Rollenspiel-Puzzles
Ubisofts "Might & Magic: Clash of Heroes" und Konamis "Puzzle Chronicles"
Die Kombination aus Rollenspiel und Puzzle formt seit einigen Jahren ein eigenes Videospiel-Genre. Ubisoft betritt den Markt mit der bekannten "Might & Magic"-Marke. Konami setzt für "Puzzle Chronicles" mit dem Entwickler Infinite Interactive auf einen der Genre-Pioniere.
Chroniken
Ursprünglich bedienten Puzzle- und Rollenspiele recht unterschiedliche Zielgruppen, da letztere mit langen Spielzeiten bis zu über hundert Stunden viel Geduld vom Spieler erfordern, während die Puzzles eher auf kurze Spielrunden setzen und mittagspausentauglich sind. Die Hybris der beiden hat üblicherweise weniger ausgefeilte Charaktere und Hintergrundgeschichten als herkömmliche RPGs (Role Playing Games). Beides dient vor allem der Verknüpfung der Puzzles, auf denen der spielerische Schwerpunkt liegt und die das Kampfgeschehen mehr oder weniger abstrahieren.
Puzzle Quest, das wie Puzzle Chronicles vom australischen Entwicklerstudio Infinite Interactive stammt, gehört zu den bisher erfolgreichsten Puzzle-RPGs. Das ursprünglich für DS und PSP und inzwischen auch für diverse Konsolen und PC erschienene Spiel erweitert das Bejeweled-Konzept von PopCap und nimmt als Setting das von Infinite-Interactive stammende Warlords-Universum.
![]() |
|
| "Puzzle Chronicles" auf dem DS |
Für "Puzzle Chronicles" haben die australischen Entwickler ein eigenes Puzzle-Konzept entworfen, das verschiedene Prinzipien kombiniert. Das Spielfeld wird vom Spielercharakter und dessen Gegner gleichzeitig benutzt und ist anfangs in der Mitte getrennt. Ähnlich wie bei SegasColumns fallen drei miteinander verbundene, farbige Steine in ein Spielfeld - die des Spielers horizontal von links, die des Gegners von rechts. Der Spieler kann den Dreierblock drehen und verschieben, bis er auf die Trennlinie oder bereits gelagerte Steine trifft.
Die Regeln sind etwas umständlicher als das typische Bilden von geschlossenen Reihen oder Farbformationen: Neben den normalen Steinen gibt es sogenannte Rage- und Battle-Gems. Letztere entfernen alle verbundenen Steine derselben Farbe und füllen damit Kraftreserven auf. In Kombination mit den Rage-Gems führt der Charakter einen Angriff aus, der die Trennlinie in die Richtung des Gegners verschiebt und damit dessen Spielraum verringert. Das Ziel ist ähnlich wie beim Zweispielermodus von "Tetris" für den DS, den gegnerischen Bereich zum Überlaufen zu bringen. Dies sind nur die einfachen Grundregeln. Hinzu kommen zahlreiche Extras wie Multiplikatoren und spezielle Angriffe.
|
|
Das Spiel ist letztendlich nicht sonderlich komplex, aber da fast das komplette Repertoire von Anfang an verfügbar ist, hat "Puzzle Chronicles" eine recht steile Lernkurve. Die erste Stunde verbringt der Spieler vor allem damit, die Regeln zu erfassen. Nach zehn bis fünfzehn Kämpfen geht die Planung und Steuerung sehr gut von der Hand. Der Schwierigkeitsgrad steigt im weiteren Spielverlauf nur mäßig. Zwar beherrschen die verschiedenen Gegner unterschiedliche Spezialangriffe, die beispielsweise für eine gewisse Zeit das Drehen der fallenden Blöcke verhindern, aber meist genügt für den Sieg die Konzentration auf die eigenen Möglichkeiten. Wer eine höhere Anforderung möchte, kann in den Optionen den Schwierigkeitsgrad erhöhen.
![]() |
|
| "Puzzle Chronicles" auf der PSP |
Zusätzlich zu den normalen Kämpfen gibt es Minispiele, mit denen der Spieler beispielsweise seinen tierischen Mitkämpfer trainiert oder Dungeons freischaltet. Diese Puzzles sind eher klassisch: Beispielsweise verschwinden Steine, wenn vier gleichfarbige miteinander verbunden sind. Der Rollenspielanteil liegt darin, dass der Hauptcharakter für jeden - auch verlorenen - Kampf Erfahrungspunkte erhält. Erreicht er eine neue Stufe darf er vier Grundattribute steigern, die sich unterschiedlich auf das Puzzle-Geschehen auswirken. Zudem findet er Gegenstände, die ihm Vorteile im Kampf verschaffen.
Die Hintergrundgeschichte erinnert ein wenig an Conan der Barbar. Die im Comic-Stil gehaltenen Bilder und Animationen sind durchaus sehenswert und bilden trotz der simplen Handlung eine nette Untermalung. Auch die durch das Puzzle-Geschehen abstrahierten Kämpfe werden oberhalb des Spielfelds - beim DS auf dem oberen Bildschirm - visualisiert.
Die DS-Version hat damit offensichtlich Performance-Probleme: Während mancher Animationen reagiert das Spiel verzögert auf die Eingabe. Die PSP hat damit keine Probleme, verlangt jedoch viel Geduld vom Spieler: Vor und nach den Kämpfen sowie für jedes Story-Element lädt sie mehrere Sekunden. Der Verdacht liegt nahe, dass "Puzzle Chronicles" zu wenig für die einzelnen Plattformen optimiert wurde. Die als Download verfügbaren Versionen für PS3, XBox 360 und PC, die demnächst erscheinen, werden hoffentlich flüssig laufen.
Die technischen Probleme ruinieren den Spielspaß nicht, mindern ihn aber merklich. Da selbst die verzögerte Steuerung am DS keine echte Katastrophe ist, wäre das verzeihlich, wenn das Puzzle-Konzept an sich stärker wäre. Leider bleibt Konamis Titel dabei Mittelmaß. Offensichtlich haben die Entwickler mit Gewalt versucht das altbewährte Grundgerüst aus fallenden, bunten Steinen mit neuen Regeln zu versehen und es dabei überladen. Gerade im Puzzle-Genre ist jedoch weniger meist mehr: Spiele wie "Bejeweled" und "Tetris" besitzen gerade wegen der einfachen Regeln einen hohen Suchtfaktor. Eben den hat "Puzzle Chronicles" kaum.
Helden
Dass Ubisoft die Might-And-Magic-Serie mit einem einem Puzzle-RPG-Strategie-Mix fortführt, ist zunächst verwunderlich, aber in der Historie des Wandels beinahe konsequent: Ursprünglich begann "Might And Magic" als klassisches Rollenspiel - die Wurzeln hat es auf dem Apple II. Im Verlauf der neunteiligen RPG-Serie veröffentlichte New World Computing das Strategiespiel "Heroes of Might And Magic" als zunächst äußerst erfolgreiches Spin-off. Das Unternehmen wurde 1996 von The 3DO Company übernommen, die beim gemeinsamen Bankrott im Jahr 2003 die Rechte an "Might And Magic" an Ubisoft verkauften. Unter der Leitung von Ubisoft erschien schließlich im Jahr 2006 noch der fünfte und bislang letzte Teil von Heroes of Might And Magic. Dazu gibt es weitere Spin-Offs und Remakes, darunter auch das MMO Heroes of Might & Magic Kingdoms, das in Deutschland bisher nicht spielbar ist.
Bereits im Jahr 2000 erschien eine Version für Nintendos Handheld Konsole, die damals der Game Boy Color war. Das Spiel versuchte weitgehend das PC-Vorbild direkt auf den Game Boy umzusetzen und kam bei den Kritikern weniger gut an.
![]() |
|
| "Might & Magic: Clash of Heroes" |
Zum Glück verzichtet Ubisoft für Might & Magic: Clash of Heroes auf eine Portierung der bekannten Strategieelemente und hat das Studio Capybara Games (Critter Crunch) mit der Entwicklung eines eigenständigen Spiels beauftragt, das Puzzle-, Rollenspiel- und Strategieanteile vereint. Inhaltlich ist das DS-Spiel eine Prequel zum fünften "Heroes"-Teil und spielt etwa 40 Jahre früher.
Auch in "Clash of Heroes" bilden die als Puzzle gestalteten Kämpfe das zentrale Spielelement. Sie sind aber weit strategischer als in anderen Genre-Vertretern. Der untere Bildschirm beherbergt die Einheiten des Spielers, der obere die gegnerischen. Das Puzzle-Element liegt in der Vorbereitung der Angriffe und Verteidigung. Insgesamt gibt es drei Spielfarben. Pro Zug darf der Spieler eine Einheit bewegen oder entfernen. Verbindet er dabei drei gleichfarbige Einheiten vertikal, bilden sie eine Angriffsformation. Koppelt er drei bis fünf gleichfarbige Einheiten horizontal, formen sie einen Verteidigungswall.
Die Kämpfe sind rundenbasiert. Die Gegner haben üblicherweise drei Züge pro Runde um Truppen zu bewegen, zu entfernen oder herbeizurufen. Kettenreaktionen erhöhen die Zahl der Züge. Die Angriffe erfolgen nicht direkt, sondern benötigen eine von der Formation abhängige Rundenzahl. Das Ziel in den normalen Kämpfen ist die Lebensenergie des Gegners auf null zu bringen. Dazu müssen sich die Angriffe aber zunächst durch die gegnerischen Truppen und Verteidigungswälle kämpfen, die Teile der Kraft schlucken.
![]() |
|
| Einer der Bosskämpfe in "Clash of Heroes" |
Es reicht somit nicht aus, nach möglichen Farbkombinationen zu schauen, sondern der Spieler muss stets die andere Spielhälfte im Auge behalten: Steht beispielsweise auf der linken Seite ein starker Angriff ins Haus, sollte er sich zunächst auf die dortige Verteidigung bemühen. Umgekehrt sind Attacken auf wenig bewachte Reihen effektiver als gegen starke Wälle, auch wenn dadurch vielleicht ein Zug verloren geht.
Im späteren Verlauf bekommt der Charakter zusätzlich zu den normalen Truppen noch Elite- und Champion-Einheiten. Diese benötigen länger für die Vorbereitung und Ausführung eines Angriffs, sind dafür aber deutlich mächtiger und besitzen Spezialfähigkeiten: Beispielsweise springen Hirsche über Verteidigungswälle und Vampire übertragen die gegnerische Lebensenergie auf den eigenen Charakter. Die Art der Einheiten hängt von der Herkunft, der Fraktion des jeweiligen Helden ab. Wer "Heroes of Might And Magic" kennt, wird die Truppen wiedererkennen.
![]() |
Mit dem Städteaufbau und Truppenmanagement von "Heroes of Might & Magic" hat die DS-Version wenig gemein - und das ist offensichtlich der richtige Weg für den Spielspaß auf der Handheld-Konsole. "Clash of Heroes" gelingt der Genremix im Gegensatz zu "Puzzle Chronicles" sehr gut. Der Spieler fängt mit den Basiseinheiten in einfachen Kämpfen an und lernt so erst einmal die grundsätzlichen Möglichkeiten kennen. Die Komplexität steigt sanft, ebenso der Schwierigkeitsgrad. Auch nach mehreren Stunden Spielzeit bleiben die Kämpfe dafür anspruchsvoll. Gelegentliche spezielle Aufgaben, in denen der Spieler beispielsweise die Angriffe synchronisieren muss, um zwei Stellen im gegnerischen Spielfeld gleichzeitig zu treffen, sorgen für zusätzliche Abwechslung. "Clash of Heroes" hat nur wenig mit "Heroes of Might And Magic" gemein, gehört aber gerade wegen des speziell für Nintendos Handheld entworfenen Konzepts zu den wirklich guten Third-Party-DS-Titeln.
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32191/1.html- toller Artikel (28.4.2010 14:26)
- Hydrotische Phrasen (22.3.2010 18:01)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.





