Mehr Soldaten für Afghanistan

Thomas Pany 29.08.2009

Nach Angaben der britischen Zeitung Independent will Isaf-Chef McChrystal Nato-Verbündete um weitere Truppenverstärkung bitten. Auch die im Herbst neu gewählte deutsche Regierung darf sich auf neue Anfragen gefasst machen

Der Monat August konfrontiert die amerikanische Militärführung mit der höchsten Zahl an gefallenen Soldaten seit Beginn des militärischen Einsatzes im Herbst 2001. Mit 46 getöteten Soldaten liegt die Statistik, nach Berechnungen des Nachrichtensenders CNN, bereits wenige Tage vor Ende des Monats über dem Rekordwert vom Juli (45).

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Während CNN nur über mögliche Truppenverstärkungen spekuliert, die im angekündigten aktuellen Lagebericht von General Stanley McChrystal - seit Juni 2009 oberster Kommandeur der Nato in Afghanistan - empfohlen werden könnten, will die britische Zeitung Independenterfahren haben, dass der ISAF-Kommandeur weitere 20.000 Soldaten für eine neue Strategie benötigt und fordern wird. Großbritannien hat sich demnach auf neue Truppenanforderungen einzustellen. Sollte der Zeitungsbericht stimmen, dann dürfte sich auch die neu gewählte deutsche Regierung im Herbst auf derartige Anfragen gefasst machen.

Derzeit sind 62.000 US-Soldaten in Afghanistan. Die Nato-Verbündeten stellen insgesamt 35.000. Das Pentagon plant die Verstärkung mit weiteren 6.000 Soldaten bis Ende des Jahres, ein größerer Surge wird erwägt. Nach Angaben von CNN hält sich Verteidigungsminister Gates aber mit diesbezüglichen Entscheidungen noch zurück. Zunächst soll abgewartet werden, welche Wirkung die geplanten Verstärkungen zeigen.

Der Zeitungsbericht legt nahe, dass dem Independent Auszüge aus dem austehenden Lagebericht McChrystals bekannt sind. Möglicherweise sind afghanische Regierungspolitiker die Quelle der Zeitung. In dem Artikel heißt es, dass McChrystal sie in einer Präsentation über Inhalte des Lageberichts unterrichtet habe. Dabei ging es insbesondere über geplante Truppenverstärkungen: die afghanische Armee soll von bislang 88.000 Soldaten auf 250.000 im Jahre 2012 vergrößert werden; die Polizeikräfte von 82.000 auf 160.000 – Ziele, die weitaus höher angelegt sind als bisher, so die Zeitung. Derzufolge will sich McChrystal bald auf eine Europa-Reise begeben, um auf eine Truppenaufstockung der westlichen Verbündeten zu drängen.

In Großbritannien träfe McChrystal trotz bereits angekündigter Verstärkungen - die Rede ist von bis zu 1.500 weiteren Soldaten – auf ein schwieriges Klima. In der vergangenen Woche geriet der Einsatz britischer Soldaten noch einmal neu ins Zentrum hitziger Debatten. Öffentliche Auseinandersetzungen über den Sinn des Afghanistan-Militäreinsatzes war in den Wochen zuvor schon durch höhere Gefallenenzahlen in Gang gekommen ((siehe Briten glauben nicht an einen Sieg gegen die Paschtunen-Krieger und Der teure, nicht zu gewinnende Krieg).

Ein wesentliches Argument der Kritiker, das deprimierende Verhältnis von Einsatz und Erfolgsaussichten, zeigte sich nach der afghanischen Präsidentschaftswahl noch einmal in besonders drastischer Form. Die Überschrift der Londoner Times vom vergangenen Donnerstag brachte dies auf den "Siedepunkt": "Four British soldiers die for sake of 150 votes".

Die geringe Wahlbeteiligung der Afghanen im Süden führte nicht nur der britischen Öffentlichkeit vor Augen, wie wenig die Militäroffensive der westlichen Verbündeten gegen die Dominanz der Taliban ausrichten konnten. In dem Treffen mit den afghanischen Regierungspolitikern soll McChrystal darauf verwiesen haben, dass mehr Truppen nötig seien, um in Krisengebieten eine Präsenz gegen die Taliban behaupten zu können. Ob dies eine mögliche strategische Lösung für Afghanistan ist, wird, wie es aussieht, auch die Bundesregierung im Herbst und Winter dieses Jahres neu bedenken müssen.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31029/1.html
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