Pentagon lässt Journalisten bewerten und beeinflussen

Florian Rötzer 28.08.2009

Auch unter Obama wird versucht, den Einsatz in Afghanistan im positiven Licht erscheinen zu lassen, indem Medienvertreter durchleuchtet und gezielt manipuliert werden

Das Pentagon fährt eine gewissenhafte Kommunikationsstrategie und lässt von der Rendon Group die Berichte von Journalisten, die sich in Afghanistan aufgehalten und von dort berichtet haben, genau beobachten und beurteilen. Der Druck dürfte hoch sein, nachdem US-Präsident Obama sich dafür entschieden hatte, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken, während die Zustimmung der US-Amerikaner zum Afghanistan-Einsatz stetig sinkt.

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Wie die Militärzeitung Stars and Stripes herausgefunden hat, werden die Journalisten von der schon lange umstrittenen privaten Agentur bewertet. Sie arbeitet schon lange im Dienste des Pentagon und sorgt für "strategische Kommunikation", also Manipulation, bezahlt mit Steuergeldern. Sie war u.a. am Aufbau des von Cheney geplanten Office of Strategic Influence (OSI) beteiligt, das die öffentliche Meinung beeinflussen sollte.

Es bleibt aber nicht dabei festzustellen, ob jemand neutral, positiv oder negativ berichtet, sondern aufgrund einer Einschätzung des Journalisten wird auch geraten, mit welchen Informationen man ihn füttern soll, um die Berichterstattung im Sinne des Pentagon zu beeinflussen. So heißt es von einem Journalisten einer großen US-Zeitung, dass seine Berichterstattung über den Einsatz der US-Soldaten weitgehend neutral bis positiv sei, negative Artikel könne man aber "neutralisieren", indem er mit Äußerungen von Militärs versorgt wird.

Bewertung eines Journalisten aus dem Rendon-Bericht, der Stars and Stripes vorliegt

Vom Pentagon wird das "Profiling" von Journalisten ebenso geleugnet wie die Beeinflussung von diesen. Ein Sprecher sagte, eine Beurteilung geschehe einzig im Hinblick auf die Korrektheit eines Artikels. Schlecht sei ein Artikel nur dann, wenn er falsche Informationen enthält. Admiral Greg Smith, Kommunikationsdirektor für ISAF, schrieb in einer Email an Stars and Stripes: "Die Unterstellung, dass die Einbettung von Journalisten nur dazu diene, die positiven Aspekte unserer Mission hervorzuheben, beleidigt die professionellen Journalisten, die regelmäßig mit unseren Truppen eingebettet sind und berichten, was sie erfahren, egal ob das gut oder schlecht ist." Neuerdings heißt es, man werde die Praxis überprüfen, könne aber nichts Falsches darin sehen. Überdies sei das Programm im Juni eingestellt worden. Stars and Stripes zitiert eine Journalistin, die erklärt, dass ihre Berichterstattung zumindest bis Ende Juli verfolgt und bewertet worden sei.

Rendon erklärt, dass der Vertrag aus dem Jahr 2009 stammt, aber man nicht Journalisten bewertet, sondern nur die Berichte im Hinblick auf militärische Ziele "in Echtzeit" ausgewertet und statistisch analysiert. Man gebe auch keine Empfehlungen. Stars and Stripes weist diese Darstellung aufgrund des Rendon-Berichts zurück, der der Zeitung zugespielt worden war. Korrektheit spiele ebenfalls bei den Beurteilungen keine Rolle.

Zudem führt Stars and Stripes aus, dass alle Journalisten, die aus Afghanistan, eingebettet ins US-Militär, berichten wollen, zuvor von Rendon überprüft werden. Das Pentagon bestreitet, dass deswegen einem Journalisten die Genehmigung verweigert worden sei, man wolle lediglich wissen, mit wem man es zu tun habe. Vor zwei Monaten wurde allerdings im Irak ein Stars-and-Stripes-Journalist die Einbettung in eine Einheit

Rendon arbeitet auch schon des längeren daran mit, die Berichterstattung über den afghanischen Präsidenten Karsai zu verbessern. Kaum verschönern lässt sich gegenwärtig, dass die Wahlbeteiligung sehr niedrig war, dass es Manipulationen von vielen Seiten gegeben hat und Karsai nicht unbedingt, wie von vielen vermutet wurde, als Sieger hervorgeht. Von der Wiederherstellung einer Demokratie durch die ISAF-Truppen ist schon länger nicht mehr wirklich die Rede. Nun scheint aber auch schon das Ziel gefährdet zu sein, wenigstens eine stabile, irgendwie durch eine Wahl legitimierte Regierung etablieren zu können (Keine freie Wahlen in Afghanistan).

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31023/1.html
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