Abu Ghraib: Bilder von Vergewaltigungen von Frauen und Kindern

28.05.2009

Erneut wird behauptet, dass unter den Bildern, die auch Obama nicht veröffentlichen will, sexueller Missbrauch zu sehen ist

Ein Grund, warum US-Präsident Obama nun doch eine Veröffentlichung von weiteren Bildern aus Abu Ghraib unterbinden will, könnte darin liegen, dass auf Fotos und Videos Vergewaltigungen von Frauen und Kindern zu sehen ist. Obama hatte geltend gemacht, dass mit einer Veröffentlichung der Anti-Amerikanismus gestärkt und US-Soldaten in Afghanistan gefährdet würden. Das könnte in der Tat so sein, wenn die jetzt erneut bekannt gewordenen Details wirklich zutreffen.

Schon kurz nach dem Bekanntwerden der Misshandlungen von irakischen Gefangenen in Abu Ghraib tauchten Mutmaßungen auf, dass US-Soldaten auch Frauen und Kinder sexuell misshandelt hätten. Im Juli 2004 hatte der bekannte Journalist Seymour Hersh darauf [http://www.salon.com/politics/war_room/2004/07/15/hersh/index.html hingewiesen], dass angeblich Frauen vergewaltigt worden seien und es Filme gebe, auf denen zu sehen ist, wie die mit ihnen festgenommenen Söhne vergewaltigt worden seien. Das Schlimmste habe man, so Hersh damals, noch gar nicht gesehen, was der damalige Verteidigungsminister Rumsfeld natürlich weit von sich wies (Schlimmeres kommt noch).

In aller Regel wurde angenommen, dass die Gerüchte von vergewaltigten Frauen und Kindern Horrorgeschichten seien, die von Aufständischen erfunden worden waren. Allerdings wurden die meisten Fotos und Filme – die Rede war von mehreren tausend Fotos - geheim gehalten und angeblich einigen Kongressabgeordneten vorgelegt, die aber auch nicht auf die Veröffentlichung drängten. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU hat seitdem vergeblich versucht, eine Freigabe über das Informationsfreiheitsgesetz zu erreichen.

Auch in dem Pentagon-Bericht von General Antonio Taguba über die Vorgänge in Abu Ghraib war die Aussage eines Gefangenen enthalten, der die Vergewaltigung eines Jungen durch einen Uniformierten beobachtet haben will (Brisante Dokumente aus dem Tauschbörsennetz).

Der britische Telegraph berichtet, dass zumindest eines der Fotos zeige, wie eine irakische Frau von einem US-Soldaten vergewaltigt wird, während ein anderes zeige, wie ein Übersetzer einen irakischen Jungen sexuell missbraucht. Andere Fotos würden zeigen, wie Gefangene mit Knüppeln, Draht oder Schläuchen sexuell misshandelt wurden. Obama sagte zur Begründung, warum er die Veröffentlichung weiterer Bilder ablehnt, dass sie nicht im Vergleich zu den schon bekannten nicht besonders sensationell seien.

Vergewaltigungen und direkte sexuelle Misshandlungen von Frauen und Kindern würden aber vor allem in der islamischen Welt antiamerikanische Einstellungen schüren, zumal die Obama-Regierung bereits beschlossen hat, gegen die für die Folter und Misshandlungen Verantwortlichen nicht vorzugehen und zu behaupten, dass die wenigen Schuldigen auf der untersten Ebene sowieso schon bestraft wurden. Schon die bislang bekannten Bilder legten Zeugnis von der sexuell geprägten Grausamkeit ab, die mit der Freigabe der "harten Verhörmethoden" eintrat (Sadistische KZ-Spiele). Mit weiteren Fotos der sadistischen Exzesse vor den Kameras würden zudem die islamistischen Fundamentalisten in ihrer Kritik am dekadenten Westen gestärkt werden.

Aber deswegen die Bilder nicht zu zeigen und die Aufklärung und Strafverfolgung zu verhindern, ist mehr als kurzsichtig, weil damit letztlich nur mehr Öl ins Feuer gegossen wird. Zwar ließe sich argumentieren, dass bislang Schlimmeres verhindert wurde, weil man der Öffentlichkeit die Bilder vorenthielt, die viel mehr Wirkung entfalten, als das Hörensagen von möglichen sexuellen Ausschweifungen, aber Verdrängen und Lügen sind langfristig auch für God's own Country immer schlechte Strategien, zumal für einen Präsidenten, der mit dem Versprechen gewählt wurde, grundlegende Veränderungen zu bewirken. Nämliches gilt natürlich für die Regierungen der Länder, die sich – wie die deutsche - gerne dezent mit Kritik an den von den USA begangenen Menschenrechtsverletzungen zurückhielten oder auch heimlich daran mitwirkten.

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