Geoengineering mit riskanten Nebenwirkungen
Versuche, die einfallende Sonnenstrahlung zu reduzieren, könnte zu verheerenden Dürren führen
Geoengineering, also die globale Beinflussung des Klimas durch technische Anwendungen, ist in der letzten Zeit attraktiver geworden. Faszinierend scheint nicht nur zu sein, dass mit technischen Megaprojekten Folgen der von Menschen entwickelten Techniken kompensiert werden sollen, sondern dass man damit gleichzeitig auch den Lebensstil nicht ändern muss und gute Geschäfte machen kann.
Aber wer mit massiven Mitteln versucht, durch Düngen der Meere von riesigen Algenteppichen CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen, mit Schiffsflotten Meerwasser in die Luft zu sprühen, die Erde mit Sonnensegeln oder Spiegeln vom Sonnenlicht abzuschirmen oder gewaltige Mengen von Schwefelpartikeln oder anderen Aerosolen in die Atmosphäre zur vermehrten Wolkenbildung zu pumpen, kann womöglich die Klimaerwärmung bremsen (Von Spiegeln, Wolken und schwarzer Erde). Doch selbst wenn dies über längere Zeit gelingen sollte, ist zu vermuten, dass eine Manipulation auf globaler Ebene wie fast alle anderen Eingriffe auch Nebenwirkungen haben wird.
Gabriele Hegerl vom Grant Institute der University of Edinburgh und Susan Solomon von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) warnen nun einem Artikel, der in ScienceExpress erschienen ist, dass die Reduzierung der Klimaerwärmung durch Geoengineering erhebliche Auswirkungen auf die Niederschläge haben könnte. Sie werfen den Vertretern der technischen Klimamanipulation vor, zu stark auf die positiven Folgen der Abkühlung zu schauen und zu wenig die Risiken zu berücksichtigen. Tatsächlich gewinnt man hier gerne den Eindruck, dass Technokraten das Klimasystem wie eine Maschine betrachten, bei der man nur ein Rädchen drehen muss, um eine Überhitzung zu vermeiden und die Maschine weiter schnurren zu lassen.
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| Der Ausbruch des Vulkans Pinatubo verursachte eine Aerosol-Schicht in der Stratosphäre und kühlte das Klima ab. Bild: Nasa |
Die Wissenschaftlerinnen verweisen auf die Folgen von Vulkanausbrüchen, die ebenfalls eine teils langjährige Abkühlung bewirken können, weil die Asche die Sonneneinwirkung reduziert. Allerdings wird nicht nur die Temperatur gesenkt, sondern die Niederschlagsmengen können wie im Fall des Vulkanausbruchs von Mount Pinatubo 1991 geringer werden. Das habe eine Untersuchung der Vulkanausbrüche im 20. Jahrhundert ergeben. Zunächst erhöhe sich der Niederschlag über dem Land aufgrund der erhöhten Treibhausgase leicht, gehe aber dann erheblich zurück, weil aufgrund weniger kurzwelliger Strahlung und eines kälteren Bodens weniger Energie zur Verdunstung vorhanden sei.
Nicht nur die Geoengineering-Vertreter, sondern auch die meisten Klimamodelle würden die Folgen von Vulkanausbrüchen oder erhöhter Treibhausgas-Emissionen auf den Niederschlag zu wenig berücksichtigen. Daher könne man noch nicht verlässlich sagen, wie sich das Abhalten kurzwelliger Strahlung auf die Niederschlagsmengen auswirkt. Geo-engineering könne daher zu unabsehbaren Risiken von Dürren für bestimmte Regionen führen. Das könne Gewinner und Verlierer schaffen, Kämpfe um das Wasser oder Auswanderungswellen verursachen oder politische Instabilität bewirken.
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Bevor Geoengineering-Projekt umgesetzt werden, müsste eine genaue Risikofolgenabschätzung durchgeführt werden. Der Klimawandel bestehe nicht nur aus Erhöhung der Temperaturen, sondern habe viele Auswirkungen. "Der Optimismus über einen leichten Ausweg durch Geoenginering", schreiben die Autorinnen, "müsste durch eine Untersuchung der gegenwärtig beobachteten Klimaveränderungen gedämpft werden." Risikofolgenabschätzungen freilich werden die Bereitschaft von Investoren, viel Geld in Geoengineering-Projekte zu versenken, ebenfalls dämpfen.
http://www.heise.de/tp/artikel/30/30890/1.html- Re: Artikel (18.8.2009 8:06)
- Re: Noch eine gute Quelle zum Thema (Klimageschichte) (18.8.2009 7:37)
- Re: Was ist daran so falsch? (12.8.2009 13:22)
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