Macht die Suche im Internet schlauer?

Florian Rötzer 21.10.2009

US-Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass sich bei älteren Internetanfängern schon nach einer Woche Training die Kognition verbessert

Seitdem die Neurowissenschaftler die Aktivitäten im Gehirn erkennen und lokalisieren können, sind sie teilweise zu einer Art Bildwissenschaft geworden, die endlos irgendwelche Verbindungen anhand der Gehirnscans entdeckt. Jetzt wollen Hirnforscher vom Semel Institute an der UCLA den kognitiven Segen der Internetnutzung herausgefunden haben. Ältere Neulinge im Netz sollen durch die Internetnutzung neuronal stimuliert und kognitive Leistungen verbessert werden, wenn sie eine aktive Internetsuche betreiben.

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Im alternden Gehirn, so sagen die Wissenschaftler, findet ein Abbau durch Atrophie, zurückgehende Zellaktivität oder Ablagerungen von Plaques oder Tau-Proteinen statt. Dadurch nimmt die kognitive Leistung des Gehirns ab, schlimmstenfalls irgendwann mit dem Endpunkt der Demenz.

Für ihre Studie untersuchten die Hirnforscher 24 "neurologisch normale" Versuchspersonen im Alter von 55-78 Jahren. 12 nutzten das Internet stark (savvys), die andere Hälfte hatte damit wenig Erfahrung (naives). Beide Gruppen ähnelten sich, was Alter, Bildungsgrad und Geschlecht betrifft. Die Versuchspersonen suchten im Web, während ihr Gehirn mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) gescannt wurde. Mit fMRI lässt sich über den erhöhten Blutfluss erkennen – zumindest ist dies die gängige Auffassung -, welche Areale aktiv sind. Dann sollten die Versuchspersonen an sieben Tagen während einer Zeitspanne von zwei Wochen jeweils eine Stunde lang Internetsuchen ausführen. Als Aufgaben waren beispielsweise vorgegeben, Fragen aufgrund der Durchsuchung von Websites zu beantworten. Nach den zwei Wochen wurde erneut mit anderen Aufgaben ein fMRI-Scan durchgeführt.

Beim ersten Scan zeigte sich bei den Versuchspersonen mit wenig Interneterfahrung, dass die Areale, die für Sprache, Lesen, Gedächtnis und Sehen zuständig sind, aktiviert waren. Nach der zweiwöchigen Übung waren dieselben Areale aktiv, dazu kamen aber Areale im mittleren frontalen sowie im Gyrus frontalis medius und im Gyrus frontalis inferior, die für die Gedächtnisbildung und beim Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen. Daraus leiten die Hirnforscher ab, dass schon die Lösung von Suchaufgaben im Internet schon nach einer kurzen Zeit bei alten Menschen ohne häufige Internetnutzung "Aktivitätsmuster im Gehirn verändern und Funktionen verbessern kann". Schon nach einer Woche würden die Aktivitätsmuster denen von regelmäßigen Internetnutzern gleichen. Sieht man sich deren Scan an, dann könnte man allerdings zu dem Schluss kommen, dass die Suchaufgaben im Internet die Aktivität reduzieren.

Die Aktivitätsmuster ähneln sich beim zweiten Hirnscan nach dem Training im Internet. Bild: UCLA

"Das Ergebnis lässt vermuten", so Teena Moody vom Semel Institute, was Google und Co. erfreuen dürfte, "dass Online-Suchen eine einfache Form der Gehirnübung sein kann, die man zur Verbesserung der Kognition bei älteren Menschen verwenden könnte". Dabei müsse man nämlich Informationen im Arbeitsgedächtnis behalten und wichtige Hinweise aus Bildern und Texten ziehen. Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass die Internetsuche die Gehirnaktivität bei älteren Menschen mit Interneterfahrung gegenüber denen mit geringer Erfahrung verdoppelt. Mit ein wenig Übung ergebe sich aber wieder Gleichstand.

Man fragt sich, ob die Studie von Suchmaschinenbetreibern bezahlt wurde. Vermutlich hätte man die Versuchspersonen auch in Zeitschriften, Büchern, Bibliotheken, Räumen oder was auch immer suchen lassen können, um zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen. Vermutlich wird auch das regelmäßige Lösen von Kreuzworträtseln oder Sudokus die Aktivitätsmuster verändern, ebenso wie Golf oder auch Computerspiele. Macht das Internet alte Leute also schlauer? Möglicherweise, wenn sie nichts anderes machen.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31339/1.html
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