Risiken der Computertomografie wurden unterschätzt

21.12.2009

Nach zwei Studien können jährlich zehntausende Patienten an späteren Folgen des explosiv angestiegenen Einsatzes der Computertomografie an Krebs erkranken

Der Einsatz der Computertomografie, die anfangs als vollkommen unbedenklich galt, ist in den letzten Jahrzehnten explodiert. Auch wenn die Strahlung bei den neuen Geräten immer geringer wird, so ist die Belastung höher als bei herkömmlichen Röntgensystemen und wird CT immer häufiger eingesetzt. In den USA wurden 2007 70 Millionen CT-Scans ausgeführt, 1980 waren es noch 3 Millionen. Die schon seit Jahren geführte Diskussion geht darüber, ob die mit CT einhergehenden Strahlungsbelastung für die untersuchten Menschen dennoch Vorteile bringt oder ob das Risiko höher als der Nutzen ist, also die Lebenserwartung verkürzt wird.

Auch wenn die von CT-Systemen ausgehende Strahlung sehr unterschiedlich ist, könne ihr Einsatz, so warnen nun Wissenschaftler erneut in zwei Studien, die in den Archives of Internal Medicine erschienen sind, in den USA zu zehntausenden künftigen Krebserkrankungen führen. Trotz des weit verbreiteten Einsatzes sind bislang die typischen Belastungswerte aber wegen der vielen unterschiedlichen Systeme nicht bekannt. Allerdings, so Autoren, setzt eine Brust-Computertomografie einen Patienten etwa der hundertfachen Strahlenbelastung eines normalen Röntgengeräts aus. Auch wenn die Belastungen für den Einzelnen vermutlich klein sind, so die Autoren, können auch kleine Risiken durch die hohe Zahl an Patienten, die der mit einer CT einhergehenden Strahlung ausgesetzt sind, eine "beträchtlich Zahl an künftigen Krebserkrankungen" zur Folge haben.

In einer Studie von Wissenschaftlern der University of California in San Francisco wurde die Belastung von mehr als 1.100 Patienten, die 2008 in San Francisco mit den 11 gebräuchlichsten CT-Systemen gescannt wurden, abgeschätzt. Dabei kommt es nicht nur auf das System, sondern auch darauf an, welcher Körperbereich gescannt wird, wie alt der Patient und welchen Geschlechts er ist. Durchschnittlich reicht die Strahlenbelastung für einen Kopf-CT mit 2 Millisieverts bis 31 mSv für ein CT des Brustraums. Aber auch für dieselbe CT-Untersuchung schwankt die Strahlenbelastung bis um das 13-Fache.

Es ist daher nur eine ziemlich ungenaue Abschätzung des Krebsrisikos möglich und Zahlen geben nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit wieder. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei einer Herz-CT etwa eine von 270 Frauen und einer von 600 Männern im Alter von 40 Jahren in höherem Alter an Krebs erkranken wird. Bei einer Kopf-Computertomografie wäre es bei den Frauen 1:8.100 und bei den Männern 1:11.080. Für 20-Jährige würde sich das Risiko allerdings verdoppeln, für 60-Jährige halbieren.

In der zweiten Studie haben Wissenschaftler vom National Cancer Institute in Bethesda eine Risikoabschätzung für die CT-Scans aufgrund von Forschungsbereichten über Krebsrisiken, Umfragen und Versicherungsansprüchen entwickelt. Danach würden die CT-Scans, die in den USA im Jahr 2007 gemacht wurden, in den nächsten 20-30 Jahren zu Krebserkrankungen bei 29.000 Menschen (15.000-45.000) führen. Mit einer 50-prozentigen Sterbewahrscheinlichkeit wären das jährlich um die 15.000 Tote, die auf die Computertomografie zurückgehen. Am riskantesten sind Scans des Unterleibs und des Beckens. Frauen sind stärker gefährdet als Männer. Zwei Drittel der Krebserkrankungen würden bei Frauen auftreten, ein Drittel bei Personen zwischen 35 und 54 Jahren.

Da sich die gefährliche Strahlenbelastung durch die CT in den letzten Jahren deutlich erhöht hat, sollte, so fordern die Wissenschaftler, die Exposition möglichst weitgehend reduziert werden, indem man beispielsweise unnötige Scans vermeidet und die Dosis senkt. Überdies müsse näher erforscht werden, bei welchen Krankheitsbildern und Patienten CTs Vorteile bringen und wo ihr Nutzen geringer als das Risiko ist.

In einem Editorial schreibt Rita Redberg von der University of California in San Francisco angesichts der Befunde, dass die von der Computertomografie ausgehende Strahlenbelastung sehr viel höher sei, als man bislang angenommen habe. Ärzte hätten die Pflicht, bei der Verwendung der Computertomografie genau Nutzen und Risiken abzuwägen und die Patienten über die bekannten Risiken der Strahlenexposition zu informieren. Mehr Informationen, mehr Untersuchungen und mehr Technik führten nicht notwendig zu einer Verbesserung, in vielen Fällen seien die Scans gar nicht notwendig.

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