Ground Zero: Ende für den Freedom Tower

28.03.2009

Mit dem Vertrag mit einer chinesischen Firma wurde der Freedom Tower schnell in 1 World Trade Center umgetauft

Die Zeiten ändern sich. Gerade eben wurde bekannt, dass sich die neue US-Regierung zwar nicht vom Kampf gegen den Terrorismus, wohl aber von der unter Bush beliebten Formulierung "Globaler Krieg gegen den Terror" verabschiedet hat. Obgleich Bush-Freund Berlusconi noch seine neue Partei, unter Einschluss der rechtsextremen Alleanza Nationale, zu "Popolo della Libertà", der Partei des "Volks der Freiheit", umtaufte, vollzieht sich in den USA eine weitere symbolische Veränderung.

Nach der Zerstörung der Twin Towers in New York durch die Terroranschläge vom 11.9.2001 wurde beschlossen, trotzig einen noch höheren Turm zu bauen und den Freedom Tower zu nennen. Majestätische, der Supermacht unter Bush entsprechende Größe war gefragt (Die Angst vor dem Hochhaus). Der Entwurf des Architekten Daniel Libeskind für ein genau 1776 Fuß (541,32 Meter) hohes Gebäude wurde im Februar 2003 erkoren. Die Höhe soll an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erinnern. Der Turm wies eine waghalsige symmetrische Spiralform auf, am Boden war er wie ein Parallelogramm gestaltet. Ganz oben sollte ein schlanker Arm die Geste der Freiheitsstatue wiederholen und beantworten.

Der usprünglich von Daniel Libeskind entworfene Freedom Tower. Bild: Daniel Libeskind

Ein Jahr nach der Grundsteinlegung wurden Sicherheitsbedenken gegen den trotz Größe fragilen Turm von Libeskind laut. Die Sicherheitsbehörden hatten 2005 Beschwerde eingelegt. Der Turm musste weiter weg von der Straße, sein Fundament und die Glasfronten im unteren Bereich verstärkt werden. Der Freedom Tower auf Ground Zero trotzte nicht mehr, er wurde zur Festung, verinnerte die Angst und Verletzlichkeit (Der "Freedom Tower" knickt ein). Libeskind blieb nicht viel anderes übrig, als den Sicherheistvorgaben zuzustimmen, um seinen Freedom Tower zu erhalten. Bald darauf wurde ein neuer Entwurf vorgelegt, von Libeskinds Turm blieb im Wesentlichen noch die symbolische Höhe. Am Fundament wurden bis in 10 Meter Höhe die Fenster gestrichen. Auf dem 60m hohen, gegen Bomben gesicherten Fundament ragt dann der Turm auf, der seine Höhe nur noch mit einer Antenne erreicht, gleichwohl soll er noch an die Fackel der Freiheitsstatue erinnern.

Der Entwurf für den Freedom Tower, 2006. Bild: SPI und SOM

Gouverneur Pataki sagte damals zum neuen Entwurf:

Today we see the result is a better, safer, and prouder symbol of freedom for our skyline. This new design reflects a soaring tribute to freedom and a bedrock commitment to safety and security.

Statt einem Symbol der Freiheit war nun Sicherheit gefragt (Hochsicherheitsklotz statt Freiheitsturm). Nun aber will man von dem Freiheitssymbol oder –phallus auch nichts mehr wissen. Die zuständige Port Authority gab am Donnerstag bekannt, dass es mit dem Freedom Tower nichts mehr ist. Der Turm, der 2013 fertig gestellt sein soll, heißt nun schlicht: One World Trade Center.

Symbolisch ist denn auch, dass ausgerechnet der erste Pächter ein chinesischer Konzern ist – und für den man wohl auch gleich den Namen geändert hat. Offenbar fühlte sich Vantone Industrial im Freedom Tower unwohl. Anthony Coscia, der Vorsitzende der Port Authority, meinte lapidar zur Namensänderung, dass man bei der Vermarktung das Gebäude auf die bestmögliche Weise präsentieren wolle: "One World Trade Center ist seine Adresse. Das ist die Adresse, die wir verwenden. Das ist die Adresse, mit der sich die Menschen am leichtesten identifizieren können. Und wir haben dafür, ehrlich gesagt, eine sehr interessierte und gute Rezeption gefunden."

Zwischen dem 64. und 69. Stock wird also im ehemaligen Freedom Tower von Vantone Industrial ein "China Center" eingerichtet, um dort chinesische Firmen anzusiedeln. Verhandlungen werden gerade mit den Behörden U.S. General Services Administration und dem New York State Office of General Services geführt, die fast die Hälfte des Turms belegen werden. Allerdings könnte es in der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer werden, schnell weitere Interessenten aus der Privatwirtschaft zu finden.

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