Die Daten kommen zu ihr
Die Berliner Künstlerin Regina Frank, die bereits Mitte der 90er Jahre mit dem Internet arbeitete, hat einen Oeuvre-Katalog herausgebracht.
Regina Frank ist Netzkünstlerin der ersten Stunde, und beschäftigt sich seit 1994 mit Identitätsfragen an der Schnittstelle von realem und virtuellem Raum. Nun ist ein Katalog mit einer ausführlichen Werkdarstellung anhand von zahlreichen Fotos, Skizzen und Texten erschienen.![]() |
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| Regina Frank, "Hermes Mistress" |
Mit zwei Themenpaaren hat sich die Netzkunst seit ihren Anfängen besonders ausdauernd beschäftigt: mit dem Verhältnis zwischen dem physischen Raum der "wirklichen" Welt und dem virtuellen, nicht-physischen Cyberspace, und mit der Beziehung zwischen dem menschlichen Körper und dem "Databody" des Netznutzers andererseits. Ein Großteil der frühen Netzkunstarbeiten handelt in der ein oder anderen Form von virtuellem und wirklichem Territorium, von dem Körper aus Fleisch und Blut und seinen zeichenhaften Repräsentationen im Internet[1].
In den Arbeiten der Berliner Künstlerin Regina Frank kommen beide Themen zusammen: in ihren Performances und Installationen, die aus diesen Performances entstehen, geht es zum einen um ihren Körper im (Kunst-)Raum (und das ist hier sehr wörtlich zu verstehen, denn Franks Arbeiten bestehen zum großen Teil aus direkter Ostentation ihrer selbst über längere Zeiträume) und der virtuellen Netz-Identität. Zum anderen handeln die meisten ihrer Arbeiten auch von dem Verhältnis zwischen den Reisen im realen Raum (auf denen sich die Künstlerin fast ununterbrochen zu befinden scheint) und den "Geistesreisen" im Internet.
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Während ihrer Performance "Hermes Mistress" von 1994 (gezeigt unter anderem im New Museum in New York, der Berliner Kunsthalle und dem Bonner Frauenmuseum) stickte die Künstlerin tagsüber im Internet gefundene Sätze in ein riesiges rotes Kleid, unter dem sie nachts auch schlief. Während sie bei dieser Performance an einem Ort bleibt und die Daten zu sich kommen läßt, wird sie beim "A-Dress" (1995) von der Empfängerin und Verarbeiterin von Botschaften zur Senderin: unter einem Teepee aus weißem Stoff steht ein Computer (unter anderem in der Winnipeg Art Gallery in Kanada), an den Frank von ihren unausgesetzten Reisen lange, Stream-of-consciousness-artige Briefe schreibt, die ausgedruckt und an dem Zelt ausgehängt werden.
Frank hat sich als eine der ersten, wenn nicht überhaupt als die erste Künstlerin in Deutschland mit dem Internet als Kunstmedium beschäftigt. Obwohl sie als ehemalige Studentin der Berliner Hochschule der Künste Anfang der 90er Jahre an verschiedenen Ausstellungen in Berlin teilnahm (u.a. an "37 Räume"), ist sie in Deutschland bisher weniger bekannt, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass die meisten ihrer Arbeiten in den USA realisiert wurden.
Wegen des ephemeren Charakters ihrer Performance-orientierten Kunst ist Dokumentation für eine Künstlerin wie Frank besonders wichtig. Bisher gab es dafür eine eigene Website. Der aufwendig gestaltete Katalog, der mit den Arbeiten Franks auch eine stark dekorative Komponente gemein hat, liefert jetzt eine ausführliche Werkdarstellung mit zahlreichen Fotos, Skizzen und Texten. Außerdem enthält er kuratorische Essays, die allerdings stark im Deskriptiven verbleiben und sich kaum auf eine kunsthistorische Perspektive einlassen. Die vielfältigen, naheliegenden Bezüge zwischen den Arbeiten von Frank und der Body Art, der feministischen Kunst der 70er und 80er Jahre und der Endurance Performance der selben Zeit bleiben in den Aufsätzen von Richard Vine, Cathy Byrd und Ute Ritschel unbeachtet. Irritierende ist auch, dass bei den Texten, die durchgehend zweisprachig vorliegen, sich die deutschen von den englischen Versionen zum Teil erheblich unterscheiden.
Regina Frank: The artist is present - Performances 1992 - 1999, ISBN 3-00-004290-3
http://www.heise.de/tp/artikel/3/3451/1.htmlDarstellungsbreite ändern
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