Wechselwelle bei den Krankenkassen wird teuer
Aufforderung von Gesundheitsminister Rösler zum Wechsel der Kasse ist ökonomisch unsinnig
Geht es nach Gesundheitsminister Philipp Rösler von der FDP, so soll der Zusatzbeitrag, von einigen auch kleine Kopfpauschale genannt, den einige Krankenkassen jetzt erheben wollen, neuen Schwung in den Wettbewerb der Kassen bringen. Bis zu acht Euro dürfen die gesetzlichen Krankenkassen ohne Einkommensprüfung von ihren Mitgliedern verlangen. Alternativ haben sie die Möglichkeit, bis zu 37,50 Euro zu kassieren, wenn sie den Zusatzbeitrag auf maximal 1 Prozent des Brottoeinkommens erheben. Letztgenanntes Modell bezeichnen die Krankenkassen als sozial gerechte Variante des Zusatzbeitrages.
Für Minister Rösler ist die Höhe der Zusatzbeiträge ein Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit der Krankenkasse. Wer mit dem Preis-Leistungsverhältnis nicht zufrieden sei, könne die Kasse wechseln, assistiert auch Jens Spahn, der gesundheitspolitische Sprecher der Union, den Wechselaufruf von Rösler. Zugleich betont der Gesundheitsminister, dass die Kassen in der Pflicht seien, "Zusatzbeiträge möglichst zu vermeiden". Diese seien in der jetzigen Form unsozial, so Rösler in einem Interview mit der Bild-Zeitung.
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Ob die Zusatzbeiträge hingegen tatsächlich eine "Wechsel-Welle" ausgelöst hat, wie die Bild-Zeitung schreibt, darf bezweifelt werden. Zwar bestätigte die Deutsche BKK auf Nachfrage von Telepolis die Zahl von rund 1.000 Austritten, wies jedoch gleichzeitig darauf hin, diese nicht zu überschätzen. Die Anzahl der Austritte sei allenfalls leicht erhöht, so eine Sprecherin. Auch mit Blick auf die Gesamtzahl der Versicherten bei der Deutschen BKK von über einer Million sind die genannten 1.000 Austritte wohl nicht als große Wechselwelle zu verstehen. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), für die Bild 5.300 Austritte nennt, war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen. Doch auch diese Anzahl erscheint vor dem Hintergrund der Mitgliederzahl von 4,5 Millionen nicht als große Fluchtbewegung der Versicherten.
Experten geben zu bedenken, dass ein Wechsel, wenn überhaupt, dann nur kurzfristige Einspareffekte für die Versicherten hat. Es wird damit gerechnet, dass fast alle Kassen in der nächsten Zeit einen Zusatzbeitrag erheben werden. Insgesamt gesehen bedeuten die Wechsel eine Vernichtung von Beitragsgeldern, die besser in der Behandlung von Patienten investiert werden könnten. Durch die Bürokratiekosten und das Ausstellen neuer Versichertenkarten entstünden hohe Kosten, so der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem.
Gesundheitsminister Philipp Rösler plant derweil die Einführung einer so genannten Kopfpauschale und verknüpfte dieses Projekt sogar mit seiner politischen Zukunft. Laut Röslers Vorstellungen sollen alle gesetzlich Versicherten unabhängig von ihrem Einkommen einen einheitlichen Beitrag zur Krankenversicherung zahlen. Über Steuergelder sollen diejenigen unterstützt werden, welche sich den Einheitsbeitrag nicht leisten können. Mit einem solchen System droht, eine weiter verstärkte Bürokratisierung im Gesundheitssystem, die letztlich eine weitere Kostenquelle darstellt und zur Verunsicherung der gesetzlich Versicherten beitragen kann. Das Modell des Sozialausgleichs, so Jürgen Wasem in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur, führe zu einem ständigen Machtkampf zwischen Finanzminister und Gesundheitsminister. Gerade in Zeiten klammer Kassen müssen Geringverdiener daher um die staatlichen Zuschüsse bangen.
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32028/1.html- Re: Absolut richtig,aber... (13.2.2010 1:54)
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- Re: Hartz IVler *müssen* wechseln (6.2.2010 10:29)
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