US-Regierung droht mit Angriffen von Drohnen auf pakistanische Städte

15.12.2009

Pentagon gibt den Druck der US-Regierung auf Befriedung Afghanistans an Pakistan weiter, aber dort ist man gespalten

Bislang wurde der Krieg der Drohnen (Der erste ferngesteuerte Krieg), der unter Präsident Obama noch intensiviert wurde und in dem allein in diesem Jahr Hunderte von Menschen getötet wurden, in Afghanistan, aber auch im Irak weitgehend im offenen Gelände oder in Dörfern geführt, nicht aber in den Städten, in den neuen Schlachtfeldern des asymmetrischen Krieges. Das könnte sich bald ändern, wie die LA Times berichtet, da US-Regierungsangehörige die Angriffe der mit Predator-Raketen ausgestatten Drohnen und damit des Kriegs aus der Ferne von dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet auch auf die pakistanische Stadt Quetta ausdehnen wollen, eine Stadt mit immerhin 850.000 Einwohnern, in der beispielsweise der Taliban-Führer Mullah Omar leben soll.

Allerdings wurde dies der Zeitung nur einmal wieder unter Bedingungen der Anonymität mitgeteilt, möglicherweise weil die Informanten es falsch finden oder weil das Pentagon testen will, wie so eine Ankündigung in der Öffentlichkeit und in Pakistan ankommt. Angeblich soll damit die pakistanische Regierung weiter unter Druck gesetzt werden, noch intensiver gegen die Taliban vorzugehen, schließlich würde Obama nach dem angekündigten Surge gerne bereits 2011 mit dem Truppenabzug beginnen. Pakistanische Regierungsangehörige sind von dem Plan nicht angetan und warnen, dass Pakistan keine Bananenrepublik sei und solche Angriffe in einer großen Stadt mitten im Land das Ende der Kooperation mit sich bringen könnten. Präsident Obama soll allerdings, wie die Newsweek wissen will, die Ausweitung des Drohnen-Kriegs nicht befürworten. Der Beschuss von Zielen in Städten würde die Gefahr mit sich bringen, dass Zivilisten getötet werden.

Mit Hellfire-Raketen ausgestattete Drohne. Bild: Pentagon

Bislang wurden die Angriffe mit Drohnen von der pakistanischen Regierung geduldet. Es sollen auch immer mehrere Drohnen gleichzeitig im Grenzgebiet unterwegs sein, um mögliche Gegner zu jagen und zu töten, also das zu machen, was nun durch die Entscheidung des Oberst Klein auch Deutschland betrifft: die gezielte Tötung von vermeintlichen Aufständischen aus der Ferne, der oft genug auch Zivilisten zum Opfer fallen. Letztlich sehen Bomberpiloten ihre Ziele nicht besser als die Piloten, die die Drohnen aus Tausenden Kilometern Entfernung steuern und dann den Joystick bedienen, um die Raketen abzufeuern.

Die US-Regierung will die Taliban im pakistanischen Rückzugsgebiet möglich schnell ausschalten und hat deswegen den Druck auf die Regierung erhöht, neben Mullah Omar auch andere Taliban-Führer auszuliefern, und eben damit gedroht, die Angriffe mit Drohnen zu verstärken, wenn dies nicht geschieht, wie auch die New York Times berichtet. So wird auch die Übergabe des Taliban-Führers Siraj Haqqani gefordert, der in Nordwaziristan herrscht, aber auch eng mit dem pakistanischen Geheimdienst zusammenhängt.

Für Pakistan gibt es aber Gründe, Haqqani nicht preiszugeben, was damit zu tun hat, dass man über diesen den Einfluss auf Afghanistan zu sichern sucht, weil die Sorge besteht, dass Indien oder andere Nachbarstaaten sonst zu mächtig werden könnten. Zudem kämpft Haqqani in Afghanistan und seine Anhänger kontrollieren einige Provinzen, für die pakistanische Regierung sind aber die Taliban im eigenen Land, die vermehrt Anschläge durchführen, die größere Gefahr. Eine Ironie der Geschichte ist, dass bereits der Vater von Haqqani, der auch mit Osama bin Laden zusammen gearbeitet hat, gegen die russischen Besatzer kämpfte und damals von der CIA unterstützt wurde. Unter den dank der US-Hilfe an die Macht gelangten Taliban wurde er Gouverneur der Provinz Paktia. Präsident Zardari machte erst kürzlich in einem Beitrag für die New York Times auf die Unterstützung der Taliban und des Diktators Musharraf sowie des Erzfeinds Indien durch die USA aufmerksam, was zu einem Misstrauen der Menschen gegenüber den USA geführt habe.

Ortsteil von Quetta. Bild: Google Maps

David Petraeus, der Chef des US-Zentralkommandos, machte gerade bei seinem Besuch in Pakistan deutlich, dass die USA Pakistan drängen, den Kampf gegen die Taliban nicht nur in Südwaziristan zu führen, sondern auch in den Norden und in Balutschistan auszudehnen. Die pakistanische Seite weist die Forderungen zurück, warnt vor dem Eingreifen ausländischer Truppen und moniert, dass Indien Aufständische in Balutschistan unterstütze.

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