Erfolgreiche Computerspieler erkennt man am Gehirn

Matthias Gräbner 20.01.2010

Wie gut jemand bei Videogames abschneidet, lässt sich an den Strukturen seines Gehirns ablesen

Wer ehrlich ist muss zugeben, dass nach einer Nacht in World of Warcraft, mit einer langen Civilization-Partie oder im Duell mit der virtuellen Pumpgun gewisse kognitive und physische Fähigkeiten nachlassen. Das hat aber weniger mit dem Hobby selbst zu tun als mit den dessen suchtartige Ausübung begleitenden Nebenwirkungen wie etwa Schlafmangel. Widmet man sich Videogames hingegen in verantwortlicher Weise, kann von einer Gefahr für Leib und Seele kaum die Rede sein. Im Gegenteil - regelmäßiges Spielen am Computer trainiert den Menschen auch für andere Tätigkeiten.

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Forscher haben beispielsweise gezeigt, dass nur zehn bis 20 Stunden Videogames genügen, Menschen die Ausübung von Aufgaben zu erleichtern, bei denen es vor allem um die Aspekte Aufmerksamkeit, Auffassung und Durchführung geht. Das ist der Industrie natürlich nicht ganz unrecht, die mit Produkten à la Brainjogging von dem Thema profitieren will. Erfunden haben's aber nicht die Japaner, eher amerikanische Forscher konnten wissenschaftliche Hinweise dafür finden, dass Erfahrung in einer bestimmten Aufgabe sich auch auf andere Aufgaben (auch in der wirklichen Welt) übertragen lässt. Ließ man israelische Flugschüler etwa mit dem von Forschern entwickelten Spiel Space Fortress trainieren, erlernten sie anschließend leichter das Fliegen.

Space Fortress: So stellen sich Wissenschaftler herausfordernde Actiongames vor. Das an der University of Illinois entwickelte Spiel testet mehrere Aspekte menschlichen Denkens.

Allerdings fanden sich auch schon gegensätzliche Befunde: Ließ man Spieleneulinge etwa 20 Stunden lang spielen, verbesserten sich ihre Leistungen keineswegs - während ihnen Game-Profis bei den meisten Aufgaben überlegen waren. Der scheinbare Widerspruch zeigt, dass auch andere Faktoren die Leistungsunterschiede zwischen Spielern und Nichtspielern erklären könnten - etwa die Selbstauswahl, die aus existierenden individuellen Unterschieden folgt. Wer schon bei den ersten Games Misserfolge landet, wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Spieler-Karriere einschlagen als jemand, dem gleich alles gelingt.

Wenn es solche Effekte gibt, dann müssten sie eine Entsprechung im Gehirn haben und sich somit auch messen lassen, so die Vermutung eines amerikanischen Forscherteams. Wie die Wissenschaftler der Idee nachgegangen sind, beschreiben sie nun in einem Paper im Fachmagazin Cerebral Cortex. Vor allem schauten sie sich dazu Gebiete im menschlichen Gehirn an, die mit dem prozeduralen Lernen zu tun haben. Dazu gehören der Nucleus Caudatus und das Putamen, die gemeinsam das Striatum bilden. Das Gehirn aktiviert diese Areale auch, wenn es gerade mit einer viele Aufgaben-Wechsel umfassenden Arbeit beschäftigt ist oder mit bisher untrainierten Jobs zu tun bekommt. Den Nucleus Accumbens hingegen ordnet man als Teil des limbischen Systems den Belohnungs- und Verstärkungsprozessen im Gehirn zu. Er wird vor allem im frühen Phasen des Lernens aktiv. Als Kontrollgröße maßen die Forscher schließlich noch das Volumen des Hippocampus, der eher der Gedächtnisbildung zugeordnet wird.

Nun ließen die Forscher 42 Testpersonen mit geringer Spieleerfahrung am Space-Fortress-Game ausbilden - ein Teil der Gruppe mit einer Variante, die zusätzlich Flexibilität erfordert. Das Ergebnis: das Volumen des Striatums korrelierte mit dem Lernerfolg beim Videospielen. Je größer der Rauminhalt dieser Region, desto besser schnitten die Spieler später ab. Erforderte das Spiel außerdem Flexibilität, dann war nur noch das dorsale Striatum mit Nucleus Caudatus und Putamen ausschlaggebend. Diese Erkenntnis könnte nicht nur die wachsende E-Sports-Gemeinde beim Screening potenzieller E-Sportler nutzen - sie verrät auch etwas über die Rollen bestimmter Teile des menschlichen Gehirns: Wer ein größeres dorsales Striatum besitzt, schneidet bei Flexibilität erfordernden Lernaufgaben besser ab.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31926/1.html
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