Ist es leichter, eine Freundin als eine außerirdische Zivilisation zu finden?

14.01.2010

Ein britischer Ökonom hat sich den Spaß gemacht, mit der Drake-Gleichung seine Chancen auszurechnen und kam dabei auf eine Wahrscheinlichkeit von 0,0000034 Prozent

Mathematisch kann man viel ausrechnen, wenn man in Formeln Zahlen einträgt. Ob das Spiel bedeutsame Ergebnisse erbringt, hängt von der Sachlage, der Formel und den Daten ab. In der Astronomie hat der Radioastronom Frank Drake Anfang der 1960er Jahre einmal eine Formel entworfen, um einigermaßen abschätzen zu können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sein könnte, dass es außerirdisches intelligentes Leben auf erdähnlichen Planeten in der Milchstraße gibt. Der britische Ökonom Peter Backus von der University of Warwick hat nun diese Formel zweckentfremdet und benutzt, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, mit der er in London einer zu ihm ideal passenden Frau begegnen könnte.

Für diese originelle Verwendung der astrobiologischen Drake-Gleichung mussten natürlich die Faktoren verändert werden. Allerdings suggeriert die Gleichung mehr Aussagekraft, als sie leisten kann, schließlich ist jeder Wert höchst spekulativ. Mit lauter Unbekannten oder höchst groben Schätzungen wird auch das Endergebnis wenig aussagekräftig oder äußerst variabel sein. Je nachdem könnte es vielleicht nur eine sein oder aber ein paar Hundert oder Tausend oder gar ein einige Millionen. Der Wert der Drake-Gleichung liegt denn auch weniger in den Ergebnissen als in der Zusammenstellung von Faktoren, um theoretisch die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein von außerirdischer Intelligenz auf einem Planeten angeben zu können (Ein Kompositum von Unsicherheiten).

N = R fp ne fl fi fc L
= Anzahl intelligenter Zivilisationen in der Galaxis, die im Moment auf Sendung bzw. kommunikationsbereit sind
R = Mittlere Geburtenrate von geeigneten langlebigen Sternen in der Galaxis pro Jahr
fp = Anzahl der Sterne, die Planeten bilden, besitzen und halten
ne = Anzahl der bewohnbaren erdähnlichen Planeten, die ihren Stern im richtigen Abstand (habitable Zone) umlaufen
fl = Anzahl der Planeten, auf denen tatsächlich Leben entsteht
fi = Anzahl der Planeten, auf denen intelligenten Lebensformen herangebildet werden
fc = Anzahl der intelligenten Zivilisationen, die die Technologie und Motivation haben, eine interplanetare Kommunikation zu etablieren
L = Lebensdauer einer technologischen Zivilisation; die Zeitdauer, in der E.T. auf Sendung ist

Peter Backus sieht jedenfalls als ein Ergebnis der Drake-Gleichung an, dass es zumindest die Chance gibt, vielleicht einmal mit einer außerirdischen Intelligenz in Kontakt zu treten. Viel schlimmer aber könnte es sein, für ihn eine Freundin zu finden. Um die Wahrscheinlichkeit herauszufinden, veränderte er augenzwinkernd die Parameter so:

  • N = Zahl der möglichen Freundinnen
  • R = Mittlere Geburtenrate für Menschen in Großbritannien (für UK jährlich 150.000 seit 60 Jahren)
  • Fp = Anteil der Frauen an der britischen Bevölkerung (0,51)
  • ne = Anzahl der Frauen, die in London leben (0,13)
  • fl = Anzahl der Frauen im richtigen Alter (Backus selbst ist 31 Jahre und setzt ein Alter zwischen 24 und 34 Jahren an = 0,2)
  • fi = Anzahl der Frauen in London mit einem Universitätsabschluss (das findet er einfach wichtig für eine Beziehung und spielt auf intelligenten Lebensformen an = 0,26)
  • fc = Zahl der Frauen in London mit einem Universitätsabschluss, die Backus attraktiv findet (sehr spekulativ, Backus geht von einer von 20 Frauen aus = 0,05)
  • L = Lebensdauer in Jahren, die eine Begegnung mit einer für Backus attraktiven Frau mit Hochschulabschluss in London möglich macht (31)

Backus geht für R von der britischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2007 aus. Danach ergibt die Drake-Backus-Gleichung:

N = 60,975,000 x 0.51 x 0.13 x 0.20 x 0.26 x 0.05

N wäre damit nach der Berechnung von Backus 10.510 oder 0,00017% der Gesamtbevölkerung. Da Backus aber unbedingt in London jemanden finden will, wären in London 0,0014 der Bewohner als Freundinnen für ihn geeignet. Das ist nicht schlecht, der Ökonom will aber nun wissen, wie wahrscheinlich es wäre, einer passenden Freundin zufällig zu begegnen, was die Zahl weiter reduziert. Wenn man weiter die Wahrscheinlich berücksichtigt, an einem bestimmten Abend in London einer attraktiven Frau im richtigen Alter mit Hochschulabschluss zu finden, die ein Single ist und auch Backus attraktiv findet, dann werden die Aussichten immer düsterer. Noch schlimmer wird es, wenn man berücksichtigt, mit wie vielen man letztlich auch klar kommen kann. Nach seiner Schätzung mit den 3 zusätzlichen Parametern (1 von 20 Frauen findet ihn attraktiv, die Hälfte ist Single und mit einer von 10 kommt er klar) gäbe es in London gerade einmal 26 Frauen für eine "wunderbare Partnerschaft:

An einem bestimmten Abend gibt es also eine Wahrscheinlichkeit von 0,0000034 Prozent, einer dieser besonderen Menschen zu begegnen. Das ist hundert Mal höher als die Wahrscheinlichkeit, eine außerirdischen Zivilisation zu finden, mit der wir kommunizieren können. Es ist eine Wahrscheinlichkeit von 1:285.000. Nicht großartig.

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