ALG II-Bezieher: (nicht) auf den Hund gekommen
Bei Tierfreunden ist die Empörung groß, wenn es um das Urteil zu Ungunsten einer ALG II-Empfängerin geht
Diese hatte bereits 2008 auf Mehrbedarf geklagt. Ihre Begründung: Ihr Haustier sollte in Bezug auf die Sozialleistung wie ein Kind behandelt werden, so dass sich eine Bedarfsgemeinschaft ergebe. Ein typisches Beispiel für die manchmal fast fanatischen Gedankengänge von Tierfreunden.
Tiere sind die besseren Menschen
Eine der typischen Bemerkungen von überzogen denkenden Tierfreunden lautet: Tiere sind die besseren Menschen. In pauschalierender Weise wird den (Haus)tieren jegliche Fähigkeit zur Falschheit, zur Bosheit oder Brutalität abgesprochen, diese wird lediglich auf den Menschen projiziert. So wird oft behauptet, Tiere würden andere nicht, wie der Mensch, zum Vergnügen quälen. Eine Behauptung, die beim Anblick einer Katze, die stundenlang mit einer schwerverletzten Maus spielt, um diese dann liegenzulassen, nicht schlüssig erscheint. Doch bei den Tierschützern, die prinzipiell Tiere vermenschlichen und glorifizieren, finden solche Einwände wenig bis kein Gehör. Für sie sind Menschen ja auch Tiere, was zu dem Schluss führt, dass Tiere genauso wie Menschen behandelt werden sollten - oft wird diese Idee mit dem Ruf nach Tierrechten verbunden.
Diese Tierrechte sollen beispielsweise (je nach Forderndem) gewährleisten, dass Tierversuche jeglicher Art verboten werden, Tierquälerei in jeglicher Form mit Sanktionen belegt werden sollen (von einigen Fanatikern wird dann gleich die Todesstrafe verlangt), ohne dass der Begriff "Quälerei" überhaupt näher definiert wird. Diskussionen darüber, ob es schon eine Tierquälerei sein würde, ein Tier zu kastrieren oder zu sterilisieren (was ja letztendlich nur möglich ist, indem über das Tier fremdentschieden wird), es auf Zwangsdiät zu setzen usw. werden schnell in den Bereich des Trollens verschoben und die Kastration/Sterilisation als wahre Tierliebe angesehen. Die Doppelzüngigkeit der Argumentation, dass hier ein körperlicher Eingriff schlichtweg vom Menschen auferlegt wird, er sich somit ja selbst als höherrangig als das Tier ansieht, ist vielen der Tierfreunden nicht einmal bewusst.
Tiere haben also keine Stimme, und das nicht nur zu bestimmten Zeiten oder unter bestimmten Umständen, sondern grundsätzlich. Und damit sind wir auch schon bei der notwendigen praktischen Konsequenz für politisch agierende Tierrechtler: Weil es für menschliche Anliegen auch prinzipiell menschliche Stimmen gibt, während Tiere immer auf ihre Vertretung durch uns angewiesen sind, müssen wir im Zweifels- oder Konfliktfall unsere Stimme den Tieren geben, das heißt so wählen, dass den Tieren am meisten genützt wird. [...] Aber wer sich wirklich um Menschen kümmert, der kümmert sich um alle Menschen. Und wer sich um alle Menschen kümmert, dem sind auch die Tiere ein Anliegen - so wie jenen, die sich wirklich um Tiere kümmern, auch die Menschen ein Anliegen sind. Ethik ist unteilbar. Menschenrechte und Tierrechte bilden eine untrennbare Einheit.
|
|
Würde man diese Argumentation auch auf Menschen anwenden, so wäre es z.B. möglich, Jugendliche zwangssterilisieren zu lassen, wenn die Eltern der Meinung sind, dass sie zu leichtfertig im Bereich Sexualität aktiv sind, sie die Folgen einer Schwangerschaft/Mutterschaft nicht abschätzen können usw. Dies ist ein Argument, was in der Politik oft genutzt wird: eine Maßnahme ist ja schließlich "diejenige, die am meisten nützt" und dadurch per se schon gerechtfertigt.
Wer nun meint, dass er mit diesem Argument punkten kann, der wird oft auf eine Menschenverachtung stoßen, die ihresgleichen sucht. Egal ob der Tierhalterpass mit wöchentlicher Zwangskontrolle des Hauses, ob Kontodarlegung um die finanzielle Versorgung sicherzustellen, Zwangskastration von Menschen, die offensichtlich mit ihren Kindern nicht zurechtkommen, ob Todesstrafe oder Folter für Tierquäler - manchem Tier"freund" ist nichts, was mit den Menschen zu tun hat, zuviel.
Mehr Tiere, mehr Geld
Unabhängig von der Frage, inwiefern diese fanatische Tierliebe, die oft mit Menschenhass einhergeht, noch nachvollziehbar ist, ist die Argumentation der Dame, die Mehrbedarf bei ALG II anmeldete um ihren Hund verpflegen zu können, auch eine Verkennung der Realitäten.
Würde im konkreten Fall ein Mehrbedarf für einen Hund genehmigt werden, so stellt sich logischerweise die Frage, wo dies enden soll. Manche privaten Tierfreunde haben bis zu 40 Tiere bei sich - egal ob dies nun Katzen, Hunde, Pferde, Esel, Schlangen, Mäuse, Leguane oder was auch immer sind. Sollte nun dem ALG II-Empfänger Mehrbedarf für jedes Tier gestattet werden? Dies wäre nicht zuletzt auch eine Benachteiligung all jener, die keine Tiere bei sich haben. Das Resultat einer solchen Rechtssprechung könnte auch sein, dass sich manche ALG II-Empfänger quasi als Alibi Tiere anschaffen um dafür den Mehrbedarf zu erhalten, ohne dass sie tatsächlich eine Bindung zu dem oder den Tiere(n) entwickeln, womit weder dem Tier noch dem Menschen gedient wäre. Banal ausgedrückt: Wenn es Mehrbedarfleistungen wegen Tierhaltung geben würde, wäre dies auch ein Katalysator für "Animal Hoarding".
Animal Hoarding oder: ohne mich würden sie sterben
Doch der Begriff des "Animal Hoarding" ist ohnehin bei Tierschützern hart umkämpft. Von der Prämisse ausgehend, dass manches Tier ohne die eigene Hilfe sterben würde, sammelt so mancher Tierfreund ein Tier nach dem anderen (ein), ohne sich Gedanken um finanzielle Absicherung, zeitliche und gesundheitliche Grenzen oder dergleichen mehr zu machen. "Hauptsache erst einmal gerettet." lautet die Standarderklärung, die jegliche Bedenken ob der Rahmenbedingungen beiseite wischt. Im Notfall gibt es dann weitere Spenden- und Hilfeaufrufe.
Hiermit möchte ich keineswegs Hilfeaufrufe und privaten Tierschutz verurteilen, doch bei aller Tierliebe ist das Materielle eben ein nicht zu vernachlässigender Faktor des Ganzen. Dieser Faktor aber wird oft ignoriert und das Prinzip Hoffnung herrscht vor - irgendwie wird es schon weitergehen. Sicherlich ist es brutal zu sagen: diese Tiere werden dann eben in Spanien getötet, wir können sie nicht mehr aufnehmen (wobei wir wieder bei der Kastration wären, die etliches Tierleid, gerade auch bei Katzen, verhindern würde). Aber endlos Tiere aufzunehmen, ohne sich Gedanken darum zu machen, wie diese versorgt werden können, ist, gerade dann auch wenn man sich den gesamten logischen Argumenten verschließt, oft schon eine Vorstufe zum Animal Hoarding, wenn nicht bereits Animal Hoarding.
Wendet man die Argumentation, dass Menschen und Tiere gleich zu behandeln sind, konsequent an, so würde jemand, der viele Kinder adoptiert, ohne sich Gedanken um finanzielle, zeitliche et cetera Versorgung zu machen, somit automatisch ein Held, nicht aber ein verantwortungsloser Mensch. Doch die Verantwortung liefe in dem Fall auf ein "Der Staat wird es schon über Kindergeld usw. finanzieren" hinaus - wie auch im Fall des Mehrbedarfs ja der Gedanke "der Staat wird mir schon Geld für das Tier geben" vorherrscht.
Dies ist letzten Endes eine Vollkaskomentalität zur Befriedigung der eigenen Wünsche und Sehnsüchte, denn nicht selten sind Tiere ja auch schlichtweg Menschersatz. Hier stellt sich dann auch die Frage, wie Sodomie/Zoophilie bei einer Gleichbehandlung von Mensch und Tier zu bewerten wäre - denn, auch wenn dies natürlich gerne in den Bereich der Mythen verwiesen wird: die Katze, die an der Brustwarze oder am Penis etc. saugt oder leckt und damit durchaus für Lustgefühle sorgt, ist keineswegs selten (nur ein Beispiel). Dass dieses Thema bei den Tier-/Menschgleichsetzern gerne als "Igitt"-Thema ausgeklammert wird und Zoophilie auf ein "der Mensch benutzt das arme Tier" reduziert wird, ist einleuchtend, wäre es doch zu facettenreich, würde es näher besprochen werden.
Doch was die Fanatiker unter den Tierfreunden mit ihrem "Tiere sind die besseren Menschen" aussagen ist, dass sie eine Besserstellung der Tiere gegenüber dem Menschen in mancherlei Hinsicht wollen, aber auch eine Schlechterstellung - je nach Gusto, ausgehend von dem "was am besten für das Tier ist". Die Definition obliegt natürlich den Tierschützern selbst.
Tiere sind ein Hobby
Tiere, so sie nicht aus bestimmten Gründen (Blindenhund z.B.) vorhanden sein müssen, sind schlichtweg ein Hobby. Egal wie sehr der Tier"halter" auch an seinen Tieren hängt - der Besitz von Tieren jeglicher Art ist genauso zu behandeln wie die Leidenschaft für Bücher, DVDs, CDs oder ähnlichen materiellen Gütern, auch wenn es sich hier um Lebewesen handelt. Alles andere würde die privaten Wünsche eines Menschen nach einem Tier, welches er nicht selbst finanzieren kann, gegenüber einem Wunsch nach etwas Materiellen, was nicht selbst finanziert werden kann, höher bewerten.
Dass Tiere für Menschen viel bedeuten (können), sie deren Leben bereichern, ist zweifellos wahr. Doch sie deshalb vor dem Gesetz wie Kinder behandelt zu wissen, ist nicht nur kurzsichtig, es offenbart auch, wie die Denkweise mancher Tierfreunde ist. Hier wird einfach alles zusammengepuzzlet, wie es gerade passt - notfalls mit dem Hammer. Die Konsequenzen der Tierrechte und der Anmaßung, als Mensch zu wissen, was das Beste für Tiere ist, verbunden mit der Gleichstellung von Mensch und Tier, sind den meisten nicht bewusst und wollen auch gar nicht verstanden werden. Maulkorb- und Leinenzwang, Kampfhundeverbot, Zoophilie, Zwangskastration, Euthanasie - das sind nur einige der Themen, die automatisch mitbehandelt werden müssten. Doch diese Diskussionen werden weiterhin vernachlässigt.
Zu wenig Geld für das Tier
Dass oft zu wenig Geld für die Tierhaltung vorhanden ist, sollte kein Grund dafür sein, dieses Geld beim Staat einzufordern. Vielmehr wäre es sinnvoll zu überlegen, ob die eigene Tierhaltung noch in einigermaßen vernünftigen Bahnen verläuft, inwiefern eine Eigenfinanzierung möglich ist bzw. ob eine Verringerung des Tierbestandes, egal wie stark die Bande sind, nicht angebracht wäre. So es sich um wenige Tiere handelt, bleibt letzten Endes nur das, was auch bei anderen Hobbies bleibt: das Geld so verteilen, dass für das Tier mehr bleibt und an anderen "Enden" weniger.
Wer aber die Urteile zum Thema ALG II und Tierhaltung bzw. Mehrbedarf beklagt, der muss letzten Endes die Höhe einer "Mindestsicherung" beklagen. Dies würde gerade auch Tierschützer mit anderen ALG II-Kritikern verbinden. Doch bisher beschränkt sich die Kritik an ALG II auf einzelne Punkte, eher selten an dem Konzept des ALG II an sich, was weiterhin auf Lohnarbeit als Voraussetzung für staatliche Mindestleistungen setzt.
Anmerkung:
Die Autorin lebt mit mehreren Katzen zusammen, hat auch schon mal für sie gebettelt und weiß, wie schwer es ist, nicht noch mehr Tiere aufzunehmen bzw. die Tiere durchzufüttern. Aber das ist eben schlichtweg mein Problem.
- Re: "Haustiere" Teil 1 (24.9.2009 11:20)
- Re: "Haustiere" Teil 1 (23.9.2009 17:25)
- Re: "Haustiere" Teil 1 (23.9.2009 14:38)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem
SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2
