Megacities als Motoren des Klimawandels

19.08.2009

Versteht man Städte als Organismen, so könnte man nach einem US-Wissenschaftler ein besseres Verständnis entwickeln, wie sich deren Metabolismus umwelt- und klimaverträglicher gestalten ließe

Schon lange gibt es die Perspektive auf Städte als Organismen, die leben, Energie aufnehmen, verdauen und nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten wachsen. Unter dem Blickwinkel der Umwelt ziehen vor allem die großen Städte, die mit ihren versiegelten Flächen wie Inseln in der Umgebung liegen und ein eigenes, wärmeres Mikroklima entwickeln, große Mengen an Wasser, Lebensmittel und anderen Rohstoffen an und geben auch große Mengen an Abfall oder Abgasen wieder ab, unter denen nicht nur die Bewohner der Städte selbst leiden, sondern auch die nähere Umgebung und die globale Welt betroffen ist.

Zu den Ausscheidungen des "urbanen Metabolismus" tragen die Menschen direkt einiges bei, dazu kommen industrielle Anlagen und die Transportsysteme, Müllhalden und Abwassersysteme, aber auch Haustiere und Mitbewohner wie Ratten. Besonders die Megacities, die neuen Riesenstädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern, belasten die Umwelt, da die Emissionen sich weltweit verteilen.

Nach Charles Kolb vom Center for Atmospheric and Environmental Chemistry und Direktor von Aerodyne Research, der den urbanen Metabolismus der Megacities zu charakterisieren sucht, ist das Verständnis der Städte als Organismen eine Möglichkeit, die Auswirkungen der Luftbelastung auf die Bewohner und die Umgebung sowie die Folgen für die Klimaerwärmung besser begreifen zu können. "Kohlendioxid und andere Schadstoffe in Megacities machen diese zu gewaltigen Antrieben für den Klimawandel", sagte auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society (ACS).

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Heute lebt bereits mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten, und diese wachsen weiterhin schnell. Die Megacities vermehren sich nicht nur schnell, vor allem in der Dritten Welt wachsen sie weiter mit einer ungebrochenen Geschwindigkeit und bedecken große Gebiete. Zwar sind die am stärksten durch Umweltverschmutzung belasteten Megacities wie Dhaka oder Kairo in der Dritten Welt, doch auch die "saubersten" Megacities wie Tokyo, Los Angeles oder New York City haben nach Kolb schwere Probleme. So sorgen in Los Angeles Hitze und Inversionen für Smog, während in Mexico City durch die hohe Lage Smog entsteht und durch die umliegenden Berge die Emissionen tagelang über der Stadt eingefangen bleiben, was massive Gesundheitsprobleme mit sich bringt.

Entscheidend sei, dass vor allem in der Dritten Welt das urbane Wachstum kontrolliert verlaufe, fordert Kolb, um die Luftqualität auf der ganzen Welt zu verbessern. Aber die Megacities in der Dritten Welt wachsen schon seit Jahrzehnten unkontrolliert, benso unkontrolliert ist ihr Metabolismus. Mit dem weiteren Wachstum und der Zunahme des Verkehrs und der Industrie werden die Emissionen eher ansteigen. Ob die Megacities in der Dritten Welt in absehbarer Zeit so reich und so gut verwaltet werden, dass die Emissionen reduziert werden können, ist fraglich, auch wenn Kolb auf Mexico City verweist, wo Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität eingeführt wurden – beispielsweise durch Verlegung von Industrieanlagen in die Außenbereiche, die Einführung von Katalysatoren für neue Autos oder die Reduzierung des Schwefels im Diesel und Benzin.

Das müsste in den Megacities in Afrika und Asien auch schnell geschehen, beispielsweise durch den Ausbau von Massenverkehrsmitteln. Etwas geheimnisvoll bleibt, was das Modell des urbanen Metabolismus, also der Stadt als Organismus, dabei helfen soll, zumal dieses Bild mit sich bringen würde, dass Megacities eigenen Gesetzen gehorchen und damit das Ziel eines kontrollierten Wachstums zur Reduzierung der Umweltbelastung zumindest weitaus komplexer wäre als die Einstellung einer Maschine oder der Einbau von Filtern.

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