Die Hexe von Boston: Mina "Margery" Crandon
Sir Arthur Conan Doyles Krieg der Geister - Teil 2
In dem vehement ausgetragenen Glaubenskrieg zwischen Doyle und Houdini geriet die attraktive Geisterbeschwörerin Margery zwischen die Fronten, die sich schließlich einem mit Wissenschaftlern besetzten Komitee stellte. Nach monatelanger Untersuchung war man davon überzeugt, sie habe die Existenz eines Geistes bewiesen. Doch Doyles vermeintlichem Triumph stellte sich Houdini in den Weg. Selbst über den Tod hinaus setzten die beiden Kontrahenten ihre Fehde fort.
Teil 1: Sir Arthur Conan Doyles Krieg der Geister
Die Authentizität der so populären Geister war in den 20er Jahren von erheblichem Interesse. Die Gattin des US-Präsidenten Coolidge veranstaltete etwa Séancen im Weißen Haus, auch der kanadische Ministerpräsident King hing heimlich dem Spiritismus an. Die spiritistischen Organisationen schickten sich an, in Konkurrenz zu den etablierten Glaubensgemeinschaften zu treten. In Deutschland formierten sich ariosophische Zirkel, die Okkultismus und Politik verbanden.
American Society for Psychical Research
Auch die Zeitschrift "Scientific American" lobte einen Preis für den Nachweis von Geistern aus, worüber die "American Society for Psychical Research" befinden sollte. In das entsprechende Komitee berief man den Harvard-Psychologen und Eugeniker Dr. William McDougall, den Erfinder von Technicolor Dr. Daniel Frost Comstock, den Psychologen und Geistlichen Dr. Walter Franklin Prince sowie den bekannten Geisterforscher Hereward Carrington, der die verstorbene Geisterbeschwörerin Eusapia Palladino gemanagt hatte. Als Sekretär der Jury fungierte der Wissenschaftsjournalist und Mathematiker Malcolm Bird, der zuvor mit Doyle in England vergeblich nach einem echten Medium gesucht hatte. Bird führte die Recherchen durch, um dem Komitee geeignete Kandidaten zu präsentieren, was zunächst kaum gelang. Houdini setzte sich beim Herausgeber erfolgreich dafür ein, ebenfalls diesem Komitee angehören zu dürfen. Doyle protestierte vergeblich aus der Ferne, ein derart voreingenommenes Mitglied sei ungeeignet.
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Wissenschaftliche Untersuchung von Spukphänomenen hatten etwa in England lange Tradition. Der bekannteste Proband war Daniel Dunglas Home(1833-1886) gewesen, der den königlichen Wissenschaftler Sir William Crookes, Entdecker des Elements Thallium und Begründer der Spektroskopie, im Labor davon überzeugen konnte, Gegenstände wie Tische durch Geisterhand zu bewegen, gar eine Zieharmonika spielen zu lassen. Crookes konvertierte nach jahrelanger Untersuchung schließlich zum Spiritismus und postulierte die "psychic force", die Psychokinese. Sir David Brewster, Begründer der optischen Gesetze und Autor des Klassikers "Letters on Natural Magic", brach den Kontakt zu Home ab, weil er sich die Effekte nicht erklären konnte und daher um seinen wissenschaftlichen Ruf fürchtete. Homes lautester Herausforderer war der damals bekannteste Zauberer John Henry Anderson gewesen, der Homes Methoden zwar auch nicht durchschaute, sich aber Erklärungen aus den Fingern saugte, mit denen er gegen den berühmtesten Geisterbeschwörer des Viktorianischen Zeitalters wettern konnte. Auch Doyle hatte Homes Phänomene ein Buchverfasst. Der Tag, an dem ein ebenbürtiges Medium gefunden wurde, schien jedoch endlich gekommen.
Mr. and Mrs. Crandon
Die reizende Kanadierin Mina Crandonwar eine lebenslustige, aus bescheidenen Verhältnissen stammende Frau, in die sich der drei Jahrzehnte ältere sowie sehr vermögende Chirurg Dr. Le Roi Goddard Crandon aus Boston vom Operationstisch aus verliebt hatte. Wie sein Arztkollege Doyle war auch Crandon glühender Anhänger der Geisterwissenschaft. Während Dunkelsitzungen bei einer Spiritistin entdeckte auch Mina ihr Talent, Geister anzulocken. Mina hatte ihren geliebten Bruder Walter bei einem Eisenbahnunfall verloren, der sich nun als Geist um seine schöne Schwester kümmerte. Wenn das Licht verloschen war, konnte man "Walters" Stimme hören, was auch dann noch funktionierte, als man den Crandons zu Kontrollzwecken die Münder zuhielt. Dämonenstimmen gehörten seit den griechischen Eurykliden zum Repertoire der Branche. "Walter" bewegte Gegenstände und warf wie einst die Geister des Daniel Dunglas Home Tische um. An guten Abenden erschien auch schon mal "Walters" Hand.
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| Margery Mina Crandon |
Wie Doyles Kontrollgeist "Pheneas", der von Doyles Frau kontrolliert wurde, wusste auch "Walter" allerhand über die Zukunft zu berichten. Anders als die vielen Hochstapler, welche die Sehnsucht nach Kontakt ins Jenseits gegen Barzahlung bedienten, hatten die äußerst wohlhabenden und gesellschaftlich angesehenen Crandons kein wirtschaftliches Motiv, um zu tricksen. Dr. Crandon reiste mit seiner Frau, die als Spiritistin den Namen "Margery" führte, nach England, wo sie Doyle restlos überzeugte. Obwohl ihre Hände und Füße bei einer Dunkelsitzung kontrolliert wurden, vermochte sie vor Doyle einen Tisch schweben zu lassen. Doyle schlug vor, Margery solle sich dem Komitee stellen.
Séancen in Boston
Dr. Crandon, der am ausgesetzten Geldpreis kein Interesse hatte, handelte Ende 1924 wohlwollende Testbedingungen aus. Das Komitee hielt im Haus der Crandons etliche Sitzungen ab, allerdings ohne Houdini, den niemand informiert hatte. Man wollte ihn erst mit vorzeigbaren Ergebnissen konfrontieren. Während einer Dunkelsitzung löste Kontrollgeist Walter viele der ihm gestellten Aufgaben, bediente etwa eine mitgebrachte elektrische Glocke, während er gleichzeitig ein Tamburin schlug und mit tiefer Stimme sprach. Die Testobjekte waren mit einer fluoreszierenden Paste bestrichen worden, Margerys Hände befanden sich unter Kontrolle der Forscher. Mitte 1925 kam die Jury schließlich zum Ergebnis, dass alle Phänomene authentisch und jeglicher Betrug ausgeschlossen seien, der Preis würde an Margery gehen. Bird verfasste einen entsprechenden Artikel im Scientific American und informierte der Form halber Houdini.
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Der sich übergangen fühlende Magier war außer sich und überzeugte den Herausgeber des Scientific American, die Druckerpressen anzuhalten und erst sein Urteil abzuwarten. Dr. Crandon und Doyle protestierten, da bereits die Anwesenheit des impertinenten Kritikers eine schlechte Atmosphäre bedeutete. Houdini setzte durch, dass die weiteren Sitzungen nicht mehr im Haus der Crandons, sondern in einem Hotel abgehalten und schließlich nach New York verlegt wurden. Trotz Houdinis Präsenz gelangen Margery einige ihrer Wunder. Besonders beeindruckt war Houdini von einem Megaphon, das Margery schweben und auf Anforderung Houdinis vor dessen Füße fallen ließ.
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| Margery Mina Crandon, H.Houdini (vorne), J.Malcom Bird, O.D. Munn |
Houdini ließ die Crandons höflich über seinen Eindruck im Unklaren, informierte jedoch diskret das Komitee über seine fachmännischen Beobachtungen und seine sehr irdischen Erklärung für Margerys Wunder. Der Trickexperte betrachtete sie anerkennend als seine raffinierteste Gegenerin. Er beauftragte seine Requisiteure mit dem Bau einer Kiste für Margery, die jegliche Manipulation durch Beine und Kopf während den Dunkelsitzungen ausschließen sollte.
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Der Mann fürs Grobe
Ins Lager der Crandons gesellte sich der zwielichtige Anwalt und Rüstungsindustrielle Joseph DeWyckoff, der den Erleuchteten den Rücken freihalten wollte. DeWyckoff hatte 1898 vom US Secret Service den Auftrag bekommen, das Wrack des unter mysteriösen Umständen im Hafen von Havanna explodierten US-Schiffes "USS Maine" auf dem Meer zu entsorgen, was eine Aufklärung des umstrittenen Vorfalles erschwerte. Der in seinen rauen Methoden bekannte DeWyckoff bekam Wind von Houdinis Spezialkiste und warnte die Crandons, die hierdurch Zeit für die Entwicklung einer Gegenstrategie gewannen. Crandon telegraphierte an Doyle, Margery werde in solch einer Kiste wohl nicht arbeiten können, jedoch habe "Walter" vorgeschlagen, bei Rotlicht zu agieren. Das wäre in Doyles Augen der unwiderlegbare Beweis gewesen.
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| USS Maine |
Doyle trieben allerdings weltbewegendere Informationen um: "Pheneas", der inzwischen auch durch den Mund Lady Doyles zu sprechen pflegte, berichtete von einer bevorstehenden Naturkatastrophe apokalyptischen Ausmaßes. Diese werde allerdings England verschonen. Währenddessen lief Doyles Film "The Lost World" an, der ein Klassiker wurde, während Houdinis Filme sämtlich floppten und den Zauberer einen Großteil seines Vermögens kosteten. Dennoch trugen sie zur Bekanntheit seines Namens bei.
Die Zollstock-Affäre
Die angekündigte Darbietung bei Rotlicht konnte Margery bei der nächsten Sitzung in New York nicht realisieren. Bei einer Dunkelsitzung mit Kiste vermochte Margerys Geist die Glocke zwar zu läuten, jedoch beim nächsten mal nicht mehr, als man ihren Hals stärker fixierte. Dafür wies die Kiste schließlich Beschädigungen auf – angeblich habe "Walter" randaliert. "Walter" beschimpfte Houdini und wies darauf hin, der Schalter der Glocke sei sabotiert. Tatsächlich war der Hebel durch einen Radiergummi blockiert. Hatte Houdini intrigiert, oder sollte es nur so aussehen? Wer, wenn nicht ein Zauberer, hätte den Radiergummi dorthin zaubern können?
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Bei einem weiteren Versuch forderte "Walter" dazu auf, die Kiste zu öffnen und den "Zollstock" zu suchen. Tatsächlich fand sich dort ein zusammenklappbaren Zollstock, mit dem Margery in der Dunkelheit den Schalter der Glocke etwa mit dem Mund hätte auslösen können. Doch "Walter" beschuldigte den Zauberer, den Zollstock untergeschoben zu haben, um sie durch eine inszenierte "Überführung" zu diskreditieren. Die Darstellungen über diese Sitzung fielen unterschiedlich aus. Die offizielle Protokollierung oblag dem Lager der Crandons, der zufolge sich Houdini vom Geist "Walter" habe einschüchtern lassen.
Nun entbrach ein erbitterter Streit, wer den Zollstock denn tatsächlich eingeschmuggelt hatte, um wen in Verlegenheit zu bringen. Die Spiritisten sahen die Glaubwürdigkeit Houdinis als ruiniert an und weideten sich an der Affäre. Historiker hatten insoweit lange den bekanntermaßen intriganten Houdini in Verdacht, weil 1959 angeblich ein Mitarbeiter Houdinis dies zugegeben habe. Wie Houdini-Biograph William Kalushjedoch 2006 herausfand, ging das Gerücht von einem Amateurzauberkünstler aus, der heimlich ins Lager der Crandons gewechselt war. Für den Vorwurf gegenüber Houdini gibt es keinen Beweis. Die Sabotage einzelner Experimente hätte auch kaum etwas genutzt – die Diskreditierung Houdinis jedoch verfehlte ihre taktische Wirkung nicht. Sofern "Walter" kein echter Geist war, stellt sich die Frage, woher Margery von dem versteckten Zollstock in der Kiste wusste, denn sie hatte wegen der Lichtverhältnisse beim Einsteigen kaum eine Chance, diesen zu entdecken – es sei denn, sie selbst hätte ihn eingeschmuggelt.
An der Kontroverse beteiligten sich auch "Walter" und "Pheneas", die Houdini verwünschten und ihm den nahen Untergang prophezeiten. Zufällig tauschten auch Lady Doyle und Margery Briefe aus – und damit die beiden Kontrollgeister.
Tricks einer Lady
Die Tricks, die Margery anwendete, beruhten nicht nur auf Dreistigkeit und Raffinesse, sondern zu einem Großteil auf ihrem Sexapeal. So war die schöne Margery während der Sitzungen im Sommer nur mit einer Art Kimono bekleidet, um das Einschmuggeln von Hilfsmitteln auszuschließen oder um ungehindert aus sämtlichen Körperöffnungen Ektoplasma zu "materialisieren". Als man sie einmal verdächtigte, etwas unter ihrer Kleidung zu verbergen, legte sie spontan vor der Herrenrunde komplett ab und reichte den Kimono zur Untersuchung. Stets becircte die charmante Frau die Jury-Mitglieder, die sich der Reihe nach in sie verliebten und dadurch positiv eingestellt waren.
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Ein Mann, der während der Dunkelsitzung ihre Hand kontrollieren sollte, berichtete einmal, dass die frivole Frau dessen Hand zwischen ihre Beine geführt, weshalb er für einen Moment habe loslassen müssen – ein für Margery wertvoller Moment, den sie zur Manipulation der vor ihr ausgebreiteten Gegenstände nutzen konnte.
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Ein britischer Geisterforscher namens Eric Dingwall, der 1924 parallel eigene Margery-Forschungen anstellte, hatte mit der Geister-Lady sogar eine Affäre. Auch an dem Spiritisten-Kollegen Carrington hatte Margery ein unfachliches Interesse. Carrington war inzwischen bei den Crandons finanziell hochverschuldet.
Houdini hegte tiefes Misstrauen auch gegen Bird, den er schließlich rausekelte. Erst 1930 sollte Bird gestehen, dass der in Margery verliebte Bird im Dunkeln auf deren Bitte manchmal für sie die Glocke geläutet und weitere Manipulationen begangen hatte.
Bereits vor Margery hatten sich bekannte Geisterbeschwörerinnen in ähnlicher Weise durch Streicheleinheiten und psychologische Belohnungen von Prüfern Wohlwollen verschafft, etwa Anna Eva Fey, Florence Cook, Eusapia Palladino oder "Eva C.". Vor den Sitzungen pflegte Dr. Crandon mit Nacktaufnahmen seiner Frau zu protzen, die in der männlichen Runde Begehrlichkeiten förderten. Margery bestäubte ihre Brust mit luminiszierendem Pulver, was beim Verrutschen des Kimonos einen reizvollen Anblick bot. Auch Houdini hatte Margery vor einer der ersten Sitzungen eine Leibesvisitation angeboten, wonach dem Magier jedoch nicht der Sinn stand. Erstmals war ihr Kalkül nicht aufgegangen.
Margery ermahnte Houdini, sie wolle keinesfalls, dass ihre Kinder in der Zeitung lesen, sie sei eine Betrügerin. "Dann seien Sie eben keine!" hatte dieser pariert. Margery kündigte Houdini wenig damenhaft an, er werde für den Fall, dass er Lügen über sie verbreite, hierfür Prügel beziehen. Als Houdini die Drohung öffentlich machte, bestritt sie diese und stellte dies als weitere Verleumdung hin.
"Walter" ließ Houdini wissen, dieser werde spätestens am Weihnachtsabend 1925 versterben. Auch Doyle telegraphierte Crandon, er habe von seinem Geist "Pheneas" ähnliche Kunde vernommen. Die Presse hatte an den Drohungen aus dem Geisterreich gegen Houdini ihren Spaß.
Krieg
Auch innerhalb des Komitees brodelte es, da sich die lebenden Geister an Houdinis Impertinenz schieden. Prof. McDougall, der an Margery glaubte, sprach sich gegen eine weitere Teilnahme des voreingenommenen Houdini aus. Der Magier ging zum Angriff über und verpflichtete sich pressewirksam, 10.000,- Dollar (heutiger Wert knapp eine halbe Million) an eine wohltätige Organisation zu spenden, falls er nicht jedes Rätsel der Spiritisten aufklären könne.
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Er richtete große Veranstaltung aus, bei der Politiker und Prominente wie anwesend waren, wo er die Effekte von Margery nachahmte und dann die Tricks offen legte. Er legte Wert auf die Feststellung, er sei nicht gegen Spiritismus, sondern lediglich gegen Betrug. Er diskreditierte jedoch den ohnehin schillernden "Dr." Carrington, dieser habe seinen akademischen Titel für 75 $ gekauft. Zudem "materialisierte" spöttisch er ein Foto, das Margerys Bruder "Walter" kurz nach dessen tödlichen Unfall zeigte. Als Fachmann beriet er sogar ein an Spiritismus interessiertes Gremium des Kongresses.
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| Houdini (Links am Tisch) berät ein Kongress-Gremium |
Auch Dr. Crandon mietete eine Halle an, wo er eine öffentliche Séance mit Margery ankündigte. Diese machte jedoch im letzten Moment einen Rückzieher, sodass Crandon vor seinem sensationslüsternden Publikum lediglich einen Vortrag hielt. Crandon, wie Houdini ein Egomane, nutzte seine exzellenten gesellschaftlichen Kontakte, um gegen den Zauberer zu intrigieren.
Houdini griff Doyle persönlich in der Presse an, dieser halte sich für einen Messias, der die Menschheit durch durch seine Lehre vom Okkultismus retten wollen, doch sei dies eine Irreführung der Öffentlichkeit und eine Bedrohung für Vernunft und Gesundheit. Er drohte Doyle auch mit Presseprozessen.Von der Polizei wurde in Los Angeles eine Organisation betrügerischer Spiritisten hochgenommen, die 500 ihrer Kundinnen dazu gebracht hatten, nackt zu posieren. Houdini, der seit Jahrzehnten mit der Polizei schon aus PR-Gründen eine enge Partnerschaft unterhielt, hatte auch hier die Vorfeldermittlungen unterstützt. Allein in Chicago protestierten daraufhin 1.500 Spiritisten gegen Houdinis Tiraden, auf Transparenten wünschte man ihm den Tod, wobei man auf die insoweit hilfreichen bösen Geister vertraute.
Kein Preis
Auch das bislang aufgeschlossene Jury-Mitglied Prof. McDougall beschlichen Zweifel, als sich Margerys "Ektoplasma" bei der Analyse als eher irdischen Ursprungs erwies. Im Februar 1925 gab das Komitee bekannt, dass es Margery den Preis nicht zuerkennen werde. Nur Houdini sah in Margery eine Betrügerin, während die anderen lediglich den Beweis vermissten, außer Carrington, der sein Urteil nicht revidieren wollte. Während Houdini seinen Sieg feierte, sahen die Spiritisten das offizielle Komitee als diskreditiert durch den Hokus Pokus-Künstler Houdini an. Crandon argwöhnte hinter McDougalls Rückzieher dessen Harvard-Kollegen, die ihre Schulwissenschaft verteidigen wollten. Auch Doyle protegierte Margery weiterhin.
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Houdinis Fanatismus ging so weit, dass er seinem sterbenden Bruder in dessen letztem Moment telefonisch instruierte, aus dem Jenseits Kontakt aufzunehmen. Im Gegensatz zu Margerys Bruder ließ der jedoch nichts mehr von sich hören. Houdini unterwanderte mit Detektiven spiritistische Organisationen, kaufte etwa eine Kirche der Spiritualisten und besetzte deren Oberhaupt mit einer angeblichen "Frances Raud", abgekürzt "F. Raud" (Betrug), die unter falsche Flagge hochstapelte, um sich schließlich selbst zu entzaubern. Die Todesdrohungen der Spiritisten nahm er sehr ernst. Seit diesen Tagen soll er stets eine Derringer bei sich geführt haben.
Carrington kreuzte mit Houdini nochmals die Wege, als der Spiritist einen wundertätigen Fakir managte, der in einem Sarg vergraben erstaunlich lange ohne Luft auskommen konnte. Houdini erkannte einen neuen Rivalen, kopierte die Show des Fakirs und überbot dessen Rekorde. Für eine morbide Verbrennungs-Illusion ließ er einen Zinksarg anfertigen, der jedoch in Kürze eine tatsächliche Funktion erfüllen musste.
Tod eines Geisterjägers
Nicht, wie von "Walter" prophezeit, am Weihnachtsabend 1925, jedoch am Halloweenabend 1926 starb Houdini an den Folgen eines Magendurchbruchs. Wohl aus versicherungstechnischen Gründen wurde nach tagelangen Verhandlungen der Anwälte die Legende ausgegeben, die Todesursache sei auf eine angebliche Mutprobe durch Fremdverschulden zurückführen. Die Story ist weder medizinisch haltbar, noch lassen sich zahlreiche anderen Ungereimtheiten in Einklang bringen.
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| Houdinis Beerdigung |
Ausgerechnet Margery zollte dem Verstorbenen Respekt. Doyle bezeichnete ihn öffentlich sogar als seinen großartigen Freund. Jedoch sei Houdinis Tod von der Geisterwelt beschlossen worden, als der Magier seine Kräfte verleugnet und sich gegen die Geister gestellt habe.
DeWyckoff jedoch, der Houdini den Tod gewünscht und zweifelhafte Intrigen gesponnen hatte, richtete sogar ein Freudenfest aus. Wie erst 2006 durch Houdini-Biograph William Kalush bekannt wurde, befand sich unter den behandelnden Ärzten ein Anhänger der Spiritisten und Alternativmediziner, der Houdini eine Substanz spritzte, die nicht verzeichnet wurde, was zu Spekulationen über eine Vergiftung führte. Der Hass mancher Spiritisten, die ihm ernsthaft den Tod wünschten, definitiv ernst zu nehmen. So wurden etwa auch auf einen Autor, der 1979 ein Enthüllungsbuch "The Psychic Mafia"veröffentliche, mehrere Mordanschläge verübt.
Houdinis Tod erleichterte die Spiritismus-Bewegung um ihren härtesten Widersacher. Crandon listete in einem Brief an Doyle schadenfroh eine Häufung an vandalisierenden Wohungseinbrüchen etc. im Houdini-Lager auf, die sich nach dem Tod des lästigen Kritikers seltsamerweise häuften. Auch Carringtons Wohnung wurde später vandalisiert, als er mit den Spiritisten schließlich doch brach. Um Dr. Crandon ranken sich noch andere dunkle Geschichten, die ein zweifelhaftes Licht auf seinen Charakter werfen.
Houdinis Geist
Nach Houdinis Tod begann Doyle sofort eine intensive Korrespondenz mit Houdinis Witwe Bess. Er bedauerte den Streit und diskutierte mit ihr intensiv, ob Houdini nicht doch seine Kräfte erkannt habe. In Houdinis Haus war erstmals ein Spiegel zerbrochen, was Doyle als untrügerisches Zeichen einer Kontaktaufnahme aus dem Jenseits deutete.
Houdini hatte mit seiner Frau Bess eine Code-Nachricht verabredet, mit welchem er für den Fall, dass er als Geist wiederkehren würde, seine Identität beweisen könnte. Jeweils zum Jahrestag von Houdinis Tod veranstaltete das Komitee eine spiritistische Sitzung, bei der man mit Houdini in Kontakt treten wollte. Doyle war an einem ausgerechnet von Houdini erbrachten Beweis für das Reich der Geister denkbar interessiert. Er sandte den von ihm als seinen Nachfolger protegierten Arthur Ford, der als Vertreter der Spiritisten bei der Séance agieren sollte.
Ford machte sich an die inzwischen finanziell angeschlagene und lebensmüde Witwe heran, die wie er massive Alkoholprobleme hatte. Offenbar im Delirium schien Bess Ford den Code genannt zu haben. Die Presse kündigte 1929 an, Ford habe aus dem Geisterreich den Code erhalten, den Bess bestätigt habe. Doch als Houdinis Anwalt vertraulich Doyle von Fords zweifelhaftem Kontakt mit Bess und deren Zustand berichtete, wollte auch Doyle nichts mehr mit dieser Sache zu tun haben. Nach 10 Jahren erklärte Bess ihre Bemühungen, mit Houdinis Geist in Kontakt zu treten, für gescheitert.
"Sherlock Holmes in Heaven"
Doyle verlor mit diversen Spiritismus-Projekten viel Geld, auch überwarf er sich mit "Pheneas" dessen Prophezeiungen einer unmittelbar bevorstehenden Apokalypse auch nach sieben Jahren nicht eingetroffen waren. 1930 folgte Doyle ins Reich der Geister, über das er kurz vorher vor der Kamera referierte. Sein Geist ließ bei mancher Séance von sich hören. So auch bei Margery, der er versprach, einen weiteren Roman zu liefern "Sherlock Holmes in Heaven".
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| Sir Arthur Conan Doyle |
Margery machte nochmals von sich reden, als es ihr gelang, einen Fingerabdruck von "Walter" in Wachs zu sichern. Fingerabdrücke waren durch Sherlock Holmes als unverwechselbares Identitätsmerkmal populär gemacht worden, was die Durchsetzung dieser kriminalistischen Technik begünstigte. Nachdem der geisterhafte Fingerabdruck 1935 jedoch Margerys höchst lebendigem Zahnarzt eindeutig zugeordnet werden konnte, verlor selbst Dr. Crandon sein Interesse an ihr.
Mit Margery verlor die Spiritismus-Bewegung ihre letzte große Geisterbeschwörerin, die vor allem durch ihre Vielseitigkeit bestach. Auch eine der Geschwister Fox, auf welche der Spiritismus ja zurückgegangen war, hatte in hohem Alter ausgepackt, wie die Schwestern ihre geheimnisvollen Klopfgeräusche tatsächlich verursachten. Die meisten anderen enttarnten Medien hatte Houdini auf dem Gewissen. Den Spiritisten, die auf wissenschaftliche Beweise wert legten, blieben so nur noch die unglaublichen, aber immerhin von zahlreichen reputablen Personen bezeugten Berichte über die Wunder des Daniel Dunglas Home aus dem 19. Jahrhundert. Erst in den 60er Jahren bot Nina Kulagina ebenbürtige Poltergeist-Phänomene, für die sie jedoch keine Geister, sondern besondere Kräfte in Anspruch nahm.
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32003/1.html- Ist in Arbeit! (6.2.2010 15:10)
- das 'minchen' (6.2.2010 10:36)
- das ergäbe nun seinerseits wieder einen schönen "Sherlock Holmes" FILM (6.2.2010 0:51)
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