Der Dunst der Bösen

Florian Rötzer 09.11.2009

Britische Wissenschaftler wollen Geruchssensor entwickeln, um Kriminelle oder Terroristen aufzuspüren

Riechen Bösewichte, die etwas Kriminelles vorhaben, anders als andere Menschen. Der Ansicht scheinen Wissenschaftler von der City University London zu sein. Sie wollen eine Technik entwickeln, mit der sich ein Pheromon erfassen lässt, das sich im menschlichen Schweiß bei Angst bildet. Die Idee scheint zu sein, dass Drogenschmuggler, Terroristen und andere Bösewichte damit an Kontrollpunkten herausgefischt werden können, weil sie Angst davor haben, dass sie entdeckt werden.

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Die Wissenschaftler schließen an eine Studie von US-Forschern an, die herausgefunden haben, dass Versuchspersonen unbewusst auf Angstschweiß reagieren (Pheromene übertragen Angst). Allerdings handelte es sich bei diesem Versuch nicht um Angstschweiß von Kriminellen vor einem Kontrollpunkt, sondern um den von Personen, die das erste Mal Tandem mit einem erfahrenen Menschen mit dem Fallschirm gesprungen sind. Ihr Achselschweiß wurde während des Sprungs gesammelt, dann durften Versuchspersonen daran riechen. Gehirnscans zeigten, dass bei ihnen durch den Angstgeruch Gehirnareale aktiviert werden, die mit Angst zu tun haben. Angst ist nach diesem Versuch auch über den Geruch ansteckend, aber nicht gerade ein Hinweis auf Kriminelle. Daher dachten die US-Wissenschaftler eher daran, aus dem Pheromon eine Panikwaffe machen zu können, um Menschenmengen aufzulösen und zu vertreiben.

Macht nichts, denken sich wohl die britischen Wissenschaftler und setzen darauf, dass Sicherheitsforschung weiterhin gefördert wird. In ein paar Jahren wollen sie menschliche Nasen durch einen Sensor ablösen, der das Angstpheromon identifizieren kann. Die Teamleiterin Tong Tun meint, das Problem liege darin, die chemische Substanz zu erkennen, die durch Angst – und "besonders durch Angst in Bezug auf kriminelle Akte" – erzeugt wird. Die Frage ist allerdings schon, ob hartgesottene Kriminelle tatsächlich eine Aura der Angst um sich verbreiten, oder ob dies nicht eher sowieso ängstliche Menschen oder potenzielle Opfer machen.

Interessant wäre sicherlich herauszufinden, ob Angst nach Anlass, Kontext, Persönlichkeit oder anderen Unterschieden jeweils gleich oder unterschiedlich riecht. Professorin Tun scheint sich da ganz sicher zu sein, auch wenn die Durchführbarkeitsstudie für das Projekt, das vom britischen Innenministerium gefördert wird, noch gar nicht begonnen wurde. Überdies ist sie mental schon längst weiter: "Ich sehe keinen Grund, warum ähnliche Sensortechniken nicht auch auf die Erkennung von Gerüchen, die durch die ethnische Herkunft, das Alter oder Geschlecht bestimmt werden, ausgedehnt werden können, um das Profil eines Kriminellen vor oder nach einem Verbrechen zu erstellen."

Andere Ansätze, die schon kurz nach dem 11.9. attraktiv wurden, gehen in die Richtung, aus physiologischen Symptomen oder Hirnwellen, die aus der Entfernung erfasst werden sollen, erkennen zu wollen, ob eine Person feindliche Absichten hegt (Auch die US-Army will aus der Ferne Absichten erkennen).

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31463/1.html
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