Keine Garantie für Raucher

Peter Mühlbauer 24.11.2009

Wie Apple Kunden trotz teurer Versicherung Reparaturen verweigert

Die amerikanische NGO Consumers Union berichtet von Verbraucherbeschwerden, die in Zukunft möglicherweise manchen Raucher davon abhalten könnten, sich einen Apple-Computer zu kaufen. Sollte jemand allerdings die Apple-Benutzeroberfläche weniger leicht aufgeben können als das Rauchen, dann muss er möglicherweise in Betracht ziehen, seinen Genussmittelkonsum zu ändern.

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Den beiden Beschwerdeführern gingen nämlich ihre Apple-Computer kaputt, worauf hin sie diese zur vermeintlich kostenlosen Reparatur brachten - und eine Überraschung erlebten. Dort verweigerte man eine Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit mit dem Hinweis darauf, dass die Geräte in einer Umgebung verwendet wurden, in der geraucht wurde. Die beiden Apple-Opfer fanden dies nicht zuletzt deshalb seltsam, weil sich in den durchaus umfangreichen Garantiebestimmungen nirgendwo etwas davon findet, dass man die Geräte nur in einem rauchfreien Umfeld einsetzen dürfe, um den Garantieanspruch nicht zu verwirken.

Eine der Geschädigten hatte den etwa 3.000 US-Dollar teuren und während der Garantiezeit ausgefallenen Mac-Rechner für ihren Sohn gekauft. Dem sagte man erst, das Gerät sei in 48 bis 72 Stunden repariert und abholbereit. Als dies nicht der Fall war und die Käuferin sich um den Fall kümmerte, erfuhr sie, dass der Computer nicht repariert werden könne, weil er "kontaminiert" sei.

Angeblich war nicht nur das DVD-Laufwerk des weniger als zwei Jahre alten Rechners verschmutzt - auch andere Teile hätten durch Teer aus Zigarettenrauch solchen Schaden genommen, dass das Gerät nicht mehr mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand repariert werden könne. Nikotin, so die Firmenvertreter, werde von der Occupational Safety and Health Administration (OSHA) als "gefährliche Substanz" eingestuft, weshalb Apple seinen Mitarbeitern keine Reparaturarbeiten zumute, bei denen sie damit in Berührung kommen und gesundheitliche Risiken eingehen könnten. Allerdings stehen auf der Liste der amerikanischen Arbeitsschutzbehörde auch zahlreiche Stoffe, bei denen es ganz offensichtlich auf die Menge und den Zustand ankommt - darunter Kalziumkarbonat (der Hauptbestandteil von Marmor oder Kalkstein), Isopropanol (Reinigungsalkohol), Chlor (mit dem unter anderem Schwimmbäder desinfiziert werden), das zum Haarefärben verwendete Wasserstoffperoxid, der Süßstoff Saccharose und der im Sportunterricht verwendete Talkumpuder.

Besonders ärgerlich war für die Geschädigten, dass sie beide eine AppleCare-Versicherung abgeschlossen hatten. Diese verspricht eine Hardware-Garantie von drei statt einem Jahr, ist jedoch alles andere als billig: Für den Mac mini kostet sie in Deutschland 169 Euro, für den iMac 179 Euro, für MacBooks zwischen 249 und 349 Euro und für den Mac Pro 299 Euro. Dafür gibt es anderswo schon einen kompletten neuen Büro-PC.

Auch in den deutschen AppleCare-Bedingungen fand sich am Montag kein Hinweis auf einen Ausschluss der Garantie beim Betrieb in Räumen, in denen geraucht wird. Bei der Münchner Pressestelle des IT-Konzerns konnte man bis Redaktionsschluss keine Auskunft darüber geben, wie Fälle von Rauchern mit Garantieansprüchen hierzulande gehandhabt werden, wollte aber in den USA nachfragen. Ob ein Raucherausschluss, wie er dort offenbar praktiziert wird, in Deutschland durchgesetzt werden könnte, hängt allerdings nicht nur vom Willen der Unternehmensführung ab, sondern auch davon, ob Gerichte den Betrieb eines Rechners in einem Raum, in dem geraucht wird, als Abweichung vom gewöhnlichen Gebrauch sehen.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31555/1.html
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