Entfesselte Naturgewalten
Höhlenballerei und Experimentierlabor: Das Download-Spiel "PixelJunk Shooter" überschreitet erfolgreich Genre-Grenzen
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Der Hilferuf kommt von ganz weit unten. Hunderte Meter sind die Wissenschaftler in das Höhlensystem des Planeten vorgedrungen, immer auf der Suche nach Bodenschätzen, dann schneidet ihnen plötzlich ein unterirdischer Vulkanausbruch den Rückweg ab. Die Lage scheint aussichtlos: Ein breiter Strom glühender Lava trennt das Rettungsschiff von den Überlebenden. Doch mit einem gut gezielten Schuss aus der Bordkanone zapft der Spieler einen unterirdischen See an; das Wasser ergießt sich auf den Lavastrom und lässt ihn erkalten. Weitere Schüsse aus der Bordkanone - und schon ist der Weg durch das Basaltgestein frei. Das Schiff nimmt die Überlebenden an Bord.
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Mit ihrer "PixelJunk"-Reihe hat sich die Firma Q-Games einen hervorragenden Namen gemacht. PixelJunk Shooter ist bereits der vierte Download-Titel, den das Unternehmen aus Kyoto für die Playstation 3 herausbringt. Q-Games versammelt japanische und internationale Gamedesign-Talente unter einem Dach, die Ergebnisse zeichnen sich durch spielerische Originalität aus - und durch eine optisch erfrischende Mischung aus minimalistischem 2D und 1080p-Auflösung. Firmengründer Dylan Cuthbert und seine Mitstreiter legen sich nicht auf ein bestimmtes Genre fest: Nach dem Debüt Racers (2007) präsentierte Q-Games im Jahr 2008 das Tower-Defense-Spiel Monsters und den Platform-Puzzler Eden. Mit "Shooter" legt Cuthbert nun den bisher besten Teil der "PixelJunk"-Reihe vor - auch wenn der Titel etwas unglücklich gewählt ist. Denn in "Shooter" wird zwar ordentlich geballert, der eigentliche Reiz des Spiels liegt aber im Erforschen und Ausprobieren. Wasser, Lava, Stein und Eis sind nur einige der Zutaten, die "Shooter" zu einem faszinierenden Experimentierkasten machen.
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Die Basis, auf der "Shooter" neue Ideen entwickelt, ist denkbar konventionell: Das Höhlenlabyrinth erinnert stark an Spiele wie "Thrust" oder "Sub-Terrania", Klassiker des Sub-Genres Cave Flyer. Mit seinem kleinen, wendigen Rettungsschiff dringt der Spieler immer tiefer ins Innere des Planeten vor, um die verschütteten Wissenschaftler aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Gefahr droht auch von Aliens, die lange im Verborgenenen schlummerten, aber durch die Grabungen aufgeweckt wurden: Mech-Fledermäuse, Krabbelminen und organische Geschütztürme lauern an jeder Ecke und erschweren die Rettungsarbeiten zusätzlich. Erst wenn der Spieler eine bestimmte Zahl von Überlebenden mit dem Greifarm an Bord gezogen hat, öffnet sich das Tor zum nächsten Höhlenabschnitt.
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Der Spaß beginnt, sobald der Spieler die Elemente für sich arbeiten lässt. Das Löschen eines Lava-Pools mit Wasser gehört allerdings noch zu den leichtesten Übungen. Kniffliger ist zum Beispiel, eine meterdicke Eisschicht mit Lava abzuschmelzen, ohne die darunter gefangenen Wissenschaftler zu gefährden. Oder mit explodierendem Grubengas eine Horde Aliens zu beseitigen, ohne selbst das Zeitliche zu segnen. Überhaupt muss der Spieler ständig auf der Hut sein, weil sein Vehikel schnell überhitzt - da hilft dann meist nur noch ein Tauchbad im nahen Wasserbecken.
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Die Rettungsaktionen erfordern eine präzise Choreografie und immer auch Flexibilität für den Fall, dass sie einen unvorhergesehenen Verlauf nehmen. Auf erfolgreiche Kettenreaktionen blickt man mit dem Stolz eines Wissenschaftlers, dem gerade ein spektakuläres Experiment geglückt ist. Ob fest, flüssig oder gasförmig - jede "Zutat" reagiert mit jeder anderen in unterschiedlicher Weise. Besonders Lava und Wasser sind in ihrer Fließdynamik die reinste Augenweide. Die ausgefeilte Spielphysik steht in reizvollem Gegensatz zum Retro-Charme des Spiels. Eine perfekte Ergänzung ist der lässige Elektro-Soundtrack von High Frequency Bandwith, einem Projekt des "The Orb"-Mitbegründers Dr. Alex Paterson.
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Auf seiner Rettungsmission im Untergrund entdeckt der Spieler immer wieder nützliche Objekte. Zum Beispiel Schwämme, mit denen sich Wasser aufnehmen und - einem Löschflugzeug gleich - über Lavabecken abwerfen lässt. Oder feurige Blumenköpfe, die als Lava-Bomben dienen. Tödliche Laserfallen, die so manches Level durchkreuzen, können über Kippspiegel umgeleitet und als Eisbohrer verwendet werden. Als überaus nützlich erweisen sich schließlich die Spezialanzüge, die der Spieler in einigen Höhlen vorfindet. Der "water suit" schießt Wasserstrahlen und kann mit dem Greifarm große Brocken aus Eisflächen herausbrechen; der "magma suit" feuert Lava-Fontänen, die im Eis wie Fräsen wirken und bei Aliens recht unbeliebt sind, aber auch dem Spieler selbst gefährlich werden können. Später tauchen noch zwei weitere Spezialanzüge auf, deren Funktion hier nicht verraten werden soll.
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Das Hauptmanko dieses höchst vergnüglichen Games ist seine Kürze: Schon nach vier bis fünf Stunden Spielzeit hat man die Behausung des letzten Bossmonsters erreicht. "PixelJunk Shooter" besteht aus drei Episoden mit je fünf Höhlen, die wiederum in mehrere Abschnitte aufgeteilt sind. Um eine neue Episode freizuschalten, muss man nicht nur die weit verstreuten Überlebenden einsammeln, sondern auch eine Reihe von Edelsteinen finden, die teilweise unter Eis und Gestein versteckt sind. Der Schwierigkeitsgrad steigt nur langsam an, so dass sich der eine oder andere Spieler anfangs unterfordert fühlen mag. Auch der Wiederspielwert hält sich in Grenzen - es sei denn, man hat es auf die Verbesserung des Punktestands im Online-Ranking abgesehen. "Shooter" bietet einen Koop-Modus an, allerdings nur offline und zu zweit - auch hier wäre mehr drin gewesen. Wirklich schade ist, dass dem Spiel ein Level-Editor fehlt: Was würde der für eine Kreativität freisetzen! Wahrscheinlich möchte Q-Games nicht die Attraktivität eines Erweiterungspacks schmälern, das es bei "Shooter" so sicher geben wird wie schon bei "Monsters" und "Eden". Allzu lange wird das aber hoffentlich nicht dauern - schon jetzt warten viele Fans sehnsüchtig auf Nachschub für ihren Experimentierkasten.
http://www.heise.de/tp/artikel/31/31770/1.html- Bis zu dem Wort "Playstation 3" klang es sehr interessant. Schade. (13.1.2010 9:16)
- Another World (9.1.2010 17:02)
- Re: Pixeljunk erinnert mich stark an... (8.1.2010 22:02)
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