Banken müssen die US-Einlagensicherung retten

17.11.2009

Die große Zahl der Bankenpleiten in den USA hat Einlagensicherungsbehörde an den Rand einer Pleite gebracht

Es war zu erwarten, dass die vielen Bankenpleiten auch die US-Einlagensicherungsbehörde (FDIC) in Bedrängnis bringen würden (Finanzkrise: "Das Schlimmste kommt noch"). Schon vor einem Jahr war die Einlagensumme auf einen historischen Tiefstand von 45 Milliarden Dollar geschrumpft. Die sind nun auf ein Minimum eingedampft, denn in diesem Jahr sind in den USA schon mehr als 120 Banken abgestürzt und darunter sind auch einige große Institute (Arbeitslosigkeit in den USA steigt stärker als erwartet).

Am vergangenen Wochenende wurde die Einlagensicherung erneut über die Pleite von drei Instituten geschröpft. So waren zwei Banken in Florida - die Orion Bank of Naples und die Century Bank – betroffen und dazu kam ein kleineres Institut in Kalifornien, die Pacific Coast National Bank of San Clemente. Der neue Aderlass schlägt ein neues Loch in die FDIC-Kassen, denn die drei Institute hatten zusammen fast drei Milliarden Dollar an Einlagen.

So sah sich die FDIC zu einem dramatischen Schritt gezwungen. Mit den Mitgliedsbanken wurde vereinbart, dass diese eine Vorauszahlung der Gebühren für die nächsten drei Jahre leisten müssen. Damit erhält die Federal Deposit Insurance Corp rund 45 Milliarden Dollar. Doch dass die lange reichen, davon darf kaum ausgegangen werden. Denn das Bankensterben geht immer schneller voran. Waren im vergangenen Jahr 25 Institute abgeschmiert, waren es 2007 waren sogar nur drei. Die 123 Pleitekandidaten haben also in nur knapp 11 Monaten die 45 Milliarden aufgebraucht, die nun an frischem Kapital an die FDIC fließen könnten.

Die rote Liste der FDIC wird zudem immer länger, sie umfasste im Sommer schon mehr als 400 Institute. Zum Jahresbeginn waren es noch 252 gewesen, obwohl sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr schon verdreifacht hatte. Und ob tatsächlich 45 Milliarden fließen werden, ist auch fraglich. Die FDIC kann bei besonders klammen Instituten auch Ausnahmen zulassen, die dann die Vorauszahlung nicht leisten müssen, die für alle anderen Banken bis zum Ende dieses Jahres fällig wird. So wird die Zahlung wohl zu einem kleinen Stresstest für viele Banken, der vielleicht mehr über deren Zustand aussagt, als es der nicht so stressige Test von Präsident Obama ausgesagt hatte.

Ohnehin ist die Lage in den USA weiter alles andere als rosig. Wegen der schlechten Daten vom Arbeitsmarkt ist das Verbrauchervertrauen deutlich gefallen. Die Arbeitslosigkeitsquote hat offiziell die 10-Prozenthürde überwunden. Real liegt sie längst weit darüber, weil sich viele Arbeitslose schlicht nicht mehr melden, wie auch eine Statistik der der Household-Survey belegt. Das Verbrauchervertrauen ging deshalb im November von 70,6 auf 66,0 Punkte in die Knie. Es fiel damit auf den tiefsten Stand seit August. Die Experten hatten eigentlich sogar einen Anstieg auf 71 Punkte erwartet. Das ist ein fatales Zeichen für eine Wirtschaft, die am Inlandskonsum hängt.

Zudem wächst ein neues Debakel heran. Dem staatlichen Hypothekengarant Federal Housing Administration (FHA) droht ebenfalls der Kollaps. Die Reserven der FHA haben sich in den letzten Monaten drastisch reduziert. Der Puffer beträgt nur mehr 0,53 % von 653 Milliarden Dollar an Hypotheken, die durch die FHA versichert werden. Vorgeschrieben ist ein Wert von 2 %. "Es besteht die Möglichkeit, dass die Reserven unter Null gehen und auch dort bleiben", sagt Shaun Donovan, Chef des Ministeriums für "Housing and Urban and Development". Nach Angaben der FTD hatte sich die FHA zuletzt als wichtiger Akteur bei der Vergabe von Krediten hervorgetan. Ihr Marktanteil sei seit September von 24 auf 63 % angeschwollen..

Pikant ist, dass die FHA ausgerechnet gemeinsam mit der staatlichen Finanzierungsagentur Ginnie Mae die schlecht abgesicherten Subprime-Hypotheken wiederbelebt hat. Derlei Ramsch-Kredite zählen zu den Auslösern der Finanzkrise und die wurden zuvor auch zuhauf von den Großen im Geschäft vergeben. Das Handelsblatt berichtet mit Bezug auf eine Studie der US-Notenbank in San Francisco, die FHA habe nach dem Zusammenbruch des Marktes 2008 den Anteil dieser Subprime-Kredite wieder auf 20 % erhöht, damit wäre der Wert sogar höher als vor dem Absturz. Die großen Vorbilder von Ginnie sind Fannie Mae und Freddie Mac, die zuhauf mit diesen Krediten gehandelt hatten und längst verstaatlicht wurden, hängen am Tropf der Steuerzahler, weil sie seit neun Quartalen in Folge nur Milliardenverluste einfahren.

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