Der deutsche Wald in der Disko

06.04.1999

Interview mit Wolfgang Voigt alias Mike Ink: Lass es rocken mit Heino, den Gebrüdern Grimm und Wagner

Es ist selten, daß Technoproduzenten in den Feuilletons Platz eingeräumt bekommen. Normalerweise bedrängen junge Schreibende rocksozialisierte Kulturabteilungsleiter und ziehen enttäuscht mit einem Zehnzeiler für den Tip des Tages im Lokalteil wieder ab. Den Status einer eigenen Kultur, die gleichberechtigt neben den klassischeren Formen wie Kino, Buch, Theater, Ausstellung wohnt, gilt es sich noch eine Weile zu erarbeiten. Wenn es jedoch in den letzten Jahren einen Lieblingsproduzenten des deutschen Feuilletons gab, dann war es Wolfgang Voigt, präsentiert als Mike Ink. Das hat Gründe. Einer liegt darin, daß Voigt selbst immer wieder in verschiedenen Projekten "Kulturballast" - wie er selber mal gesagt hat - aufnimmt und transformiert. Daß dies bei manchen Kolumnisten unbehagliche (und unbegründete) Gefühle bezüglich des Gespensts einer deutschtümelnden Kulturnation wach werden läßt, ist nur ein Nebenaspekt, der es für Voigt immer wieder nötig macht, öffentlich Stellung zu beziehen.

Bei den vielen verschiedenen Platten-Veröffentlichungen, die Wolfgang Voigt bisher vorgelegt hat, könnte man meinen, daß Techno das Spiel der Pseudonyme nur für ihn erfunden hat. "Mike Ink" ist nur eines davon. Anfang der Neunziger begann er sich mit Acid Techno auseinanderzusetzten und von da an steht die gerade Bassdrum im Mittelpunkt seiner Arbeit. Mit "Strass" schließt er an das klassische Sägezahn-Technobrett deutscher Bauart an. Mit seinen Freiland-Veröffentlichungen setzt er den Minimalismus seines älteren Labels "Studio 1" fort, und unter der Bezeichnung GAS führt er das Motiv der geraden Bassdrum in ambientere Soundstrukturen über. Und selbst das ist nur eine Auswahl. Wolfgang Voigt ist jemand, der nicht leicht zu erwischen ist, der nicht auf eine Identität festgelegt werden möchte.

"Man muss Hörgewohnheiten biegen, bis sie brechen", sagt Wolfgang Voigt. So arbeitet er sich denn mit dem musikalischen Mikroskop durch die deutsche klangliche Kulturgeschichte auf der Suche nach Material für eine spezifisch deutsche Popmusik. Über die Probleme, die dabei auftauchen, wenn man den deutschen Wald in die Disko bringen möchte, sprach DE:BUG Redakteurin Mercedes Bunz mit Wolfgang Voigt.

Du betonst schon seit längerem in deiner Arbeit einen bestimmten deutschen Aspekt. Warum so viele deutsche Wörter?

Wolfgang Voigt: Was soll ich denn nehmen, französische? Nun ja, Französisch kann ich halt nicht. Aber Spass beiseite: Du spielst auf die etwas plakativen Verweise im Beigleittext zur neuen GAS Veröffentlichung an, die es neben anderem mal wieder erforderlich machen, öffentlich Stellung zu nehmen. Dazu muss ich allerdings etwas weiter ausholen.

Schon lange bevor Acid und einige andere einschneidende Ereignisse mein kulturelles Selbstverständnis auf den Kopf stellten, war mein künstlerischer Forschungsdrang im wesentlichen von einem Motiv geprägt, nämlich abseits der gängigen Klischees so etwas wie eine "genuin deutsche Popmusik" zu kreieren. Natürlich bin ich, wie die meisten meiner Generation, aufgewachsen mit angloamerikanischer Musik jeglicher Couleur, Glam Rock, Disco, Jazz, Punk, New Wave usw. Mitte der Achtziger war ich ganz grosser Scritti Politti und Prefab Sprout Fan, aber schon da stellte ich mir die Frage: Wie kann man eine Popmusik wie diese, die auf derart hohem Niveau funktioniert und strukturell so fantastisch verdichtet ist, in eine deutsche Soundästhetik übertragen, lässt sich das übersetzen?

Mit den ersten eigenen musikalischen Gehversuchen merkte ich vollends, dass das Nachahmen internationaler Vorbilder nicht Zielsetzung meiner eigenen Arbeit sein konnte, zumal die Messlatte teilweise ziemlich hoch lag. Die Grundidee war von da an: wie kann ich mit meinen deutschen Wurzeln etwas schaffen, was genauso funktioniert wie Pet Shop Boys. Etwas Eigenes musste also her. Ich fing an, die deutsche Kulturgeschichte, oder was man landläufig damit assoziiert - Heino, Schlager, Wagner, Volksmusik, Hänsel und Gretel, Oh Tannenbaum, Laß jucken Kumpel..., was auch immer - unter's Mikroskop zu legen, das Ausgangsmaterial sozusagen wieder auf die ästhetischen Grundstrukturen zurückzuführen und von da aus in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Außerdem: Als Kind musste ich, ob ich wollte oder nicht, dreimal im Jahr mit Vati und Mutti in die Alpen und in die Wälder usw. Das hat geprägt, ich schätze und liebe das sehr. Soetwas begleitet einen immer ein bisschen mit, die Kindheit, die Siebziger: Vater, Mutter, deutscher Schlager, das kennt man ja. Das verleugnet man dann irgendwann nach der Pubertät und hört Hardrock. In meinem Fall kehrte das als Motiv wieder zurück.

Es geht Dir also nicht darum, Geschichte als Original nochmal aufzurufen, sondern eher um Strukturen, mit denen man arbeiten kann.

Wolfgang Voigt: Gewiss, und darum, das Material von seiner ursprünglichen kulturellen, politischen, geschmacklichen Bedeutung zu befreien und in eine andere zu überführen. Die könnte dann wiederum so etwas wie Popmusik sein. Oder eben um die Hypothese, dass sich zumindest strukturell z.B. so etwas wie Studio 1 auch aus Blasmusik machen lässt. Tuba als Bass u.s.w. Oder darum, daß sich im Falle von GAS die klanglichen Welten Wagners oder Alban Bergs hervorragend eignen, um das gute alte Märchen vom deutschen Wald in den schönsten Farben des Pop nocheinmal ganz anders zu erzählen. Es ist der Versuch, mit sehr tiefen Soundstrukturen eine Verdichtung zu schaffen, die uns vertrauter ist, und die wir ganz weit entfernt Techno nennen können, die aber schon kein Techno mehr ist. Das Ziel dabei ist immer Pop. Das Ziel ist immer: Liebe geben und geliebt werden für die Arbeit.

Hat Dich das beunruhigt, dass das teilweise nicht verstanden wurde und Zeitungen Dich in die rechte Ecke stopfen wollten?

Wolfgang Voigt: ... beunruhigt weniger, es schien mir eher lächerlich, so einen Scheiss zu schreiben, und vor allem ärgerlich, dass meine Arbeit so falsch verstanden werden kann; bei meiner lupenreinen linken Geschichte, völliger Unsinn selbstverständlich. Meine Arbeit war gerade wegen der komplizierten historischen Vergangenheit - mit der andere im übrigen sehr viel dummdreister umgehen - immer schon von starker Selbstreflexion geprägt.

Seit den verstärkten rechten politischen Angriffen zu Beginn der Neunziger, Stichwort Hoyerswerda, habe ich sehr umsichtig meine Forschungen einer "genuin deutschen Popmusik" betrieben. Das Thema war besetzt und versaut bis zum geht nicht mehr, man kennt das historisch. Die Thematik "deutsch" wurde von der Subkultur zurecht ohnmächtig niedergeschwiegen. Da konnte man nichts mehr sagen und hat sich eigentlich in die Clubkultur geflüchtet. Es schien mir aber stets geboten, eben nicht, wie hierzulande oft üblich, die internationalen Charts peinlich schlecht zu imitieren oder die schwarze Musik zu beklauen, sondern sich eher aus dem, was hier vorhanden ist, zu artikulieren. Was ja irgendwo auch eine Frage des Stils oder meinetwegen auch der Moral ist. Im übrigen ist es gar nichts Neues, dass eine bestimmte weinerliche, pseudolinke, feuilletonistische Ecke in diesem Zusammenhang bei jedem Scheiss auf die Tränendrüse drückt.

: Nach 1 1/2 Jahren ist jetzt die neue GAS draussen, sie klingt etwas melancholischer als die letzte.

Wolfgang Voigt: Ich finde es nicht melancholisch, allerdings ensteht durch die Arbeitsweise eine bestimmte Schwere, eine Art Zähflüssigkeit. Musik ohne Anfang und ohne Ende, abgefederte Konturen, die weich in den Raum fallen, zeitliche Schemata scheinbar außer Kraft setzen. GASförmige Musik, die eingefangen wird von einer gerade vorbeimarschierenden Pauke, die strömt, ausströmt durchs Unterholz den Waldboden entlang.

Den Königsforst entlang.

Wolfgang Voigt: Zum Beispiel den Königsforst. "Königsforst" bezieht sich ja auf den Königsforst, rechtsrheinischer Wald. Das ist ein vor den Toren Kölns gelegener Mischwald: Eiche, Tanne, Buche u.s.w., nicht wahr! Ein inhaltssreicher Bezugspunkt meiner Hippiejugend, um das Bewusstsein für die tieferen Aspekte elektronischen Lebens zu schärfen: Der deutsche Wald auf Acid.

Um auf GAS zurückzukommen. GAS ist ein Ableger von BLEI. BLEI ist seit jeher der Name der schon genannten Mission. Während BLEI sich überwiegend mit Blasmusik, Polka, Marsch usw. allgemein und mit Hornklang im besonderen befasst, geht es bei GAS um Streicher - und Geigen. So wird bei GAS ein Klangstück der ursprünglichen Quelle entliehen, und vermittels großflächiger Looptechnik wird die Schleife an einer beliebigen Stelle abgegriffen und nach zufälliger zeitlicher Struktur über ein rhythmisches Gefüge bewegt. Es entsteht eine klangliche Verdichtung, die dann zur Aufnahme gelangt, wenn hinsichtlich der Erzählstruktur das Objekt von jeder überflüssigen Bedeutung befreit werden konnte.

: Auch wenn sich das meiste dieser Wörter und Sounds einfach zurückbinden läßt, klingt es doch erstmal gewaltig und pathetisch.

Wolfgang Voigt: Mit Pathos hat das eigentlich nichts zu tun, sondern viel mehr mit Hörgewohnheiten und damit, diese zu biegen, bis sie brechen. Als Arbeitsgrundlage gehe ich oft bewusst von falschen Voraussetzungen aus, um neue Räume öffnen zu können. Lange genug geloopt verändern die Dinge oft ihre Semantik. Jeder Ansatz in Richtung Hochkultur liegt mir in diesem Zusammenhang absolut fern, es ist immer die Jugendkultur, die interessiert. Wie gesagt, das Ziel ist immer Pop und den deutschen Wald in die Disko zu bringen.

Du hast sehr schnell angefangen zu sampeln, und das zu einer Zeit, in der noch der Grossteil der Leute auf analoge Geräte geschworen hat.

Wolfgang Voigt: Das liegt daran, dass ich nicht besonders viel von Technik und Instrumenten verstehe und mich nicht besonders dafür interessiere. Interessant ist Technik für mich immer nur als Transportmittel der Idee oder eines bestimmtes Gefühls. Deswegen ist Sampling definitiv der Transformer für mein musikalisches Denken. Entscheidend ist ja letztendlich nicht die Equipment-Frage, sondern zu welchem Ergebnis ich komme, was am Ende dabei herauskommt.

Auf Popacid und teilweise auf Kreisel hast du in letzter Zeit auch wieder ältere Stücke rausgebracht. Warum?

Wolfgang Voigt: Kreisel funktioniert bewusst so ein bisschen wider den tierischen Ernst, so eine Art musikalische Schlittenfahrt quer durch die 90er. Veröffentlicht werden überwiegend alte Klassiker, Verschollenes und Abwegiges aus verschiedenen elektronischen Bereichen - Acid, Techno, Ambient. Die Platten erscheinen wöchentlich als Countdown auf 2000 im 7-inch Single Format. Kreisel setzt sich mit der Falle des guten Geschmacks und der Freiheit des Widerspruchs auseinander.

Also kein Acid-Revival?

Wolfgang Voigt: Nein, Sentimentalitäten und Revivals liegen mir fern. Das ist nie mein Motiv. Das spiegelt sich eben auch im Format: die seriöse 12-inch wäre mir dann zu ernst gemeint. Das war auch das Problem an Popacid, dass es wahnsinnig ernst genommen wurde als neuer Stil. Das vermeintlich Neue ist natürlich immer auch relativ im Zeitalter des permanenten Zitats. Dinge wiederholen sich.

Du bist in letzter Zeit auch viel mit Sägezahntechno in Verbindung gebracht worden.

Wolfgang Voigt: Sägezahn ist selbstverständlich alte Musik, gar keine Frage. Gut abgehangener Ballertechno oder eine Spielart davon, das kann nach dem dritten Gin Tonic wunderbar kommen. Das ist einfache Musik. Ich bin ja nach wie vor ein Freund von Brettern. Das kann dann auch mal für zwei bis drei Wochen Rechtecksägezahn sein. Obwohl, ich würde das nicht überbewerten, es wurde auch etwas zu sehr gehypet. Aber man begibt sich in Kontroversen, und die werden diskutiert, ausgeschwitzt und ausgetanzt, und dann ist's gut. Das soll auch so sein. Das ist das, was jung hält und Energie zurückbringt.

Wie macht man das eigentlich, so viele Platten machen? Du bist Frühaufsteher, oder?

Wolfgang Voigt: Das frage ich mich manchmal selbst. Mich interessiert eben nicht nur die Musik, die ein bestimmtes Spektrum bestätigt, sondern auch die, die mir widerspricht. Überhaupt funktioniert meine Arbeit sehr stark über Widersprüche, mit der Notwendigkeit, gängige Festlegungen zu unterlaufen. Frühaufsteher stimmt auch, ich liebe den Vormittag. Wenn meine Freunde vom Plattenladen es schaffen, die horrend frühe Zeit von 12 Uhr wahrzunehmen, wenn der Laden aufmacht, dann habe ich meistens schon ein gewisses kreatives Pensum hinter mir. Ich produziere aber auch nicht sechs Wochen lang an irgendeinem Track. Es hat sich für mich herausgestellt, daß der essentielle Kick, das, was einen Track wirklich ausmacht, in der Regel in sehr kurzer Zeit gesagt ist. Der Weg dahin ist lang, die Arbeit am Musikstück nicht unbedingt. Sobald ein bestimmter Prozess abgeschlossen ist, folgt diesem meist unmittelbar das Bedürfnis, ein anderes musikalisches Kapitel aufzuschlagen.

Worum geht es beim Musikmachen also.

Wolfgang Voigt: Bedeutung rausfiltern zugunsten von absoluter Sprengkraft. Räume leermachen und das Ausgangsmaterial neu organisieren, über die Flügel spielen, alles geben. Eine Frage, die mir oft gestellt wird: warum gibst du so wenig Interviews. Jede Platte ist Sprache, jede Platte hat immer eine Aussage, jede Platte ist immer ein Statement. Musik als Sprache ist mir allerdings gemässer als gedruckte Sprache.

Gedruckte Sprache wird sehr schnell ziemlich gross.

Wolfgang Voigt: Genau. Mein Kommentar ist abseits der gedruckten Sprache ständig da, ich veröffentliche sehr viel aufgrund eher zuvieler als zuweniger Ideen in einem beschleunigten Produktionsprozess. Ich bin also eigentlich jemand, der sich permanent äussert. Mehr, als dem einen oder anderen vielleicht zumutbar ist. Wenn ich jetzt auch noch ständig Interviews geben würde, dann würde es wirklich zu einer Überpräsenz kommen. Es gab nach dem Theater von 1996, auch wegen der Missverständnisse, die damit einhergingen, allen Grund, mal für zwei Jahre die Klappe zu halten. Definitiv. Aber ich bin keineswegs jemand, der auf den Mund gefallen ist, das ist nicht der Punkt.

Hast Du Mike Ink eigentlich abgeschafft, wurde der Dir zu bekannt?

Wolfgang Voigt: Also Mike Ink habe ich ja ganz gern. Das ist ja ein netter Typ, der hat auch prima Platten gemacht. Ich habe den mal so ein bisschen auf Eis gelegt. Was die Leute nicht begriffen haben, war: es gibt einen Künstler, und der heißt Wolfgang Voigt . Er arbeitet unter sehr vielen Pseudonymen, unter anderem Mike Ink. Aber Mike Ink ist nicht sein richtiger Name, sondern ein Projekt. Wenn ich das Projekt Abba genannt hätte, hätten die Leute mich zumindest nicht Abba gerufen. Vielleicht wäre das die bessere Lösung gewesen. Mike Ink war einfach nur jemand, der Anfang der Neunziger von der Welle einer neuen, wilden Musik mitgerissen wurde, die es zum ersten Mal möglich machte, sich weltweit über eine rein instrumentale Sprache zu artikulieren. Interviews waren in diesem Konzept nicht vorgesehen, sprechen müssen Sie schon mit Wolfgang Voigt.

Irgendwann löste sich die Deutschlanddiskussion in dem Umstand auf, dass Köln als Musikstadt sehr stark ins Spiel kam.

Wolfgang Voigt: In den vergangenen Jahren hat es sehr viel mehr oder weniger berechtigten Hype um Köln gegeben. Das nervt besonders die, die es betrifft, und es steht nicht auf sehr realistischem Fundament im Vergleich zu anderen Städten. In der Tat ist es so, dass sich in Köln auf sehr engem Raum eine grosse Dichte an Produzenten, Lables, Läden etc. findet, und das alles auf der Fläche von der Grösse eines Fussballplatzes. Das ist eben anders als in Berlin oder in München. Man sagt auch, Köln ist eine einzige lange Theke, genau deswegen kommen eigentlich auch alle ganz gut miteinander aus. Keineswegs ist es aber so, dass ich Köln als schönste Stadt der Welt bezeichnen würde. Der Verlust von historischer Bausubstanz und die teilweise erschreckend hässliche Nachkriegsarchitektur schmerzen sehr. Mit dem rheinländischen Frohsinn kann ich mich allerdings ganz gut identifizieren, obwohl ich der Mundart nicht viel abgewinnen kann. Trotzdem würde ich nicht hier weggehen, denn der Spirit stimmt. Andy Warhol hat auf die Frage "Was ist stillos?" gesagt: "Stillos ist, aus New York wegzugehen." Etwas ähnliches würde ich für Köln sagen.

Das Stichwort war immer: Sound of Cologne.

Wolfgang Voigt: Irgendwann hat die Berichterstattung darüber so eine Eigendynamik entwickelt, und man hätte unmöglich, selbst, wenn man sich noch so bemüht hätte, den ganzen Tag mit Dementis zubringen können. Also versucht man das Beste daraus zu machen, wenn ein bestimmter Hype einen unbedingt zu Tode lieb haben will. Ihr würdet uns das Gegenteil sowieso nicht glauben, also machen wir eine Stärke daraus.

Und da ist aus dem Plattenladen ein Vertrieb geworden.

Wolfgang Voigt: Ja. Es gibt so eine bestimmte Spielart minimalistischer Musik, die man zu einem Teil, nicht ganz zu unrecht, auf Köln zurückführt. Und um die besser kommunizieren zu können, haben wir uns irgendwann entschlossen, das kompakter in einem kleinen Vertrieb zu fassen, auch vor dem Hintergrund eines sich verändernden Marktes. Was aber nicht heisst, dass wir uns im eigenen Vertrieb nur permanent selbst abfeiern, aber natürlich versuchen wir, Kölner Schwerpunkte zu setzen. Ausserdem haben wir jetzt bessere Möglichkeiten für sowas wie Nachwuchsförderung. Mit bisweilen von wem auch immer herbeigeredeter Städte-Konkurrenz zwischen Köln und irgendwelchen anderen Zentren kann ich nichts anfangen, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. An dieser Stelle: definitiv beste Party letztes Jahr: München, Oktoberfest. Da war ich in der ersten Reihe auf dem Tisch und habe mich amüsiert wie schon lange nicht mehr und das schon am späten Nachmittag, vor der ersten Maß. Das war meine Party. Gerade Bassdrum mit Tuba.

Das ist mir auch schon aufgefallen. In der Volksmusik hat Techno über die gerade Bassdrum Einzug gehalten.

Wolfgang Voigt: Das schwingt ja bei meiner Musik immer mit, dafür bin ich immer eingetreten. Man muss das nur mal anders sehen, viele Leute sind da in ihrer Vorstellung einfach zu begrenzt. Hey, schaut her, es rockt vor der eigenen Tür. Es geht immer alles.

Naja, es ist aber auch logisch, dass das erstmal die Musik deiner Eltern ist, und dass man die erst wieder sehen kann, wenn man weit genug weg davon ist. Wie alt bist denn du eigentlich?

Wolfgang Voigt: Alt genug, um nicht zu wissen, was ich tue.

Mercedes Bunz ist Redakteurin von DE:BUG.

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