IWF und Weltbank warnen vor neuen Spekulationsblasen in Asien
Während internationale Anleger an die asiatischen Börsen drängen, erinnern IWF und Weltbank daran, dass die erstaunliche Belebung der Finanzmärkte und von Teilen der Weltwirtschaft vor allem monetären und fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen zu verdanken ist
Hatten asiatische Staaten früher nur sehr zögerlich mit fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen auf Wirtschaftskrisen reagiert, sind die asiatischen Konjunkturpakete diesmal sogar noch stärker ausgefallen als in den G20 Staaten, meldet der IWF im aktuellen Regional Economic Outlook Asia and Pacific. Die Weltbank hebt in ihrem am selben Tag erschienenen east asia and pacific update folgerichtig die Wachstumserwartungen für Ostasien (ohne Japan) für dieses Jahr auf 6,7 Prozent an, nachdem im April noch mit 5,3 Prozent gerechnet wurde. 2010 sollen es sogar 7,8 Prozent werden, womit sich die Region der chinesischen Wachstumsrate annähern würde, das dieses Jahr 8,4 und nächstes Jahr mit 8,7 Prozent betragen soll. Länder wie die Philippinen und Indonesien hätten demnach eine Rezession komplett vermieden, während Singapur im 2. Quartal auf Wachstumskurs gegangen ist und Südkorea im 3. Quartal immerhin 2,9 Prozent zulegen konnte.
Zwar sei die Konjunkturerholung, die im März in China begonnen hat, inzwischen fast weltweit verbreitet, am weitaus stärksten jedoch in Ostasien. Das liege zwar auch an dem mangelnden Engagement der asiatischen Banken in US-Schrottpapiere und deren daher vergleichsweise solidem Zustand sowie einem Wiedererstarken des regionalen Außenhandels. Doch habe der Aufschwung bislang weder den privatem Konsum noch die industriellen Investitionen erreicht, sondern basiere auf den massiven Staatsausgaben und der lockeren Geldpolitik, allen voran Chinas, aber auch in den westlichen Industrieländern.
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80 Prozent der zusätzlichen Staatsausgaben sind in Asien zudem in direkte Investitionen bestanden, während in den G20 immerhin rund 40 Prozent davon in der Form von Steuersenkungen verteilt wurden. Darüber hinaus wurden die Konjunkturpakete in Asien inzwischen bereits zu mehr als 50 Prozent ausgegeben, was ebenfalls viel schneller war als in den G20. Das schaffe nun das "schwierige Problem", die Maßnahmen zurückzufahren, bevor es "zu makroökonomischen Verwerfungen" komme, was allerdings erst erfolgen sollte, nachdem ein selbsttragender Aufschwung eingesetzt hat.
Voll auf monetäre Expansion habe dabei China gesetzt, das so den lokalen öffentlichen Körperschaften und den großen Staatsbetrieben die kreditfinanzierte Umsetzung der Konjunkturpakete ermöglicht hat. So erreichten die heuer neu vergebenen Kredite in China inzwischen rund ein Drittel des BIP, wodurch sich China mit einer Gesamtverschuldung von 141 Prozent des BIP zusammen mit Hongkong und Taiwan zum Spitzenreiter in der Region aufgeschwungen hat. Das hat laut IWF und Weltbank nicht nur zu erheblichen Aktienpreissteigerungen geführt, sondern vor allem in China, Hongkong und Singapur auch die Immobilienpreise nach oben getrieben.
Während die Regierung in China bereits öffentlich droht, gegen die ausufernde Spekulation anzugehen, berichtet "China Business News" unter Berufung auf Regierungsquellen, dass fast 20 Prozent der im ersten Halbjahr neu vergebenen Kredite in den Shanghaier Aktienmarkt geflossen sind. Auch die Immobilienkredite haben erheblich zugenommen, so dass laut dem nationalen Statistikamt die Hauspreise in den 70 chinesischen Referenzbezirken im September gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen sind. Folglich ist es China bisher mehr als gelungen, den Einbruch bei den Exporten zu kompensieren, die noch immer um mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen und am Höhepunkt der Krise praktisch zum Erliegen gekommen waren.
Insofern machte es an den chinesischen Aktienmärkten besonders gute Laune, als die USA letzte Woche für das 3. Quartal ein annualisiertes Wachstum von 3,5 Prozent meldete, wobei das Konsumwachstum bei 3,4 Prozent gelegen hatte. Das resultierte vor allem aus dem Anstieg der Käufe langlebiger Konsumgüter um 22,8 Prozent, was wiederum weniger auf den Erwerb chinesischer Flachbildschirme etc. deutet, sondern nur darauf, dass im Juli und August die Auszahlungen der "Cash for clunkers"-Kfz-Schrottprämie ihren Höhepunkt erreichten, die im September auslief. Die meisten Beobachter sind sich einig, dass dieser Zuwachs vor allem damit zu tun hat, dass potentielle Neuwagenkäufer ihre Käufe vorgezogen haben, um die Regierungsgelder zu kassieren. Dafür spricht, dass die Verkäufe im September drastisch eingebrochen sind. Bei steigendem Konsum und sinkenden Einkommen müsste die Sparquote zwangsläufig gesunken sein. Wenn die Amerikaner ihre privaten Bilanzen verbessern wollen, wie es derzeit der Fall zu sein scheint, dann müssten sie dies in den folgenden Quartalen nachholen, d.h. weniger konsumieren und mehr sparen.
Ohne die starke Unterstützung der US-Konsumenten würde sich eine Rücknahme der chinesischen Konjunkturprogramme freilich schwieriger gestalten als angenommen, sollten nicht auf wundersame Weise neue, wachsende Exportmärkte auftauchen. Dann müsste China weiterhin auf Konjunkturprogramme und Kreditexpansion setzen, was selbst China nicht mehr lange in dem Tempo durchhalten könnte. Oder die private Sparquote müsste sinken, so dass die Chinesen ihre Produkte selber konsumieren, was wünschenswert wäre. Nur müsste dafür zuerst einmal ein vertrauenerweckendes Sozialsystem geschaffen werden, und das dürfte wohl nicht in absehbare Zeit geschehen.
Bleiben nur die durchaus hohen Ersparnisse der Großunternehmen, deren Gewinne - wie in "Emerging Asia" üblich - nur in geringem Ausmaß an die Eigentümer ausgeschüttet werden. Dann könnte aber auch die vielleicht dubiose Qualität vieler Gewinne bekannt werden, die laut verschiedenen Berichten oft auf überzogenen Bewertungen sowie öffentlichen Privilegien resultieren. Während die Leistungsbilanzungleichgewichte dadurch zwar gelindert würden, sorgen die Exportprobleme indes dafür, dass China seine Landeswährung wieder fest an den schwächelnden Dollar gebunden hat. Das verleitet auch die anderen asiatischen Exportnationen dazu, ihre Landeswährungen durch Devisenkäufe abzuschwächen, wodurch die Devisenreserven in der Region um ein Volumen von 510 Mrd. USD zugenommen haben – alles in allem also nicht wenige der Zutaten, die erst zum Ausbruch der Krise geführt haben.
Kurzfristig noch bedrohlicher erscheint dem IWF jedoch, dass – ebenfalls anders als während der vorangegangenen Krisen – auch das bekanntlich rasch wieder flüchtige internationale Finanzkapital so schnell und massiv nach Asien zurückgekehrt ist. Laut Weltbank hätten umfangreiche ausländische Käufe von Regierungsanleihen und die höchsten Repatriierungen einheimischer Gelder seit mehr als zehn Jahren die hohen Kapitalabflüsse des 2. Halbjahres 2008 ab März wieder in starke Zuflüsse verwandelt.
Besonders die Rückflüsse machen laut Weltbank die Einschätzung der Investoren deutlich, dass die Asset-Preise in Emerging Asia schneller steigen würden als sonst wo in der Welt, was dann auch eintraf: Während die Aktienmärkte der westlichen Industriestaaten von Jahresbeginn bis Ende September im Schnitt um 20 Prozent zulegten, stiegen die Aktienpreise in Asien um 60 Prozent und haben die Krisenverluste somit bereits wieder weitgehend aufgeholt. Auch die internationale Emission von Staatsanleihen von bislang 19 Mrd. USD belief sich auf das 2,5fache der letzten beiden Jahre, während weitere 19 Mrd. ausländische USD allein in den südkoreanischen Aktienmarkt flossen.
So hätten in "Emerging Asia" die internationalen Zuflüsse in die Aktienmärkte bereits die Niveaus von vor der Krise erreicht, ebenso die internationalen Anleihe- und Aktienemissionen. Und sogar international syndizierte Bankkredite, die an den westlichen Märkten noch immer Mangelware sind, gehören in Asien bereits wieder zum Tagesgeschäft. Ab Mitte des Jahres erfolgte zudem eine Welle von Aktien-Neuemissionen, deren größte der China State Construction Engineering Corporation, dem größten Wohnbauunternehmen Chinas, 7,3 Mrd. USD einbrachte, bei Geboten von insgesamt 242 Mrd. USD.
Zurückgegangen sind nur die internationalen Bankfinanzierungen, die um 140 Mrd. USD oder rund ein Viertel weniger wurden, was das voranschreitende "Deleveraging" der führenden westlichen Banken unterstreiche.
http://www.heise.de/tp/artikel/31/31445/1.html- Das Finanzkapital ist ohne reale Macht wenn ihnen nicht Dumme (7.11.2009 8:43)
- Re: Damit sagt der IWF auch nicht viel anderes als Roubini,.. (6.11.2009 20:02)
- Re: Wenn man früher einen knisternden 1000 DM Schein in der Hand hielt, (6.11.2009 19:53)
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