Sleepy Hollow - Köpfe werden rollen

Nicola Knoch 23.02.2000

Tim Burton meldet sich zurück: Mit Starbesetzung und Augenzwinkern bringt er Washington Irvings Gruselklassiker auf die Leinwand.

Ein Horrormärchen das Burtons Vorliebe für oppulente Bildgestaltung wiederspiegelt.

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Wer reitet da so einsam durch die Nacht - es ist Martin Van Garrett (Martin Landau), der in seiner Kutsche über die Maisfelder vor einer dunklen Bedrohung flüchtet. Er ist der reichste Bürger von Sleepy Hollow und das Grauen steht ihm ins Gesicht geschreiben. Doch er kann seinem Schicksal nicht entgehen und so rollt sein Kopf alsbald durchs Bild ....

Im Jahre 1799 hält die Angst das Städtchen Sleepy Hollow in seinem Bann. Schon mehrere Bürger der Stadt haben ihren Kopf verloren. Der junge Polizist Ichabod Crane (Johnny Depp) wird aus New York in das düstere Kaff geschickt um mit seinen neuzeitlichen Methoden dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Dort angekommen muss er gar Gruseliges hören. Ein kopfloser Reiter (Christopher Walken) soll die Bewohner des Dorfes ihres Hauptes entledigt haben, eine Geschichte, die der fortschrittliche Großstädter Crane als Aberglaube bezeichnet - bis er selbst dem unheimlichen Wesen gegenüber steht. In den Wäldern um Sleepy Hollow macht sich Crane auf die Suche nach des Rätsels Lösung und kommt der Legende auf die Spur. Aus dem Grab des Reiters, eines deutschen Söldners, ist der Kopf entwendet worden. Mit Hilfe der elfenhaften Christina Ricci (Katrina Van Tassel) will der junge Polizist den Kopf finden, um den rastlosen Geist zur Ruhe zu bringen. Doch der Weg ist weit und bis zu dessen Ende wird noch so mancher Rumpf sein Haupt verloren haben.

Der Film ist eine Hommage an die schaurig-schönen Trash-Horrorfilme der 50er und 60er Jahre. Mit fahlem Licht schafft Kameramann Emmanuel Lubezki eine fast monochrome, gespenstische Umgebung, die an Unwirtlichkeit kaum zu übertreffen ist. Von diesem blassen Hintergrund hebt sich das Tiefrot des literweise verspritzten Blutes hervorragend ab. Tim Burton kann seinem Enthusiasmus des Märchenerzählers vollen Lauf lassen. Der Film bewegt sich durch düstere Märchenwälder, zu krächzenden Hexen und einem knorrigen Totenbaum. Burton scheint seine Erinnerungen an die Schreckensgeschichten aus frühester Kindheit gebündelt und in einer wahren Bilderschlacht zusammengefasst zu haben. Er zitiert aus dem Horrorgenre im Allgemeinen und aus seinen Filmen im Speziellen. So ist Dracula - Christopher Lee in einer Nebenrolle zu sehen, und auch der Halloween-Kürbiskopf aus "Nightmare before Christmas" kommt wiederholt zum Einsatz. Der Spaß an der Bildinszenierung eines "echten" Gruselklassikers ist dem Film in jeder Minute anzusehen. Diese "liebevolle" Detailarbeit wurde in der letzten Woche mit drei Oscarnominierungen (Kamera, Produktionsdesign, Kostüm) bedacht.

Wer also Splatter-Horror mit einem leisen Augenzwinkern und die B-Movie Affinität von Tim Burton liebt, den erwartet mit Sleepy Hollow ein vergnüglicher Kinoabend.

Sleepy Hollow
Regie: Tim Burton
Länge: 105 min.
Kinostart: 24.02.2000

http://www.heise.de/tp/artikel/3/3492/1.html
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