Lebewesen mit der Option der Selbstzerstörung

Florian Rötzer 20.02.2010

Im Pentagon würde man gerne die "Synthetische Biologie" für sich nutzbar machen und denkt dabei auch an die Ausschaltung des Zelltods

Das Pentagon will natürlich weiter die Nase vorne haben und hat nun die Synthetische Biologie entdeckt, also die Entwicklung von biotechnischen Möglichkeiten, neue oder natürlich nicht vorhandene Lebensformen oder biologische Prozesse zu schaffen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Im Forschungsteil des Pentagon-Haushalts für das Jahr 2011 spricht die Darpa, die berühmt-berüchtigte Forschungsabteilung des US-Militärs, von "BioDesign" als einem "neuen intellektuellen Verständnis biologischer Funktionalität". Der Ansatz gehe davon aus, dass durch eine bessere Kenntnis biologischer Prozesse "in Kombination mit Biotechnik und synthetischer chemischer Technik die Menschen Methoden der Systemtechnik verwenden können, um neuartige nützliche Prozesse zu erzeugen".

Wem das zugute kommen soll, liegt in der Rüstungsforschung auf der Hand. Man wird sich aber auch nicht wundern, dass die Darpa gleich hochfliegende Pläne hat, die sie dann allerdings doch nur mit knappen 4 Millionen US-Dollar in die Wege leiten will. Interessant sei, so heißt es weiter, am ingenieurwissenschaftlichen Ansatz der Biotechnik, dass die Zufälligkeit der biologischen Entwicklung durch die Evolutionsprinzipien wegfallen und man direct das gewünschte Produkte bzw. den gewünschten Organismus herstellen kann. "Intelligent Design" also aus der religiösen Evolutionskritik umgesetzt in die technische Machbarkeit.

Die Aussichten werden durchaus rosig gemalt, wahrscheinlich sind die wirklichen Utopisten heute in die Rüstungs- und Sicherheitsforschung ausgewandert. Ohne das ewige Leben scheint man auch da nicht auszukommen, schließlich wird als eine der Hauptanwendungen ausgemacht, dass man gezielt molekulare Reaktionen herstellen können, " die die Abwehr gegenüber zellulären Todessignalen erhöhen". Dabei geht es nicht nur um bessere Verteidigungsmöglichkeiten auf dem biologischen Schlachtfeld in den Körpern, sondern auch explizit um die "Herstellung einer neuen Generation von regenerativen Zellen, die unbegrenzt leben können". Gedacht ist hier konkret erst einmal an Zellen, die vorrätig gehalten werden können, um sie bei Bedarf (Krankheit, Verletzung) in den Körper einbauen zu können.

Einen anderen wichtigen Forschungsbereich des BioDesign sehen die Darpa-Wissenschaftler noch darin, die neuen Bioprodukte manipulationssicher und nachweisbar zu machen, was natürlich auch in den Kopierschutzbereich und die Pirateriebekämpfung hineinreichen würde. Gedacht wird an "genetisches Tagging" oder eine Art "genetischen Verschluss" künstlich hergestellter Moleküle.

Bescheidener geht es zwar auch um die Entwicklung von Programmen zur schnellen und genauen Berechnung der Protein-Konformation oder zur Vorhersage der Konformation von biomimetischen oder hybriden Polymeren. Aber dann geht die Fantasie der "mad scientists" der Darpa doch noch einmal durch. Sie hätten nämlich gerne, dass Forscher Strategien entwickeln, um die "Option der Selbstzerstörung" in künstliche Organismen einzubauen, damit schädliche Organismen abgeschaltet werden können. Insgesamt sollen 20 Millionen Dollar in die Synthetische Biologie investiert werden.

Auch das Prothesenprogramm soll weitergeführt werden. Bislang habe man nur sehr beschränkte, grob motorisch steuerbare Prothesen für Arme und Hände entwickeln können, wird beklagt. Amputierte Soldaten könnten damit noch lange nicht wieder an der Front eingesetzt werden. Um die Cyborgs mit vollständigen Funktionen der Gliedmaßen doch zu erhalten, müsse aggressiv weiter geforscht werden. 2009 sei zwar bereits ein sensorisches Feedback entwickelt worden, 2010 soll die Möglichkeit einer direkten neuronalen Kontrolle abgeklärt werden. Während man aber 2009 noch über 24 Millionen Dollar und 2010 noch 15 Millionen Dollar in das Prothesenprogramm investierte, sollen es 2011 nur noch 12 Millionen sein.

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32041/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS