Das Kuba-Exil gibt den Ton an

Harald Neuber 25.08.2009

Im September soll in Havanna ein "Friedenskonzert" stattfinden. In Miami laufen antikubanischen Gruppen gegen das Vorhaben Sturm

Nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama in den USA bestand Hoffnung auf eine Verbesserung des historisch belasteten Verhältnisses zum sozialistischen Kuba. In der Tat hat die neue Staatsführung nach Amtsantritt einige der repressiven Maßnahmen der Bush-Regierung aus dem Jahr 2004 zurückgenommen. Exilkubaner können seither wieder einfacher nach Kuba reisen, zudem sind die "Remesas", Geldüberweisungen an Familienangehörige in dem Inselstaat, wieder leichter möglich.

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Dass die Kuba-Politik der USA aber nach wie vor nicht allein vom Weißen Haus, sondern in einem erheblichen Maße von den mächtigen kubanischen Exilorganisationen in Florida bestimmt wird, zeigt sich in diesen Tagen wieder. Das "Exilio" zieht gegen ein geplantes Konzert US-amerikanischer, lateinamerikanischer und kubanischer Künstler in Havanna zu Felde. Einige Musiker haben sich dem Druck schon gebeugt und ihre Teilnahme abgesagt.

Juanes beim Concierto Paz sin Fronteras (Konzert für den Frieden)

Initiiert wurde das "Konzert für den Frieden" von dem kolumbianischen Pop-Sänger Juanes und dem spanischen Liedermacher Miguel Bosé. Die beiden Künstler hatten im vergangenen Jahr die Initiative Paz sin Fronteras gegründet und ein erstes "Friedenskonzert" an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela organisiert. Der Erfolg war enorm: Über 100.000 Menschen kamen zu der Veranstaltung, mit der die Teilnehmer den Spannungen zwischen beiden Nachbarländern entgegenwirken wollten.

Concierto Paz sin Fronteras

Mit der zweiten Veranstaltung in Havanna sollte das Konzept fortgeführt werden. Für den 20. September planten der 37-jährige Juanes und Miguel Bosé ein Konzert auf dem Platz der Revolution im Herzen der kubanischen Hauptstadt. Ziel war es, ein Zeichen für eine Annäherung zwischen den USA und Kuba zu setzen. Dafür sollten Künstler aus beiden Staaten sowie aus Lateinamerika und Europa auftreten.

Drohungen gegen Initiatoren in Miami

Die Organisatoren sicherten sich gut ab. In Washington trafen sie sich mit Außenministerin Hillary Clinton, in Havanna mit Vertretern der kubanischen Regierung. Auf beiden Seiten wurde das Vorhaben unterstützt. Doch dann bekamen die kubanischen Exilorganisationen von dem geplanten Friedenskonzert Wind.

Natürlich habe er vom ersten Moment an mit Problemen gerechnet, sagte Juanes im Interview mit der spanischen Tageszeitung El País. Schließlich lebt der Kolumbianer mit seiner Frau in Miami, der Hochburg des kubanischen Exils. Doch was in den vergangenen Wochen geschah, hätte sich keiner der Beteiligten träumen lassen. Auf offener Straße verbrannten Mitglieder kubanischer Exilorganisationen CDs und Schallplatten des Kolumbianers Juanes. Dabei steht Juanes nicht im Verdacht, Sympathien für die sozialistische Staatsführung in Kuba zu hegen: Mehrfach hat er sich sogar öffentlich für die militärische Innenpolitik des kolumbianischen rechtsgerichteten Präsidenten Alvaro Uribe ausgesprochen. Die antikubanischen Gruppen in Miami hielt das nicht ab, eine aggressive Kampagne gegen den Initiator des "Konzerts für den Frieden" in Havanna zu starten. Andere Künstler, die zunächst ihre Teilnahme an dem geplanten Großevent angekündigt hatten, sagten wieder ab, unter ihnen Enrique Iglesias und Ricky Martin. Beide leben in Miami und haben – ebenso wie der Kolumbianer Juanes – den Druck der Exilkubaner zu spüren bekommen.

In einem Beitrag für El País schildert der spanische Mitinitiator Miguel Bosé die aggressive Ablehnung. Ein 75-jähriger kubanischer Exilant habe auf den Kolumbianer Juanes am Eingang seines Hauses in Miami gewartet, um ihn zu beschimpfen. Erst als ein junger Exilkubaner einschritt und den Angreifer abdrängte, habe sich die Situation entspannt. Der junge Mann habe Juanes daraufhin gebeten, an den Projekt festzuhalten. "Das ist die Spaltung in Miami", schrieb Bové: "Die junge kubanische Generation in Florida kann diese rachsüchtige Haltung nicht mehr ertragen".

Annäherung der USA an Kuba bleibt aus

Der Skandal um das geplante Konzert in Havanna zeigt, wie groß der Einfluss der exilkubanischen Gruppen nach wie vor ist. Auch das mag ein Grund sein, weshalb sich die Obama-Regierung noch nicht auf einen ernsthaften Politikwandel gegenüber Kuba eingelassen hat.

Zwar hat Präsident Obama der kubanischen Führung auf dem Amerika-Gipfel im April einen Neuanfang angeboten (Freundschaftsoffensive in Amerika). Geschehen ist seither aber wenig. Bei einer Rede im kubanischen Parlament erkannte Staats- und Regierungschef Raúl Castro Anfang des Monats zwar an, "dass die Aggressivität und die antikubanische Rhetorik abgenommen hat". Die Blockade gegen den Inselstaat aber bestehe weiterhin, sagte Castro, der den USA erneut einen politischen Dialog anbot: "Ich nutze diese Möglichkeit, um die Bereitschaft Kubas zu erklären, mit den USA einen respektvollen Dialog auf gleicher Augenhöhe zu führen, ohne Nachteile für unsere Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung. Wir sind bereit, über alles zu reden, über Kuba und über die USA, aber wir werden nicht über unser politisches und soziales System verhandeln." Eine Antwort aus Washington blieb aus.

Das "Konzert für den Frieden" soll übrigens trotz des Drucks aus Miami stattfinden. Nach Angaben der Initiatoren haben unter anderem die puertoricanische Sängerin Olga Tañón und die US-lateinamerikanischen Gruppen Calle 13 und Hierbabuena ihr Kommen zugesagt. Aus Kuba werden der Liedermacher Silvio Rodríguez und die Salsa-Band Los Van Van kommen. Was am Ende doch noch beweist: Politisch mag das kubanische Exil in den USA den Ton angeben. In Havanna machen andere die Musik.

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30983/1.html
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