Vergeblicher Muskelaufbau in Afghanistan
Die afghanische Geisterarmee
Mehr Truppen – und eine andere Strategie, fordert der amerikanische Nato-Kommandeur in Afghanistan, McChrystal, ansonsten sei das Scheitern der internationalen Mission unabwendbar. Der Lagebericht des Generals, dessen Fazit hier auf eine einfache Formel heruntergebrochen wird, ist heute, zwar nicht wortgetreu aber in der Wiedergabe wesentlicher Inhalte in der Washington Post auf mehreren Seiten nachzulesen. Der Autor ist kein Geringerer als die Journalisten-Legende Bob Woodward (""Watergate") - ein Grund mehr, weshalb der Bericht größere Aufmerksamkeit und genauere Lektüre verdienen könnte. Sehr wahrscheinlich, dass interessierte Leser in dem vier Online-Seiten Bericht mehr an aufschlussreichen Hinweisen auf die Lage am Hindukusch finden als in den unzähligen Zusammenfassungen des McChrystal-Geheimberichts, der heute überall im weltweiten Netz unter den Top-Nachrichten zu finden ist. Ein blinder Fleck bleibt dennoch.
Und damit ist nicht die politische Unterstützung für McChrystals Forderungen in den USA oder im Westen gemeint. Garantiert ist sie weder im Weißen Haus, wo das Thema Truppenverstärkung derzeit auf keine eindeutige Zustimmung trifft. Auch nicht bei westlichen Verbündeten, schon gar nicht in Italien. Auch die loyale deutsche Kanzlerin, die Glück hat, dass das Thema Afghanistan im Wahlkampf auf kleinster Flamme köchelt, wird sich schwertun mit neuen Truppenforderungen, die an ihre Adresse gestellt werden.
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Nein, es geht um die Unterstützung aus Afghanistan. Zentraler Baustein der westlichen Strategie – wie immer die auch aussieht, ob Ausstieg oder Ausharren – ist in jedem Fall die Unterstützung durch die afghanischen Sicherheitskräfte, Armee und Polizei. Geht es nach der amerikanischen Journalistin Ann Jones, die sich über längere Zeit in Afghanistan aufgehalten und dort umgesehen hat, unterliegt die Strategie des Westens einer großen Illusion, die kaum an die Öffentlichkeit dringt. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind nach ihren Recherchen eine weitgehend potemkinsche Größe. Die Zahlen, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind ihren Beobachtungen zufolge so verläßlich wie Angaben von Banken zu faulen Papieren.
Im Umlauf befindliche anvisierte Größenordnungen, die bis zu 400.000 afghanische Streitkräfte (240.000 Soldaten und 140.000 Polizisten) veranschlagen, die künftig gegen die Taliban stehen sollen, sind mit der afghanischen Realität nicht in Übereinstimmung zu bringen, so Jones, die ihre Informationen mit plausiblen Beobachtungen stützt. Zum Beispiel, wenn sie schildert, wie mangelernährte, schmächtige Afghanen bei der Ausbildung neben den größeren, fitten Bodys der amerikanischen Ausbilder stehen und von diesen zu Liegestützen mit Gepäck angehalten werden, um das "Defizit der Stärke im Oberkörper" wettzumachen. Demgegenüber sei aber offensichtlich, dass afghanische Soldaten sich sehr leichtfüßig im Gelände bewegen könnten, wie dies im übrigen die Taliban beweisen würden. Wie denn zu erklären sei, dass die afghanischen Widerständler immer zu den besten Soldaten der Welt gezählt würden, aber nicht, sobald sie als Unterstützer der US-Armee auftreten?
Zwar würden Taliban, die sich immer wieder für die afghanische Armee rekrutieren lassen und an Ausbildungen teilnehmen, davon profitieren – und so ihre Angriffe mit der Zeit in den Augen der Amerikaner raffinierter gestalten - die US-Armee dagegen nicht. Das sei offensichtlich geworden, als nur ein paar Hundert afghanische Soldaten die amerikanische Offensive im Vorfeld der Wahlen unterstützen wollten. Für Jones ein untrügliches Zeichen dafür, dass die afghanische Armee sehr viel kleiner ist als die Öffentlichkeit annimmt. Amerikanische Quellen sprechen von 90.000 Soldaten, aber in Wirklichkeit schreiben sich viele Afghanen mehrmals als Rekruten ein und verlassen den Posten immer wieder. Die afghanische Armee sei zum großen Teil eine Geisterarmee von anderweitig Arbeitslosen, die nach ihrem Brot gehen, und sie werde dies wahrscheinlich bleiben:
They're never going to fight with the energy of the Taliban for a national government that we installed against Afghan wishes, then more recently set up to steal another election, and now seem about to ratify in office, despite incontrovertible evidence of flagrant fraud. Why should they? Even if the U.S. could win their minds, their hearts are not in it.
- Re: "die Afghanen im Allgemeinen" (24.9.2009 9:50)
- Hier wird geholfen: (23.9.2009 11:04)
- Ja, das ist wirklich so (23.9.2009 10:52)
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