Haderthauers Eltern-Köder

Thomas Pany 08.03.2010

Die bayerische Sozialministerin will bei der Rente zugunsten von Familien umverteilen

Die Unsicherheit ist groß; kaum einer von den heute Vierzigjährigen kann auf eine sichere Rente zählen, Familien schauen neidisch auf die gut verdienenden Doppelverdienerpärchen ohne Kind, die mehr Arbeits-und Erholungsmöglichkeiten haben und denen es besser gelingt, Ersparnisse auf die Seite zu legen.

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Nach Schätzungen, die jüngst in Großbritannien publik wurden, kostet ein Kind die Eltern bis zum Alter von 21 Jahren etwa 200 000 Pfund, umgerechnet rund 220 000 Euro. Das Statistische Bundesamt hat 2008, gestützt auf Zahlen von 2003, errechnet, dass ein Kind den Eltern durchschnittlich 550 Euro im Monat kostet, bis es die Volljährigkeit erreicht, würde es sie demnach etwa 120 000 Euro kosten, für das Lebensalter von 21 Jahren käme man auf etwa 140 000 Euro. Solche Rechenexempel sind mit größter Vorsicht zu behandeln, da das Spektrum an möglichen Einsparungen und Ausgaben weit differiert.

Einer der wesentlichen Posten, Betreuung und Ausbildung der Kinder, zeigt hier größte Unterschiede. So gibt es in meinem Bekanntenkreis, Eltern mit vergleichbaren Einkommen, die keinen Euro für Kindergarten und -krippe bezahlen, wohingegen andere allein für die Betreuung pro Kind bis zu 300 Euro monatlich aufbringen. Die Unterschiede gründen sich dabei nicht so sehr, wie man es erwarten könnte, auf die höheren Ambitionen der Eltern, sondern lassen sich in vielen Fällen mit dem Wohn-und Arbeitsort der Eltern erklären.

Die beträchtlichen Kosten setzen sich mit der Schulausbildung fort, wo Doppelverdiener-Eltern dafür sorgen müssen , dass ihr Kind auch nachmittags betreut wird; Plätze an Ganztagesschulen sind in manchen Städten selten und begehrt wie gute Arbeitsplätze oder Wohnungen und die Bewerbung für die Raritäten sind von Demutsgesten begleitet, wie man sie sonst nur in Castingshows sieht, das gleiche gilt für die Mittagsbetreuung. Der Mangel produziert nicht nur unwürdige Verhaltensweisen, sondern vor allem höhere Kosten. Sollte sich der Nachwuchs für ein Hochschulstudium entscheiden, dauert die Unterstützung deutlich länger als bis ins Alter von 21 Jahren und kann je nach Aufwand des Studiums ziemlich teuer werden.

So sind Eltern seit längerem schon ein guter Adressat für Politiker, die ihnen finanzielle Erleichterung versprechen. Gute Möglichkeiten dafür gibt es, etwa beim Ausbau von Ganztagesschulen oder dem Abbau von Studiengebühren, beim Kindergeld, das gerechter verteilt werden könnte, doch scheint Politikern ein anderer Weg attraktiver: Versprechungen, die die Rente betreffen. Vorschläge, die Familien bei der Rente zu entlasten, werden seit vielen Jahren und von unterschiedlichen Parteien vorgebracht.

Der jüngste stammt von Christine Haderthauer (CSU), die in Bayern dem Sozialministerium vorsteht und ihrer angeschlagenen Partei ein Profil in der Familienpolitik verschaffen will. Das ist nötig, weil in Bayern auch grundsolide Familien nicht mehr selbstverständlich die CSU wählen und überhaupt der Grundstock der CSU-Wählerschaft zerbröselt.

Derzeit kann man mit Diskussionsvorschlägen im Bereich Sozial-und Familienpolitik schnell Aufmerksamkeit gewinnen, so gesehen ist das Timung auf jeden Fall gut. Haderthauers Forderung nach einem "stärkeren Familienleistungsausgleich in der gesetzlichen Rentenversicherung", der heute in der Thüringer Allgemeinen zu lesen ist, wird denn auch als "Vorpreschen" bezeichnet. Eltern sollen nach Aussagen von Haderthauer niedrigere Beiträge in der Rentenversicherung einzahlen und später höhere Rentenleistungen beziehen. Aufkommen sollen dafür die Kinderlosen.

Ich stelle mir vor, dass für jedes Kind bis zum zwölften Lebensjahr der Rentenbeitrag eines Elternteils um 50 Euro monatlich ermäßigt wird.

Eltern könnten nach Haderthauers Plan damit rechnen, dass ihre Rente im Alter weniger gekürzt wird, als dies ansonsten, "wegen der demografischen Entwicklung", vorgesehen ist, heißt es in einem Bericht der Welt.

Die Kosten dieser Maßnahmen kalkuliert Haderthauer auf etwa 5,5 Milliarden Euro in den nächsten 12 Jahren, finanziert würden sie durch nicht näher erklärte "Umschichtungen im Rentensystem" zu Lasten der kinderlosen Einzahler. Für den Steuerzahler, so das andere wichtige Signal der Wähler-Comeback-Kampagne Haderthauers, "würden dabei keine zusätzlichen Kosten entstehen".

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32219/1.html
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