Wohl bekomm's!

Über einen wunderbaren Dreiklang aus Vegetarismus, Christentum und Geschäftstüchtigkeit

Mit Feuereifer und der Bibel in der Hand gehen Baptisten in den USA jetzt die Ernährungsgewohnheiten ihrer Landsleute an.

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Christliche Sekten und ihre Führer umgeben sich ja gern mit der Aura der althergebrachten Seriosität und Würde. Manchmal ist es schön und lehrrreich, wenn aus dem Wunsch nach Selbstnobilitierung durch Amt und Würden der schiere Unsinn hervorblitzt, der Religionen immer auch unterfüttert. Dass deutsche Geistliche jederzeit bereit sind, um Top-Rankings auf der Gaga-Skala zu kämpfen, hat neuerdings wieder ein alter Haudegen auf diesem Gebiet klar gemacht: Bischof Mixa äußerte, der fortlaufende Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sei durch die "Sexuelle Revolution der 68er" mithervorgerufen worden.

Das ist schön und gut, aber seine amerikanischen Kollegen lassen sich den Schneid so schnell nicht abkaufen. Baptistische Geschäftemacher oder geschäftstüchtige Baptisten haben nun das gottesfürchtige Essen auf die Tagesordnung gesetzt.

Frei von jeder Bibelkenntnis (die über Essensvorschriften bestenfalls widersprüchliche Angaben macht), arbeiten sich die tapferen baptistischen Recken an der schweren Aufgabe ab, ihren Landsleuten gleichzeitig das gesunde, gottgefällige Essen beizubringen und das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber mit dem Verkauf von überteuertem Nahrungszusatzfirlefanz und der Halleluja-Diät ist heuer nicht mehr viel zu gewinnen, da müssen schon Innovationen her. Und die baptistischen Diätetiker gehen nun den entscheidenden Schritt weiter.

Sie gründen Lebensgemeinschaften, Gated Communities der spirituellen, körperlichen und finanziellen Gesundheit, so proper, wie man sie noch nie gesehen hat. Nicht einmal in "Willkommen in Wellville", wo unter dem Deckmäntelchen der gesunden Ernährung pädagogischer Terror und Heuchelei den Alltag bestimmten.

In den geplanten Halleluja-Dörfern wird es sicher auch nicht so zugehen, wie einst in Fordlandia, dem brasilianischen Desaster Henry Fords. Nein, regelmäßige Gehirnwäsche, Darmspülungen und Hypothekenzahlungen werden kernige Christen hervorbringen, die sich jeder Anfechtung durch das moderne Leben gewachsen sehen. Für alle anderen ist das einzig Hoffnungsfrohe an dem unfreiwillig komischen Werbevideo zur Halleluja-Siedlung, dass der internationale Flughafen von Charlotte, North-Carolina nicht weit entfernt sein wird.

Man kann die Geisterbahn also auch relativ einfach wieder verlassen. Vorausgesetzt, sie verwandelt sich nicht in eine neue Colonia Digidad. Oder in ein Jesuiten-Gymnasium.

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32143/1.html
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