dieser Serie von Beiträgen, wie sich derzeit ein Medium verändert, das in unserem Alltag stets als dokumentarisch, abbildend und "welthaltig" aufgefaßt wurde und wird. So kommt das Paradox des Titels "Fotografie nach der Fotografie" zustande, der das Problem reflektiert, ob das noch Fotografie ist, was nach der fotografischen 'Lichtmalerei' nun mittels Computer entsteht. Wir zeigen Bilder vom Körper, in denen sich Bild- und Biotechnologien begegnen; wir greifen das Phänomen manipulierter historischer Aufnahmen auf, die Geschichtsfälschung und Gedächtnistäuschung erproben; oder es geht um Bilder, die eine fotografische Anmutung haben, aber gar keine Fotografien sind, sondern nur mit dem Paradigma des Fotografischen spielen. Künstlerpositionen zum Thema Beobachtung und Überwachung, Themen wie Bildzensur und Umgang mit pornografischer Fotografie in den Computernetzen werden ebenso bildlich reflektiert wie Voyeurismus und Gewalt.

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Die Serie Fotografie nach der Fotografie läßt Bilder sprechen, bietet Interaktionsmöglichkeiten an, wirft aber auch grundsätzliche Fragen auf: Ist ein Bild, das mittels Computer und elektronischer Technologie zustande kam, radikal von einem Bild verschieden, das von einem Objektiv aufgenommen und auf einen Film projiziert wurde? Zwingt uns die digitale Bildverarbeitung, so fundamentale Konzepte wie Realismus oder Repräsentation zu überdenken? Ist der referentielle Charakter der Fotografie aufgehoben, wenn der Computer nicht nur als digitales Fotolabor verwendet wird, sondern auch dazu dient, fotografische Bilder zu simulieren?

Fotografie nach der Fotografie

Keith Cottingham

Lynn Hershman

Fotografie und neue Medien

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