Ausschalten von Erbkrankheiten

Florian Rötzer 27.08.2009

US-Wissenschaftlern ist bei Affen gelungen, mutierte mitochondriale DNA in einer Eizelle durch normale aus einer anderen Eizelle zu ersetzen

Das ist doch mal ein Versprechen. Erbkrankheiten, einschließlich einer erhöhten Risiko für Krankheiten wie Krebs, könnten sich vermeiden lassen. Und das von Geburt an, wenn man nicht mehr auf den Zufall oder das Schicksal der Natur vertraut, sondern auf Gentechnik setzt.

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Gesunder, genbehandelter Affe. Bild: Oregon National Primate Research Center at OHSU

US-Wissenschaftler haben, wie sie in ihrem Artikel in Nature berichten, eine Technik entwickelt, wie sich Gencode zumindest bei nichtmenschlichen Primaten ausschneiden und durch "gesunde" DNA ersetzen lässt. Wissenschaftler des Oregon National Primate Research Center und der Oregon Health & Science University haben bei Affen zeigen können, dass sie Teile des genetischen Codes der Mitochondrien aus einer Eizelle entfernen und durch einen normalen Gencode aus einer anderen Eizelle ersetzen konnten.

Die daraus entstehenden Eizellen konnten befruchtet werden und führten zu gesunden Nachkommen, die nicht in Gefahr standen, die durch das mitochondriale Erbgut von der Mutter weiter gegebenen Krankheiten zu erhalten. Dazu zählen Diabetes, Krebs, Unfruchtbarkeit, Alzheimer, Parkinson oder Huntington. Sie alle könnten zumindest durch mitochondriale DNA mit verursacht sein.

Das Versprechen, zumindest die in den Eizellen und dort in den Mitochondrien schlummernden Erbkrankheiten eliminieren zu können, setzt allerdings die künstliche Befruchtung voraus. Sie erlaubt es auch im Hinblick auf andere Erbkrankheiten, ob Eltern die biologische Lotterie, also das "Schicksal", entscheiden lassen oder genetische Verantwortung für ihre Kinder übernehmen wollen. Kinder mit Erbkrankheiten werden ihren Eltern Glücksspiel auf ihre Kosten vorwerfen können, wenn sie nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, ihnen Leiden zu ersparen.

Bild: Oregon National Primate Research Center at OHSU

Weil alles bei den Makaken ohne Probleme verlief, würden die Wissenschaftler gerne Versuche mit Menschen beginnen, die aber in vielen Ländern illegal wären. Falls die Ausschaltung von Erbkrankheiten über diese Methode tatsächlich komplikationslos bei Menschen möglich wäre – was würde dagegen sprechen? Wäre es ethisch zu rechtfertigen, ein krankes Kind zur Welt zu bringen, wenn die Krankheit vermeidbar wäre? Bei einer von 200 Geburten soll eine Mutation von mitochondrialer DNA geschehen.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31016/1.html
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