Pentagon nimmt Drogenhändler in die "kill or capture"-Liste auf

Florian Rötzer 11.08.2009

Drogenhändler, die die Taliban finanzieren, können nach der neuen Strategie von US-Soldaten getötet oder gefangen genommen werden

Nach einem Bericht der Geheimdienste CIA und der DIA fließen den Taliban aus dem Drogenhandel jährlich 70 Millionen Dollar zu. Al-Qaida soll davon nicht profitieren, die Organisation um Bin Laden soll hingegen ihre Gelder von reichen Personen und Stiftungen aus den Golfländern erhalten. Afghanistan ist der weltweit führende Heroin-Produzent, der weit mehr als den Bedarf abdeckt, weswegen es in Afghanistan große Lagerbestände gebe.

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Nach Antonio Maria Costa, dem Chef der UN-Drogenbehörde, seien die Taliban sehr viel enger mit dem Drogenhandel verstrickt, als man bislang gedacht habe. Man habe gedacht, die Taliban seien religiös oder politisch motiviert, sie scheinen jedoch nach Costa sehr am Geld interessiert zu sein, auch wenn es aus dem Drogenhandel kommt. Den hatten die Taliban, als sie an der Macht waren, noch versucht einzudämmen. Costa geht davon aus, dass der Drogenhandel in Afghanistan 3 Milliarden Dollar im letzten Jahr umgesetzt habe, beim weltweiten Handel geht es um 52 Milliarden.

Während Costa offenbar davon ausgeht, dass die Taliban direkt in den Opiumanbau und den Drogenhandel verwickelt seien, glaubt man im Pentagon eher, dass es Beziehungen zwischen den Drogenbossen und den Islamisten gibt. Um den Taliban die Finanzierung abzuschneiden, hat das Pentagon nun, wie die New York Times berichtet, an die 50 größere Drogenhändler, die mit den Islamisten in Verbindung stehen sollen, auf eine Liste gesetzt, auf der auch Taliban-Führer aufgeführt sind. Wer auf dieser Liste steht, kann von den US-Soldaten jeder Zeit gefangen genommen oder getötet werden. Letztlich handelt es sich also um eine Lizenz zum Töten von nur Verdächtigen. Ob das auch den Einsatz von bewaffneten Drohnen einschließt, lässt sich dem Bericht nicht entnehmen.

Das gehe aus einem Bericht hervor, den der Auswärtige Ausschuss des Senats demnächst veröffentlichen wird. Im Pentagon ist man der Überzeugung, dass eine solche Liste den Einsatzregeln des US-Militärs und den internationalen Abkommen entspreche. Dem Ausschuss berichteten Generäle, dass nur diejenigen auf die Todesliste kommen würden, wenn die Verbindung zu den Taliban durch zwei glaubwürdige Quellen und weitere Belege belegt würden. Neben den 50 Drogenhändlern sollen sich weitere 317 "kill or capture"-Personen auf der Liste befinden.

Erwartet wird, dass andere Nato-Staaten die Aufnahme von nicht militärischen Zielen ablehnen oder bedenklich finden. Tatsächlich werden damit Verdächtige, die die Taliban finanzieren sollen, zum Abschuss frei gegeben. Die neue Strategie wurde Anfang des Jahres bereits unter der Präsidentschaft von Obama umgesetzt. Es seien bereits einige Drogenhändler getötet oder verhaftet worden. Neben rechtlichen Fragen lässt die Liste mit verdächtigen kriminellen Zivilisten Zweifel entstehen, ob damit wirklich die Verbindung zwischen dem Drogenmarkt und den Taliban aufgesprengt werden kann. Es könnte auch der gegenteilige Effekt eintreten, dass sich Drogenchefs noch stärker als bislang den Taliban zuwenden, um von diesen beschützt zu werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30901/1.html
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