Warum Schwangere nicht umkippen

Matthias Gräbner 03.10.2009

Kann man sich mit leeren oder mit vollen Bierflaschen besser den Schädel einschlagen? Solche und ähnliche Probleme haben die Gewinner der diesjährigen igNobel-Preise gelöst

Die erste Oktoberwoche ist traditionell die Zeit, in der die Gewinner der diesjährigen Nobelpreise verkündet werden. Der Reigen beginnt montags mit dem Nobelpreis für Medizin, es folgen Physik und Chemie, bevor dann die Träger der Friedens-, Literatur- und Wirtschaftsnobelpreise (wobei letzterer eigentlich gar keiner ist) bekannt gegeben werden. Mit der Verleihung müssen sich die Geehrten allerdings noch bis in den Dezember gedulden.

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Da haben es die Träger der igNobel-Preise doch weitaus besser. Die Verleihung dieser mittlerweile auch schon traditionellen Ehrung fand, nun zum 19. Mal, schon am Abend des 1. Oktober statt. Mit den Preisen werden wissenschaftliche Arbeiten bedacht, die Menschen "erst zum Lachen und dann zum Nachdenken" bringen sollen.

Anders als bei den Darwin-Awards, wo das aus natürlichen Gründen schwierig ist, lassen es sich die meisten Geehrten nicht nehmen, an der Verleihung teilzunehmen. Dabei zeigen sie durchaus Humor. In diesem Jahr erhielten zum Beispiel die britischen Forscher Catherine Douglas und Peter Rowlinson von der Newcastle University den igNobel-Preis für Veterinärmedizin für ihren wissenschaftlichen Nachweis, dass Kühe mit Namen mehr Milch geben als namenlose Rinder. Den Preis nahm Peter Rowlinson entgegen. Seine Kollegin Catherine Douglas konnte zwar nicht nach Amerika fliegen, weil sie gerade ein Kind geboren hatte – sie schickte aber ein Foto von sich, ihrem Kind und einer Kuh ein, auf dem der Säugling in ein Kuhkostüm gekleidet war.

Ein Schweizer Forscherteam hat vermutlich auf dem Münchner Oktoberfest Feldarbeit betrieben – jedenfalls veröffentlichte die Gruppe im Journal of Forensic and Legal Medicine eine Arbeit, die sich mit der wichtigen Frage beschäftigt, ob leere oder volle Bierflaschen härter sind – und welche Variante in der Lage ist, den menschlichen Schädel zu durchschlagen. Ihr Lohn: der Friedens-igNobelpreis. Regelmäßige Biertrinker mag es interessieren, zu welchem Ergebnis die Forscher gekommen sind: Leere Flaschen zerbrechen bei Aufprallenergien von 40 Joule, volle Flaschen schon bei 30 Joule. In beiden Fällen zerbricht eher der menschliche Schädel – den Konflikt zwischen Schädelknochen und Glas verliert der Knochen also in jedem Fall, egal ob "Flasche leer" oder Flasche voll.

Wirtschafts-igNobelpreis für isländische Banken

Nicht zur Verleihungszeremonie anwesend waren die Preisträger des Wirtschafts-igNobelpreises. Den sprach das Komitee nämlich den Managern dreier isländischer Banken zu, und zwar für den erfolgreichen Nachweis, dass man aus einer kleinen Bank durchaus eine große Bank machen kann. Und umgekehrt. Und dass das ähnlich auch mit einer Volkswirtschaft funktioniert.

Den Medizin-igNobelpreis konnte sich ein besonders geduldiger Wissenschaftler sichern: der Amerikaner Donald Unger knackte 60 Jahre lang zweimal am Tag bewusst mit seinen Fingergelenken (und zwar nur mit denen der linken Hand, damit die rechte als Vergleichsobjekt dienen kann), um schließlich im 61. Jahr seinen Artikel "Führt Fingerknacken zu Arthritis?" im Fachmagazin "Arthritis and Rheumatism" unterzubringen. Und nein, Unger bewies auf der Preisverleihung persönlich, dass sich seine linke Hand in nichts von der rechten unterscheidet.

Und warum kippen schwangere Frauen nun nicht um? Diese Frage haben US-Forscher im durchaus renommierten Wissenschaftsmagazin Nature beantwortet. Der aufrechte Gang stellt nämlich ganz besondere Herausforderungen an das Skelettsystem des Menschen. Speziell für den Fall der Schwangerschaft, zeigen die Forscher, haben Frauen eine spezielle Kurvatur und besondere Verstärkung für die Lendenwirbelsäule entwickelt.

Die Gewinner der weiteren Preise in Kürze:

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31236/1.html
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