Betriebssysteme der Systemgesellschaft
Eine Konferenz im Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Frühjahr 2000
Organisiert in Zusammenarbeit von:
mikro e.V.
|
|
Institut für Informatik in Bildung & Gesellschaft der Humboldt Universität zu Berlin
Institut für Ästhetik der Humboldt Universität zu Berlin
Haus der Kulturen der Welt Berlin
Telepolis
Individual Network Berlin
Berliner Linux User Group
Berliner NeXT User Group
& mit freundlicher Unterstützung des Wirtschaftssenats Berlin
Falls der monolithische Kern der amtierende Champion ist, dann ist der Mikrokern der aufstrebende Herausforderer. Viele verteilte Systeme, die vollständig neu entworfen worden sind, verfolgen diesen Ansatz. Der Mikrokern ist flexibel, da er fast nichts selbst erledigt. Er bietet nur vier minimale Basisdienste an: 1. einen Prozeßkommunikationsmechanismus, 2. eine einfache Speicherverwaltung, 3. eine minimale Prozeßverwaltung und ein einfaches Scheduling und 4. eine einfache I/O-Funktionalität;
Ver. 1.0, Januar 1999
Das Konzept
operating system: /n./ [techspeak] (Often abbreviated 'OS') The foundation software of a machine, of course; that which schedules tasks, allocates storage, and presents a default interface to the user between applications. The facilities an operating system provides and its general design philosophy exert an extremely strong influence on programming style and on the technical cultures that grow up around its host machines.
(The Jargon File)
wizard: /n./ 1. A person who knows how a complex piece of software or hardware works... A good hacker could become a wizard for something given the time to study it. 2. A person who is permitted to do things forbidden to ordinary people; one who has wheel privileges on a system. 3. A Unix expert, esp. a Unix systems programmer. This usage is well enough established that 'Unix Wizard' is a recognized job title at some corporations and to most headhunters.
(The Jargon File)
Das Betriebssystem (OS) läuft für die meisten Computeranwender im Hintergrund ihres Bewußtseins. In Erscheinung tritt es allenfalls beim Systemstart (wenn Mitteilungen über das "BIOS" oder Festplatten-"Herren" und "-Sklaven" über den Bildschirm fließen) oder bei Störungen ("allgemeine Schutzverletzung"). Den überwiegenden Teil seiner grundlegenden Operationen (Ressourcen verwalten, Aufgaben wie Input/Output steuern und koordinieren, Systemelemente koppeln) vollführt das OS im Verborgenen. Verfolgt man jedoch die Ausläufer des OS weiter, so entfaltet sich ein umfassendes Netz von Beziehungen nicht nur in alle Bereiche von Computer-Hardware und -Software, sondern auch in Wirtschaft, Politik, Recht, Soziologie, Psychologie und Kultur.
Seit einigen Monaten ist das OS-Monopol Microsoft (MS) aus diesem Hintergrund in die Schlagzeilen getreten. Die Untersuchungen der EG und des U.S.-Justizministeriums bringen nach und nach zutage, wie Microsoft seine auf MS-DOS aufbauende Marktherrschaft nicht nur auf Entwickler, Computerhändler und Kunden in seiner eigenen OS-Welt ausbaut, sondern ebenso auf alternative OSs, Internet-Provider, -Technologien und -Content.
In der öffentlichen Debatte stellt sich GNU-Linux als Gegenspieler zu MS-OSs dar. Linux steht hier nicht nur für eine praktische Alternative, die sich im Bereich von Server- und Internet-Einsatz bereits gegenüber MS-Windows-NT durchsetzt. Mehr noch steht es für ein grundsätzlich anderes Modell der Entwicklung von Software: die Free-Software oder Open- Source-Bewegung. Anstelle der in einem geschlossenen Prozeß entstehenden proprietären, Copyright-geschützten Software entwickelt hier eine offene Community freie, frei modifizierbare Copyleft-geschützte Software. Dieses Modell hat an zahlreichen Beispielen bewiesen, daß es nicht nur hochwertigere Programme hervorbringt, sondern in seiner Verbindung von Gabentausch- und Geldökonomie auch als Business-Modell funktioniert.
Ein Beispiel für die unterschiedlichen sozialen und politischen Wertsetzungen der beide Modelle: MS-OSs wachsen, wie das sie produzierende Unternehmen, zu immer größeren Dimensionen aus, zielen auf die Auslastung der jeweils neuesten Intel- Prozessorgeneration und zwingen so die Konsumenten zum Ersatzkauf. Linux dagegen läuft auch auf obsoleten Plattformen (selbst 8086er) und ist daher das OS für arme Länder und Menschen.
Die Veranstaltung nimmt diese Entwicklung zum Anlaß, der Bedeutung von Betriebssystemen als der Grundlage der heutigen "Informationsgesellschaft" nachzugehen. Schwerpunkte der Veranstaltung sind die Funktionsweisen von OSs, ihre Verbindung zu sozialen Systemen (Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung usw.) und die Alternativen zu MS-OSs.
Als Ergebnis der Veranstaltung wird eine Online- und Print-Dokumentation entstehen, die die Thematik und ihre Herausforderungen deutlich und weiten Kreisen einer interessierten Öffentlichkeit in Deutschland und international zugänglich macht. Für Deutschland ist hier beispielsweise an eine Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung zu denken.
Die Veranstaltung selbst kann ein wichtiges überregional wirksames Signal für den medienpolitischen Standort Berlin und die hier präsente technologische, wissenschaftliche und kulturelle Kompetenz sein. Die Liste der Gäste wird diese Konferenz zu einem in der internationalen Fachwelt und darüber hinaus stark beachteten Ereignis machen. Die lokale Kooperationspartnerschaft zwischen akademischen Instituten, medienkulturellen Initiativen, Kulturinstitutionen und engagierten Privatunternehmen ist dabei auch im internationalen Maßstab beachtlich und durchaus nicht selbstverständlich.
Die Veranstaltung erstreckt sich über drei Tage, an denen verschiedene Betrachtungsweisen von OSs im Zentrum stehen. Ziel des ersten, des "informatischen" Tages ist es, den aktuellen Paradigmenwechsel hin zu verteilten OSs nachzuzeichnen. Am zweiten, dem "medien-politischen" und "kulturwissenschaftlichen" Tag sollen die Wechselwirkung von technischen und sozialen Systemen aufgezeigt und deutlich gemacht werden, daß die Frage nach den Konzepten, die die OS-Entwicklung leiten, eine politische ist. Am dritten, dem "Hacker"-Tag, geht es um gemeinfreies Wissen (public domain) als Alternative zum Freimarkt-Monopol und um Standards. Ziel dieses Tages ist es, die Idee eines kollaborativen, auf eine offene Community gestützten und (Copyright-) freien Projekts für ein OS der nächsten Generation zu überprüfen und ggf. zu lancieren.
Ziele
Die Veranstaltung will ein grundsätzliches Verständnis dafür vermitteln, was OSs sind, woher sie kommen und wohin sie sich entwickeln, worin sich die verschiedenen OSs unterscheiden, was sie jeweils ermöglichen und was sie erschweren und in welcher Beziehung sie zu den sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Systemen stehen, die auf ihnen beruhen. Es ist unsere Hoffnung, daß dieses Wochenende im Berliner Haus der Kulturen der Welt auf einem gesellschaftlich bedeutsamen, aber weitgehend unterbelichteten Gebiet Zeichen setzen und einen Unterschied machen wird. Die Publikation der Beiträge, sowohl online als auch in Print, soll diesem Ziel in einer möglichst großen Öffentlichkeit auch über den Zeitraum der Konferenz hinaus dienen.
Zielgruppe
Auf dem Event werden drei Gruppen zusammenkommen: eine akademische Informatiker- Szene, eine außerakademische Hacker-Szene und eine Kultur- (wissenschaftliche) Szene. Schon die technischen Kulturen innerhalb und außerhalb der Universität haben selten die Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Durch die integrale Einbeziehung von sozial- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven versprechen die "Wizards of OS" eine wahrhaft interdisziplinäre Veranstaltung zu werden. Insbesondere der Veranstaltungsort - das Haus der Kulturen der Welt Berlin - mit seiner traditionellen Orientierung auf außereuropäische Kulturen ist Garant dafür, daß die Nord-Süd-Dimension von OSs eine prominente Stellung erhält.
Im engeren Sinne richtet sich die Veranstaltung an die drei Gruppen, die sie bestreiten. Darüber hinaus spricht sie die breite Öffentlichkeit der aktuellen oder zukünftigen Computer-Nutzer an, ob als Privatpersonen oder als Institutionen und Unternehmen. Eine gute Zielgruppenbestimmung ist die Leserschaft der Zeitschrift c't (Heise Verlag), die mit einer vierzehntägigen Auflage von 280.000 Exemplaren das große Interessenpotential an praktischen, theoretischen und kulturellen Fragen von OSs belegt.
Besonders brisant ist die Frage nach OSs im Bildungsbereich. Um dem gerecht zu werden, wird ein eigenes Forum für Lehrer, Eltern, Pädagogen und Bildungspolitiker geschaffen.
Ein weiterer Adressatenkreis sind Entscheider und Entwickler aus den I&K-Industrien. Sie sollen durch gezielte Zusammenarbeit besonders mit Klein- und Mittelbetrieben aus der Region Berlin/Brandenburg in die Veranstaltung einbezogen werden.
Vorabaktivitäten
Seit November 1998 steht eine erste Ankündigung unter mikro e.V.. Als nächster Schritt folgt ein Call for Participation. Dort befindet sich auch eine Linksammlung zum Thema. Eine Online-Enzyklopädie der Betriebssysteme sowie ein Who-is-Who der Betriebssysteme sind in Vorbereitung.
Anfang 1999 wird eine Mailingliste eingerichtet, in der Referenten, Besucher und andere Interessierte über die verschiedenen OS-Themen diskutieren und so die eigentliche Veranstaltung vorbereiten.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Der Öffentlichkeitsarbeit in der Fach- und Publikumspresse sowie in Rundfunk und Fernsehen kommt bei diesem auf den ersten Blick nicht ganz einfachen Thema eine besondere Bedeutung zu. Angesichts der wichtigen Rolle, die der Computerunterricht in den Schulen spielen könnte, sollen über geeignete Medienkanäle besonders auch Pädagogen, Eltern und Bildungspolitiker angesprochen und zu einer Beteiligung eingeladen werden. Zur Unterstützung der Berichterstattung wird während des Events im HKW ein Presse-Center eingerichtet.
Ablauf
Den Kern des Events bildet die Konferenz mit den Vorträgen und Diskussionen im Auditorium des HKW. Parallel dazu sowie an den Vormittagen und in der Abendpause finden in den beiden Konferenzsälen Workshops und Bird-of-a-Feather-Sessions statt. In den Foyer-Räumen und vor dem Café Global wird einen kleine Ausstellung mit thematischen Medienkunst- Objekten zu sehen sein. Ebenfalls im Foyer präsentieren sich Usergroups und Forschergruppen. Es soll ein "ökumenischer Kirchentag" werden, auf dem jedes OS willkommen ist.
Kongreßsprache ist Englisch, Simultanübersetzung ist wünschenswert. Die Konferenz wird live im RealVideo-Format ins Internet übertragen. Diese Videoaufzeichnungen sind danach zusammen mit der weiteren Dokumentation auf der OS-Webseiten abrufbar. Die Veranstaltung wird außerdem in einem erweiterten Tagungsband auf Deutsch und auf Englisch dokumentiert.
Mindestens ebenso wichtig wie die Kommunikation zwischen Referenten und Gästen ist die unter den Referenten. Um sie zu fördern, sind Angebote, wie eine Bootsfahrt am Sonntag nachmittag, vorgesehen.

Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
