Jeder siebte US-Amerikaner hungert zeitweise
Die Zahl der US-Haushalte, die aus Geldmangel zeitweise hungern, ist im Vorjahr von 13,0 Millionen auf 17,1 Millionen angestiegen
Die Zahl der aus finanziellen Gründen mangelernährten US-Amerikaner ist im Vorjahr um 13 Millionen angestiegen, was der höchste Zuwachs seit 1995 ist, als das US-Landwirtschaftsministerium die Ernährungssituation in den USA zu erheben begonnen hat. Nach einem aktuellen Bericht war die Situation auch noch nie so schlecht wie im Vorjahr. 14,1 Prozent aller US-Haushalte oder rund 50 Millionen Menschen sind davon betroffen.
Zwar umfasst der Erhebungszeitraum außer der aktuellen Krise nur eine einzige, vergleichsweise milde Abschwungphase im Jahr 2001, allerdings erscheint bedenklich, dass sich die Ernährungssituation damals auch in den drei folgenden Jahren, in denen bereits wieder teilweise hohe Wachstumsraten verzeichnet wurden, weiter verschlechtert hatte. Erst in den Boomjahren ab 2004 verbesserte sich die Situation bis es 2008 wieder zu einer dramatischen Verschlechterung kam. Betrachtet man den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Mangelernährung ist für heuer eine weitere und vermutlich ebenso dramatische Zunahme zu befürchten. Immerhin lag die Arbeitslosenquote, die inzwischen zehn Prozent überschritten hat, Ende 2008 noch bei knapp sechs Prozent.
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Für die jährlich durchgeführte Studie wurden an 46.000 Haushalte 18 Fragen (zehn bei Haushalten ohne Kinder) gestellt, etwa ob sie sich ausgewogene Ernährung leisten könnten, ob sie irgendwann innerhalb der letzten zwölf Monate aus Geldmangel weniger essen mussten als erwünscht, ob sie öffentliche Suppenküchen besucht hatten oder ob sie gar an Hunger gelitten hatten. Wenn in wenigstens drei Kategorien Unzulänglichkeiten gemeldet wurden erfolgt die Zuordnung als "food-insecure", wobei weiters in "unsicher" und "sehr unsicher" unterteilt wurde. Bei jenen mit sehr großer Ernährungsunsicherheit hatten übrigens die meisten der Befragten angegeben, irgendwann innerhalb des letzten Jahres hungrig gewesen zu sein, aber aus Geldmangel nicht gegessen zu haben.
Der Zuwachs der an Nahrungsmangel leidenden Haushalte war der Studie zufolge gleichmäßig auf jene mit und ohne Kinder verteilt, die jeweils um rund zwei Millionen zunahmen. Demnach fallen bereits 21 Prozent der Haushalte mit Kindern in diese Kategorie und immerhin 11,3 Prozent der Haushalte ohne Kinder. Besonders erschüttert zeigte sich President Obama, der versprochen hat, dieses Problem bis 2015 vollständig zu lösen, davon, dass die Zahl der Kinder, die unter sehr niedriger Ernährungssicherheit litten, 2008 auf 506.000 angestiegen ist, nach 323.000 noch ein Jahr zuvor.
Seit 1999 hat sich die Zahl der Betroffenen somit mehr als verdoppelt, wobei die Hälfte des Zuwachses zwischen 2007 und 2008 erfolgt ist. Während die sehr hohe Ernährungsunsicherheit in den vergangenen zehn Jahren aber in allen analysierten Bevölkerungssegmenten zunahm, war sie in den Gruppen am größten, die historisch bisher am wenigsten davon betroffen waren. So wurden in den letzten zehn Jahren überdurchschnittliche Zunahmen bei verheirateten Paaren mit Kindern (plus 153 %), bei Mehrpersonenhaushalten ohne Kinder (plus 144%) und bei Haushalten, deren Einkommen mehr als 185 Prozent des offiziellen Armutsniveaus beträgt (plus 181%) verzeichnet.
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Allerdings war in allen diesen Gruppen das Hungerniveau noch immer deutlich niedriger als in den klassischen Problemgruppen, wo sich die Probleme aber gleichfalls erheblich ausgeweitet haben. So nahm bei alleinerziehenden Müttern die Ernährungsunsicherheit um 81 Prozent auf erschreckende 37 Prozent zu, bei nicht-hispanischen farbigen Haushalten um 79 Prozent und bei Haushalten mit weniger Einkommen als 185 Prozent der offiziellen Armutsschwelle um 83 bis 96 Prozent.
Das könnte der Studie zufolge daran liegen, dass diese Haushalte schon zuvor Mangel gelitten hatten oder deswegen weniger stark davon betroffen waren, weil sie von staatlichen Nahrungsmittelhilfen profitieren konnten. Dementsprechend stieg das Volumen staatlicher Hilfen wie des "Supplemental Nutrition Assistance Program" (SNAP), das die bekannten Essensmarken umfasst, oder die Ausspeisung in den Schulen, die 31 Millionen Schulkindern eine warme Mahlzeit täglich finanziert, im Jahr 2008 um zehn Prozent auf 60,6 Milliarden Dollar.
Allein für die Essensmarken des SNAP wurden demnach 37,7 Mrd. USD ausgegeben, wobei der Maximalsatz pro Person im April um 13,6 Prozent auf 113 Dollar angehoben wurde. In den 30 Tagen vor der Datenerhebung im Dezember 2008 hatten dennoch 14,4 Prozent der Haushalte, die SNAP-Hilfe erhielten, eine sehr niedrige Ernährungssicherheit. Das war zwar auch um zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, bei ähnlich einkommensschwachen Haushalten ohne SNAP betrug die Zunahme jedoch erschreckende 46 Prozent. In der Folge kam es zu einer deutlichen Zunahme an SNAP-Ansprüchen, die im Mai 2009 mit 34,4 Millionen einen offiziellen historischen Höchststand erreichten und inzwischen auf 36,6 Millionen Menschen gestiegen sein soll – damit sind aktuell mehr als 11 Prozent der US-Amerikaner auf Lebensmittelmarken angewiesen, 40 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.
http://www.heise.de/tp/artikel/31/31530/1.html- ich habe ca. 1964 gelesen (20.1.2010 3:02)
- Re: Neusprech (24.11.2009 13:04)
- Re: Neusprech (24.11.2009 11:12)
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