Nützliche Idioten

Peter Mühlbauer 23.11.2009

Die Studentenbewegung 2.0 kämpft mit ungebetenen Mitläufern

Die Bologna-Gegner an deutschen Universitäten kämpfen derzeit einen Zweifrontenkrieg: An der einen Front stehen jene, welche die Hyperbürokratisierung der Studiengänge verursachten oder weiter an ihr festhalten. An der anderen finden sich Elemente mit Parolen zwischen Abenteuerspielplatz, Irrenhaus und der BKA-Parodie eines Bekennerschreibens.

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In der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ist der Boden klebrig und überall liegen zerbrochene Bierflaschen. Möglicherweise sind die Personen, die auf dem Boden herumliegen, für den Unrat und den Gestank verantwortlich - in jedem Fall machen sie teilweise einen ebenso bildungsfernen Eindruck wie die Musik, die durch die Gänge wummert. Tatsächlich, so erfährt man unter der Hand von Studentenvertretern, haben sich im Zuge der Universitätsbesetzung auch Elemente eingenistet, die keine Studentenausweise vorzeigen können und die man gerne wieder los hätte. Auch deshalb, weil mittlerweile auch Computer gestohlen wurden und man die Fachschaftszimmer absperren muss.

Die Elemente an der zweiten Front ähneln jenem Typus, der in Berlin Autos anzündet, in Hamburg Filme zensiert und überall in Deutschland Lesungen von Wiglaf Droste wegen angeblichem "Sexismus" zu verhindern versuchte, ohne die gescholtenen Texte überhaupt gelesen zu haben.

Nach ersten eingehenderen praktischen Erfahrungen mit diesem Typus spekulierte man unter den Studenten sogar über die Möglichkeit, dass die bayerische Staatsregierung die Beteiligung dieser unbewussten Fünften Kolonne von FDP-Bildungsministers Wolfgang Heubisch in der einen oder anderen Form gefördert haben könnte. Immerhin ist mittlerweile ein Vorgang an einer deutschen Universität belegt, wo die Leitung Proteste mit einem Trick beenden wollte:

In Münster meldete die Westfälische Wilhelms-Universität am letzten Freitag der Presse, dass eine Ausstellung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Generalplan Ost der Nationalsozialisten aufgrund der Besetzung des F1-Gebäudes wahrscheinlich nicht stattfinden könne. Eine Nachfrage bei der DFG ergab jedoch, dass diese mitnichten das ganze Gebäude für die Ausstellung benötigt, sondern lediglich das Foyer im ersten Stock. Zudem gehe man nicht von der Notwendigkeit verschlossener Haustüren aus, so dass die Ausstellung stattfinden kann - zumindest, so lange sich nicht noch Elemente unter die Besetzer mischen, die den freien Zugang für antisemitische Kundgebungen nutzen, wie Ende Oktober in Hamburg.

Dort sollte der Film Pourquoi Israel? laufen, den der französische Holocaust-Überlebende Claude Lanzmann 1972 gedreht hatte, was etwa 30 bis 40 Personen durch eine Blockade verhinderten, während der Kinogänger körperlich angegriffen, bespuckt und angeblich als "Schwuchteln" und "Judenschweine" tituliert wurden.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31553/1.html
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