Irak: Organisierte Jagd auf Schwule

Peter Mühlbauer 18.08.2009

Human Rights Watch beklagt mangelnden Schutz durch Behörden

In dem gestern veröffentlichten Bericht They Want Us Exterminated präsentiert Human Rights Watch eine Vielzahl von Aussagen Zeugen und Überlebender zu Entführungs-, Folter-, und Mordfällen an Homosexuellen im Irak.

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Die Gewaltwelle begann Anfang des Jahres im Schiiten-Stadtteil Sadr City, in dem Muqtada as-Sadrs Mahdi-Bewegung eine bedeutende Rolle spielt. Sprecher der Gruppe, deren militante Mitglieder sich schwarz kleiden, sollen dort eine Kampagne gegen das "dritte Geschlecht" ausgerufen haben, die sich bald auf andere Städte ausdehnte.

In Folge der Kampagne entführte Opfer wurden dem Bericht nach häufig gefoltert, damit sie Namen anderer Homosexueller preisgeben. Teilweise versuchte man mit den Folter- und Tötungsmethoden offenbar Zeichen zu setzen: Einigen Männern wurde der Anus zugeklebt, anderen die Genitalien abgeschnitten und ein Stück des Halses herausgerissen.

Von den Verfolgungen betroffen sind dem Bericht nach auch Männer, die als "verweiblicht" gelten. Dafür treffen sie offenbar nicht alle Personen, die homosexuelle Handlungen ausführen. Eine akzeptierte Form scheint vor allem die aktive Vergewaltigung zu sein, wie sie dem Bericht nach von Sicherheitskräften des Innenministeriums praktiziert wird.

Den Human-Rights-Watch-Schätzungen zufolge, die sich unter anderem auf Angaben aus Kranken- und Leichenschauhäusern stützen, liegt die Zahl der Todesopfer der Gewaltakte gegen Homosexuelle mittlerweile im dreistelligen Bereich. Allerdings macht die Tabuisierung abweichender sexueller Orientierungen eine Ermittlung verlässlicher Zahlen schwierig.

Auf dem Papier hat der Irak ein (verglichen mit der Umgegend) relativ liberales Sexualstrafrecht, das sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen nicht unter Strafe stellt. In großen Teilen der Bevölkerung scheint jedoch nicht dieser Kodex als maßgeblich angesehen zu werden, sondern die Scharia, mit der die Gewalttäter ihre Morde begründen. Teilweise wurde Homosexuellen im Irak auch von den eigenen Angehörigen mit Mord gedroht, weil sie durch ihr Verhalten die Ehre der Familie oder des Stammes beschmutzen würden.

Die für den Nahen Osten und Nordafrika zuständige Human-Rights-Watch-Mitarbeiterin Rasha Moumneh bezeichnete die Morde als "Ausdruck für das andauernde und fatale Versagen der irakischen Behörden, Rechtsstaatlichkeit durchzusetzen und die Bevölkerung zu beschützen". Ihr Arbeitgeber fordert die Regierung des Irak in dem Bericht auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die mutmaßlich von Milizen durchgeführten Gewalthandlungen zu verhindern und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30941/1.html
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