Im Rausch der Zeichen: Technokulturen in Deutschland und Japan.
Reisebericht und Symposiumseindrücke
Nachdem das Goethe-Institut (GI) San Francisco vor einigen Jahren den Startschuss gesetzt hatte, wurde Techno von dem Auslandskulturinstitut mit dem manchmal behäbigen Image als neuer deutscher Kulturexportartikel erkannt. Das Goethe-Institut Tokyo fügte dem jüngst eine neue Nuance hinzu. Bei der Veranstaltung "Technokulturen" Mitte Oktober waren nicht nur DJs am Werk, sondern auch Theoretiker und Publizisten, darunter der Schreiber dieser Zeilen. Ein Reisebericht mit Symposiumseindrücken.
Der agile Programmreferent des GI-Tokyo, Markus Wernhard, hatte sich einen Mix von Techno- und Netzkultur ausgedacht, der einige Schreiber bekannter deutschsprachiger Magazine (de:bug, Spex, Telepolis) als "TJs" (Theory DJs) ans Rednermixpult lotste und das mit dem praktischen Teil einer Konzertserie der eher elektronisch-ambient-experimentellen Sorte zu kombinieren wußte (Noto a.k.a Carsten Nikolai, Oval, Thomas Köner & Porter Ricks, Ryoji Ikeda u.a.). In beiden Kategorien war selbstverständlich auch eine japanische Auswahl vertreten, denn darum ging es ja, deutsche und japanische Technokulturen in einen Austausch zu bringen.![]() |
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| Panel-Diskussion beim "Technokulturen"-Symposium, 16. -19.10.1998, GI-Tokyo |
An diesem Punkt enden aber bereits die Selbstverständlichkeiten. Denn während es den Musikern noch relativ einfach gelang, sich durch gegenseitige Beschallung (die "internationale" Sprache der Musik, sic!) über ihr Schaffen auszutauschen, waren die TJs vom Problem der inkompatiblen Denk- und Sprachstrukturen geplagt. Dabei war es oft nicht ganz klar, woran es vor allem lag, daß man beherzt zwei Tage lang aneinander vorbeiredete, ob eher an der Unterschiedlichkeit der Gedanken, Theorien, Hypothesen, oder am Problem der Sprache selbst. Deutsch und Japanisch haben strukturell so gar nichts miteinander zu tun, daß selbst die besten Übersetzer bei schon gering komplexen Satzbau-Strukturen nur mehr zur Methode der freien Nachdichtung greifen können.
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| Mercedes Bunz, de |
Da kann es schon zu seltsamen Diskrepanzen kommen. So etwa bei den ersten beiden Panels zu "Club-Kultur und Gesellschaft in Deutschland und Japan" (Panel 1), sowie zu "Techno und Bewußtseinsindustrie" (Panel 2). Die deutschsprachigen TeilnehmerInnen Mercedes Bunz, Diedrich Diederichsen und Tom Holert schienen von dem unausgesprochenen Konsens auszugehen, daß es nun, nachdem Techno in .DE seine Überhitzungsphase bereits gehabt hat, in der jetzigen Chill-Out Phase wieder (leichter) möglich geworden ist, ganz ohne Hype in einer nuancenreicheren Art und Weise über Techno zu reden. Bunz betonte z.B. die durch Techno entstandenen alternativen Lebenspraxen in selbstgeschaffenen Labels und kleineren Clubs. Diederichsen thematisierte Techno im Kontext der Politik der Globalisierung und der kulturellen Identität, was grob gesprochen in die Frage mündete, ob Techno den gleichschaltenden Globalisierungskräften zuzurechnen sei, oder ob es lokale Technostile gäbe (etwa Detroit, Frankfurt), und was denn nun den spezifischen Charakter der lokal-globalen Technoidentität ausmacht. Holert behandelte die etwas sophistische aber durchaus interessante Frage, welche Art von Technokultur (oder Technosphäre) gegeben sein müsse, damit sich "Techno" als Musikrichtung etablieren kann.
Von japanischer Seite wurde Techno hingegen überwiegend als zu schützendes und zu hegendes und noch wenig entwickeltes Underground-Phänomen angesehen. Das Fehlen einer der Love Parade ähnlichen Veranstaltung wurde beklagt, ebenso die fehlende Akzaptanz von Techno bei grossen Sponsoren. Es scheint noch ausgesprochen schwierig zu sein, in Japan als Label-, Club- oder Party-Promoter auch eine ökonomische Existenz auf Techno aufbauen zu können. Die japanische Bescheidenheit in der Würdigung der eigenen Errungenschaften nahm schon fast groteske Formen an, als schließlich sogar laut bezweifelt wurde, ob es überhaupt eine Technoszene in Japan gäbe. Da blieb es der deutschen Seite vorbehalten, energisch zu widersprechen.
Schon nach wenigen Stunden in Tokyo läßt sich überspitzt formuliert die Beobachtung treffen, daß ganz Tokyo wie ein Themenpark der Technokultur erscheint. Die Infrastruktur der Beschleunigungskräfte - Bahnen, Straßen, Leitungen, Kommunikationseinrichtungen und deren Knotenpunkte - strukturieren die Stadt in einer äußerst sichtbaren Art und Weise. Große Bahnstationen und Kreuzungen wie Shinjuku, Shibuya oder Roppongi sind zugleich Kaufhäuser und umgeben von Entertainmentvierteln. Die Signale der urbanen Reizkultur prasseln hier in einer Intensität auf den Stadtflaneur ein, wie sie im Westen sonst nur vom Times Square bekannt ist, mit dem Unterschied, daß es Times-Square-ähnliche Konzentrationspunkte in Tokyo ca. fünfmal gibt. Berlin erscheint da als beschauliche Idylle.
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| Shinjuku bei Nacht |
Insbesondere das Viertel Shibuya präsentiert ein auf den Geschmack verschiedener Jugendkulturen zugeschnittenes Warenangebot in kaum übertreffbarer Dichte und Vielfalt. Manga, Anime, Games, Hip Hop, Neo-Romantics, Japan-Pop, Drum & Bass oder Techno, hier findet sich alles, ob in Mode oder Musik, was das jugendliche Käuferherz begehrt. Und Manga-Comics werden hier nicht nur verkauft, das ganze Viertel, mit seinen engen Gassen, labyrinthischen Hochhäusern - bis unter die Decke vollgestopft mit Shops und Bars -, mit seinen gigantischen Videoscreens und zahllosen animierten Neons hat wohl für das Bühnenbild zahlreicher Comics aber auch Filme wie Blade Runner Pate gestanden. Und wem das alles noch nicht genügt, der findet die Essenz japanischer Technokultur in Electronic Town Akihiraba. Dort sind die Neons nicht weniger grell, die Hochhäuser aber vollgestopft mit den neuesten japanischen Elektronik-Waren. Die allerletzten Gadgets von Sony, Panasonic, Sharp und Konsorten, die uns noch gar nicht, oder wenn, dann von Produktvorschauen für das nächste Jahr bekannt sind, finden sich hier in lukullischer Breite, Tiefe und Höhe ausgestellt wie auf einem elektronischen Basar. Das erinnert uns daran, daß es Techno-House ohne japanische Mikroelektronik wohl gar nicht gäbe (die ruhmreiche Geschichte des Atari als Sequenzer z.B., oder des Akai-Samplers).
Soweit zur Technokultur, was aber noch nicht zwangsläufig heißt, daß Techno im engeren Sinn ebenso prominent gefeatured ist. Dazu ist aber nicht viel mehr nötig, als in einen der Plattenläden oder der einschlägigen Boutiquen zu gehen, und einige Flyer aufzugreifen. Eine kleine Selektion genügt, um festzustellen, daß der Techno (in vielen Spielarten, bzw. allem, was unter dem Begriff vage durchgehen kann) in Tokyo an jedem Wochentag als Konzert oder in Clubs erlebbar ist, wobei die Protagonisten dieser Szene ebenso japanisch wie international sind. Ein eher zufälliger Abstecher der deutschsprachigen Reisegruppe in einen kleinen Club nahe Roppongi zeigte dann auch, dass japanische Clubgeher die Feste zu feiern verstehen, ganz zu schweigen von eingeführten Institutionen wie dem Club Yello, wo eine Crew ebenfalls vom GI eingeflogener E-Werk DJs ihr Handwerk zelebrierten.
Techno als Ware ist also in beliebiger Quantität und Qualität vorhanden. Wobei sich die Geister allerdings schieden, um wieder auf das Symposium zurückzukommen, ist die Differenz zwischen dem Kulturgut als Ware und einem nicht über die Warenform vermittelten Kulturbegriff. An diesem Punkt hakt sich ja eher linke, kulturpessimistische Kritik am Techno ein. Und ohne daß dieser Ansatz nun von einem der Teilnehmer vertreten worden wäre, so wurde die Kritik an der Warenform zumindest als ein Interpolationspunkt doch vorausgesetzt. Damit konnten die japanischen Teilnehmer allerdings wenig anfangen. Ein Begriff wie "Konsumterror" ist für sie nicht nur Fremdwort, sondern das Konzept dafür fehlt einfach im Alltagsgebrauch. Es gibt keinen arkadischen Urzustand der Kultur, die dann in Warenform kommodifiziert wird, sondern die Ware ist die ultimative Repräsentanz der Kultur und ihr Erwerb Teil der Persönlichkeitsbildung.
An solchen Punkten begann die Diskussion, z.B. auch mit dem Beitrag des Kulturtheoretikers Noi Sawaragi, interessant zu werden, gerade auch weil große Klüfte offensichtlich wurden. Sawaragis Beitrag schien thematisch deckungsgleich mit dem von Holert, mit dem er auch am selben Panel sass, zu sein, und dennoch fand man nicht zueinander. In solchen Fällen kann das Mißlingen der Diskussion auch eine versteckte Errungenschaft sein, denn dadurch werden den Teilnehmern die oft unausgesprochenen Voraussetzungen und kulturellen Bedingtheiten der eigenen Position klar. Anders gesprochen, was im westlichen Kontext bereits als objektivierbares Wissen erscheint, wird in solchen Diskussionen als kulturpezifische und alles andere als objektive Erkenntnis entlarvt. Da half es auch nicht, daß sich Sawaragi, zum Schmerz der Simultandolmetscher, auf Heidegger und Nietzsche berief. Es wäre allerdings schön gewesen, wenn das Goethe-Institut, bzw. dessen Programmreferent Wernhard, der um diese Unterschiede nach fünf Jahren Tokyo wohl bescheid weiss, kulturell bedingte Auffassungsunterschiede nicht bloß als die Qualität der Dikussion minderndes Faktum (was es auch war) achselzuckend in Kauf genommen, sondern versucht hätte, bewußter damit zu arbeiten. Denn genau an dieser Stelle beginnt der Kulturaustausch.
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| Multimediakünstler Toshio Iwai |
Auch am zweiten Diskussionstag wurde konzentriert aneinander vorbeigeredet. Der Multimedia-Künstler Toshio Iwai zeigte einige seiner Arbeiten, darunter das inzwischen zum Klassiker gewordene "Musical Insects" (1990). Auf einer graphischen Punktmatrix am Bildschirm, auf der kleine Insekten herumirren, lassen sich mit farbigen Punkten und Linien verschiedene Sperren und Ablenkungen für die Insekten setzen, die dann jeweils zu klanglichen Ereignissen führen. Für den nach Selbstbeschreibung "visuellen und völlig unpolitischen" Menschen Iwai sei dies ein Weg gewesen, um auch komponieren zu können. Was den Musical Insects durch die Einfachheit des an frühe Computerspiele erinnernden Interface zum Vorteil gereicht, wird allerdings in späteren Arbeiten, die auf ähnlichen Prinzipien basieren , wie etwa in der preisgekrönten Zusammenarbeit zwischen Iwai und Ryuichi Sakkamoto, zum Multimedia-Kitsch, in der die Software der Star ist. Iwai muss nun stellvertretend herhalten für eine Beobachtung, die möglicherweise oberflächlich ist, aber, mit aller Vorsicht formuliert, ein wichtiges Element japanischer Identität bezeichnen könnte.
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| Japanische Salarymen amüsieren sich bei Spiesschen und Bier in der Yakitori-Kneipe |
Japan erscheint wie ein Wunderland der nur noch kindlich zu nennenden Hingabe an die Stimulanz und die pure Gegenwart. Selbst das im Westen gepflegte Klischee von der Armee der japanischen Businessmänner in Einheitsuniform - rationalistisch, effizient, kalt - kommt vor Ort ins Wanken, wenn man dieselben in den vielen kleinen Yakitori-Kneipen beim feierabendlichen Umtrunk beobachtet. "Kindlich" bedeutet aber nicht dumm, sondern soll zugleich wertfrei aufgefaßt werden, als mögliche Schwäche wie auch als Stärke. Japan scheint resistent gegen die theoretischen Überbaugebilde des Abendlandes zu sein. Zwar werden diese an Universitäten gelehrt, wie etwa der Marxismus, aber sie haben keinen wirklichen Boden in dieser "Gesellschaft der Unmittelbarkeit", deren Handeln weniger von theoretischen Maximen geleitet ist, als von pragmatischen Anpassungen (bis hin zur Überadaption, etwa bezüglich der Modernisierung des Stadtbildes) und in Jahrhunderten gewachsenen kulturellen Regeln. Nur so ist es zu verstehen, daß in Japan, dem Land großer Kinder, High-Tech und Archaik weniger (oder gar nicht) als Widerspruch aufgefaßt werden. Sie bilden keine gegeneinander zu setzenden Pole in der Entwicklung der Gesellschaft (hier wieder: das "Kind" als Phase der Gesellschaftsentwicklung) sondern sind als gleichzeitig vorhandene Kräfte der Modernisierung ebenso wie des Beharrens in Traditionen und Konventionen zu verstehen.
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Die Hingabe an die Unmittelbarkeit technischer Effekte und stimulierender audivisueller Oberflächen, um wieder auf Iwai zurückzukommen, kann künstlerisch eine große Stärke sein. Da dies aber von uns zugleich als "konzeptlos" wahrgenommen wird, kann dies auch in die jahrmarktkünstlerische Effekthascherei umkippen.
Besuche bei den wichtigsten medienkünstlerischen Institutionen vor Ort, dem Canon Art Lab und dem Intercommunication Center (ICC), lieferten weitere Beispiele für die ungebrochene Technikbegeisterung. Bei Canon Art Lab wurde gerade "SoundCreatures" von Kouichirou Eto gezeigt, eine Arbeit, deren Versatzstücke bekannt erscheinen. Eine Versuchsanordnung von musikalischen Robotern (gebaute "Musical Insects"?) bewegt sich auf ebenem Terrain in der Galerie. Jeder Roboter spielt ein bestimmtes kurzes Musikstück. Wenn sich zwei Roboter nahe kommen, tauschen sie Elemente des Musikstücks aus, d.h. sie stimmen sich aufeinander ein. Was sich zunächst wie Spielhallengeklimpere anhört, synchronisiert sich ohne Zutun der Besucher nach einiger Zeit zu einer Art minimalistischem Musikstück. Diese Installation ist allerdings in Echtzeit mit dem Internet verbunden. Infrarotsensoren an der Decke zeichnen die Bewegungen der Roboter auf und projizieren sie zunächst auf ein Java Applet, das live mit dem Navigationsinterface der Web-Site verbunden ist. Internet-User können nun, wenn die Roboter zufällig durch bestimmte markierte Zonen fahren, diese Reprogrammieren, ihnen neue Musikstücke und Verhaltensformen aufladen.
In der Installation selbst sieht dies alles beeindruckend einfach aus und schien auch sehr gut zu funktionieren. Im Maschinenraum im Hintergrund arbeitet allerdings ein gutes halbes Dutzend schneller Rechner an Positionserfassung, Umsetzung auf die Web-Site, etc., während mehrere flinke Helfer beständig dabei sind, angeschlagene Robots zu reparieren. Was hier an eigener Entwicklungsarbeit investiert wurde, ist technisch tatsächlich faszinierend, doch der richtige ideelle Kick will sich nicht einstellen. Zusehr erinnern die kreisenden Roboter auch an Ulrike Gabriels "Terrain" (ebenfalls von Canon Art Lab finanziertes Projekt) und mit den Musical Insects wurde bereits ein weiterer Referenzpunkt benannt. "Niedlich" oder "süss" ließe sich im Sinne des oben Gesagten hinzufügen.
Reine Technikgigantomanie prägt schließlich das ICC, das im "Opera City Tower" der japanischen Telefongesellschaft NTT angesiedelt ist und von dieser auch finanziert wird. Neben wechselnden Ausstellungen findet sich hier auch eine permanente Sammlung medienkünstlerischer Arbeiten. Jedem Werk ist ein eigener Raum zugedacht, zu sehen ist nur die absolut nötige Technik, wie etwa Projektoren und Leinwände, kein freies Kabel bringt den Fuß zum Stolpern, Werk und Architektur sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das ICC ist eine Kultstätte der High-Tech-Mystik und der ökonomische Kontext wird schon dadurch klar, daß es im Bauch des NTT Towers angesiedelt ist.
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| Betondschungel in Shinjuku, nahe des Opera City Tower |
Bei derartig prunkvollen Präsentationen fragt man sich natürlich, was es mit der japanischen Wirtschaftskrise auf sich hat, von der bei uns in den Wirtschaftszeitungen so viel zu lesen ist. Zum einen ist anzumerken, daß es sich um eine Krise auf einem ausgesprochen hohen Niveau handelt. Japan geht es schlechter im Verhältnis zu sich selbst, aber immer noch weit besser als dem Großteil (auch der westlichen) Welt. Der erfolgreiche Börsengang von DoCoMo, der Mobilfunktochter von NTT, der sich in der selben Woche wie das GI-Symposium ereignete, ist ein gutes Beispiel dafür, wie "geschmiert" es in manchen Bereichen immer noch läuft. Zum anderen liegen die wirklichen Probleme Japans wahrscheinlich nicht in den makroökonomischen Ziffern, sondern in einer heraufdämmernden, gesellschaftlich-kulturellen Krise. Vieles regelt sich in Japan über stillschweigende gesellschaftliche Übereinkünfte, die jedoch im Zuge der Globalisierung zunehmend hinterfragt werden. Dazu zählen etwa die Stellung der Frau in der japanischen Gesellschaft, der Umgang mit Außenseitern, die sich dem Regime der Effizienz widersetzen (Aussteiger, Obdachlose) oder das Verhältnis zum asiatischen Ausland, wobei Japan erst langsam im Begriff ist, sich überhaupt erst als Teil Asiens zu erkennen.
Auch wenn die Schattenseiten der japanischen Gesellschaft trotz aller Glattheit der Oberflächen gar nicht so schwer zu entdecken sind, so bedürfte doch alles weitere zu Sagende vertiefender Beschäftigung vor Ort. Denn ansonsten würde man Gefahr laufen, den oft gemachten Fehler zu wiederholen, bei der vermeintlichen Beschreibung dieses faszinierenden Landes doch nur in den eigenen Vorurteilen zu verharren. Ein solches Vorurteil ist z.B. der Konformismus der japanischen Gesellschaft. Doch live zu beobachten, wie intensiv, laut und vielfältig hier gelebt wird, wirft dieses langgehegte westliche Vorurteil total über den Haufen. So ist der wirkliche Vorteil von Kulturaustauschprojekten wie "Technokulturen" weniger der, daß tatsächlich ein "Austausch" geschieht, sondern daß die Beteiligten durch die Begegnung mit dem "Anderen" etwas über ihre eigenen Vorurteile und kulturellen Bedingtheiten lernen.
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