Reduzieren Aquakulturen die Überfischung?
Die Hälfte der von Menschen verzehrten Fische kommt bereits aus Aquakulturen, das Futter wird aber noch immer großenteils aus Fischmehl und -öl hergestellt
2006 wurden 51,7 Millionen Tonnen Fisch aus Aquakulturen hergestellt, 20 Millionen Tonnen Wildfische wurden im selben Jahr zu Fischmehl verarbeitet. Die Hälfte der Fische und Shrimps, die von Menschen verzehrt werden, kommt in diesem Jahr bereits aus Aquakulturen oder Fischfarmen. Wenn der Trend so weiter geht, wird der Anteil der wilden Fische, die aus den Meeren, Seen und Flüssen gefischt werden, immer weiter zurückgehen. Andererseits steigt die Nachfrage nach Fisch, da die Menschen "gesünder" essen wollen und derzeit besonders Fische mit einem großen Anteil an Omega-3-Fettsäuren oder Produkte von diesen begehrt sind, weil die Fettsäuren das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen senken sollen.
Schon lange streitet man darüber, ob Aquakulturen die Überfischung der Meere beenden und das drohende Aussterben von vielen Fischarten verhindern können. Das scheint auf den ersten Blick zumindest eine Möglichkeit zu sein, in Wirklichkeit aber verstärken die Fischfarmen zumindest noch die Überfischung. Ein Team aus australischen, kanadischen, norwegischen und US-Wissenschaftlern hat die Verwendung von Fischöl und -mehl aus gefangenen Fischen für industriell hergestelltes Futter näher untersucht, das in Fischfarmen zum Einsatz kommt. Deren Verbrauch hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, wie sie in ihrem Artikel schreiben, der in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist. 68 Prozent des Fischmehls und 88 Prozent des Fischöls gehen in die Aufzucht von Fischen. Asien und hier an der Spitze China - ist der Hauptkonsument von Fischmehl, Europa der von Fischöl, das vor allem als Nahrung für Lachs verwendet wird.
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Zwar ist seit 1995 der Input von wilden Fischen auf den Output von Zuchtfischen das Verhältnis "fish-in to fish-out"(FiFo) - um ein Drittel von 1,04 auf 0,63 gefallen, werden zunehmend in das Futter Produkte aus Pflanzen und Tieren eingearbeitet und sinkt der Anteil der Raubfische in den Aquakulturen, aber die Zunahme der Fischfarmen hat dies wieder ausgeglichen. Bislang wurden relativ konstant 5-7 Millionen Tonnen Fischmehl und 0,8-1,5 Millionen Fischöl hergestellt. Die Veränderung des Futters für Lachse in Aquakulturen hat immerhin zu einem geringeren Verbrauch an Wildfisch pro gezüchtetem Lachs geführt Hauptgrund waren die gestiegenen Preise, die von 2005 bis 2008 um 50 Prozent für Fischmehl und 130 Prozent für Fischöl anstiegen.
Wurden in Europa früher für ein Kilo gezüchteten Lachs 5,4 kg wild gefangener Fisch verfüttert, so sind es jetzt "nur" noch 3,8 kg. Dabei geht es vor allem um das Verfüttern von Fischöl. Schon vier Prozent weniger Fischöl lässt die FiFo-Rate von 5,0 auf 3,8 sinken, bei Fischmehl hingegen nur auf 4,8. Aber da der Wunsch der Konsumenten nach Omega-3-Säuren beispielsweise die Nachfrage nach Lachs in die Höhe treibt, verbrauchen die Aquakulturen insgesamt mehr Wildfisch, auch wenn das FiFo-Verhältnis besser wird. Der Umstieg auf pflanzenfressende Fische wie Karpfen und ein Verzicht auf Raubfische ist kaum zu erwarten. Pflanzen fressende Fische bräuchten kein Fischmehl, schon gar kein Fischöl, und könnten mit Futter aus landwirtschaftlich angebauten Pflanzen versorgt werden (auch das hat Folgen, da diese dann für die menschlichen Nahrungsmittel verloren gehen und die Nachfrage nach Bio-Sprit ebenfalls weiter steigen wird). Steigen die Preise weiter für Fischmehl- und l, so könnte vielleicht eine gewisse Hoffnung bestehen, dass deren Anteil am Fischfutter weiter sinkt und damit das FiFo-Verhältnis verbessert wird. Ob das die Überfischung verhindern wird, ist aber eine andere Frage.
Möglicherweise könnte hier die Gentechnik eine gewisse Rolle spielen. So ließe sich denken, dass man Raubfische wie Lachs erzeugen könnte, die einen höheren Anteil an pflanzlicher Nahrung aufnehmen können. Das Futter ließe sich auch durch künstliche Enzyme oder Aminosäuren anreichern. Bakterien, die im Darm leben, könnten angepasst werden, damit die Fische andere Nahrung aufnehmen oder größer wachsen können. Ein großer Teil des Fischöls könnte auch ganz einfach durch Pflanzenöl ersetzt werden.
Auch Pflanzen produzieren Omega-3-Fettsäuren, weswegen die Wissenschaftler auch hier eine Möglichkeit für Gentechnik sehen. Innerhalb von 10 Jahren würden genveränderte Pflanzen, deren Bestandteile an Fische verfüttert werden können, eine ausreichende Konzentration an Omega-3-Fettsäuren produzieren können, allerdings müssten die Menschen dann bereit sein, Fisch, der mit Bestandteilen von genveränderten Pflanzen gezüchtet wird, auch zu konsumieren. Eine ergänzende Möglichkeit wäre die Verwendung des Öls von Mikroorganismen wie Algen. Die Wissenschaftler fordern, dass die Politik auf jeden Fall den Fang und die Verwertung von Wildfisch regulieren müsse, da die Nachfrage nach Fisch gerade in den boomenden Ländern wie China weiter ansteigt.
http://www.heise.de/tp/artikel/31/31098/1.html- Re: Solange, die Fische aus der Aquakulturen... (15.10.2009 19:37)
- Re: FLEISCH, WIR BRAUCHEN FLEISCH *hechel* (11.10.2009 5:15)
- über kannibalen regt man sich auf, (6.10.2009 20:59)
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