"Die Ansprüche sind gewachsen"

Frank Magdans 07.03.2010

Intenium-Chef Konstantin Nikulin über den Markt der Casual Games, den Spielen für zwischendurch, und das Onlineprodukt Alamandi

Mit der Wimmelbildreihe Geheime Fälle und Portalen wie deutschland-spielt.de gehört Intenium nicht nur zu den größten Firmen innerhalb des Casual-Games-Sektors, diesen Monat startet auch das erste eigens entwickelte Casual-Multiplayer-Online-Game namens Alamandi. Welchen Spielraum sieht Intenium-Gründer und -Geschäftsführer Konstantin Nikulin gegenüber Titeln, die man über soziale Netzwerke spielt? Und wie entstand Alamandi?

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Konstantin Nikulin hat Intenium 2003 gegründet und blickt auf ein überdurchschnittlich gutes Wachstum. Bild: Intenium

Herr Nikulin, seitdem so viel über FarmVille zu lesen ist, vernimmt man auch mehr und mehr den Begriff Social Games. Inwiefern kann sich Intenium mit Alamandi gegen Titel auf Facebook behaupten?

Nikulin: Das ist überhaupt keine Schwierigkeit. Denn es wird nie abreißen, dass sich die Leute auf eine Sache konzentrieren. Gestern war es Second Life, heute ist es Facebook, und morgen ist es dann wieder etwas völlig anderes, über das man spricht. Außerdem halten wir an unserer Strategie fest, unabhängig zu bleiben. Startet man hingegen nämlich ein Projekt über Facebook oder ein anderes soziales Netzwerk, dann sind einem irgendwann die Hände gebunden.

Gemeinsam statt einsam und ein hoher Anteil an weiblichen Avataren: Alamandi. Screenshot: Magdans

Also doch bloß wieder mal viel zu viel Hype?

Nikulin: Zu einem gewissen Grad ja. Ich finde ohnehin einen anderen Trend weitaus beachtenswerter, kann man mit der Art von Spielen, die es vor fünf Jahren gegeben hat, doch heute sowieso niemanden mehr locken. Die Ansprüche seitens der Konsumenten sind gewachsen.

Soll heißen, dass Casual Games, die gemeinhin als rasch gestricktes, simples Unterhaltungsprodukt gelten, zunehmend komplexer werden?

Nikulin: Klar, man kann niemandem mehr mit oberflächlichen Storys, öden Effekten und wenigen Levels kommen. Aber worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Entweder man investiert immer mehr Ressourcen – also letztlich zunehmend Finanzen – in die Produkte oder man geht den nächsten Schritt und beginnt eine konzeptionelle Neuausrichtung. Es geht zwar schon lange Zeit auf Konferenzen das Gerücht herum, jeder habe etwas in der Mache, jedoch habe ich bis dato noch nichts Aufregendes gesehen. Wir haben lange nach einem Multiplayertitel gesucht, wollten eine Lizenz erwerben. Allerdings ohne Erfolg. Es war nichts in Entwicklung. Deswegen mussten wir die Produktion selbst angehen, sozusagen aus der Not heraus.

Klassisches Spielprinzip im Wettstreit: Wer zuerst die Schildkröte nach unten lotst, gewinnt. Screenshot: Magdans

Dass Casual Games überhaupt so boomen, womit steht das Ihrer Meinung nach in Verbindung?

Nikulin: Ich denke, die Wirtschaftskrise hat dazu beigetragen – so verrückt das auch klingen mag. Die Menschen haben es vermutlich satt, von den Medien ständig mit negativen Nachrichten bombardiert zu werden. In dem einen Ort wird ein Werk geschlossen, woanders entlässt man hundert Leute oder mehr. Da geht man lieber ins Kino oder widmet sich einem Computer- oder Videospiel, als sich unentwegt Sorgen um Morgen machen zu müssen. Und selbstverständlich sitzt das Geld leichter, wenn ein Titel nur 15 anstatt 65 Euro kostet.

Nun springt einem die Menge an neuen Titeln und ihre Ähnlichkeit untereinander so sehr ins Auge, dass man sich tatsächlich fragt, wer das alles kaufen soll.

Nikulin: Ja, irgendwann erschöpft sich das Ganze, vielleicht schon in zwei, drei Jahren. Deswegen schlagen wir mit Alamandi einen neuen Weg ein. Man kann in diesem Fall eigentlich gar nicht mehr von einer klassischen Casual-Games-Produktion sprechen, da viel mehr Zeit und viel mehr Kosten investiert werden, wodurch zugleich das Risiko, einen Verlust einzufahren, größer ist.

Andererseits können Sie doch bestimmt anhand der Betaphase absehen, wie gut Alamandi ankommt, oder?

Nikulin: Sicherlich. Die Resonanz hat unsere Erwartungen übertroffen, bereits Mitte Februar hatten wir die Hälfte des Entwicklungsbudgets wieder in der Kasse. Zudem haben wir mit der Telekom einen Vertrag zur Vermarktung unterschrieben.

Und mit Ravensburger kooperieren Sie ebenfalls. Wie darf man sich das konkret vorstellen?

Nikulin: Innerhalb von Alamandi gibt es eine Halbinsel, mit Klassikern wie Memory oder Das verrückte Labyrinth.

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32192/1.html
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